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Schlamperei: Für die Reinigung sind vier Tage Vollsperrung nötig

Leipziger City-Tunnel Schlamperei: Für die Reinigung sind vier Tage Vollsperrung nötig

Fast eine Milliarde Euro hat der Leipziger City-Tunnel gekostet – doch beim Thema Reinigung wurde offensichtlich gespart. Bereits seit der Eröffnung der Untergrundröhre vor fast vier Jahren bereitet das Säubern der Fassaden aller unterirdischen Stationen den Bahn-Experten Kopfzerbrechen.

Die schicken Fassaden in der City-Tunnel-Station Markt können bislang nicht gereinigt werden.

Quelle: Leipzig report

Leipzig. Fast eine Milliarde Euro hat der Leipziger City-Tunnel gekostet – doch beim Thema Reinigung wurde offensichtlich gespart. Bereits seit der Eröffnung der Untergrundröhre vor fast vier Jahren bereitet das Säubern der Fassaden aller unterirdischen Stationen den Bahn-Experten Kopfzerbrechen. Grund: Aus Sicherheitsgründen müssen die S-Bahnen bis zu vier komplette Tage im Rahmen einer Vollsperrung aus dem Tunnel verbannt werden. Besonders problematisch ist die Situation in der Station Markt.

„Die Reinigung der 17 Meter hohen Wände in Leipzig-Markt ist auch im Zeitraum der nächsten geplanten Totalsperrung des Hauptbahnhofs samt City-Tunnel vom 20. bis 24. September nicht möglich“, heißt es aus der Bahn-Pressestelle in Leipzig auf LVZ-Anfrage. In diesem Zeitraum seien der Auf- und Abbau von dafür notwendigen Gerüsten sowie die Reinigung nicht zu schaffen. Auch für Laien auszumachen: Unterhalb des Markts existieren – im Gegensatz zu allen anderen City-Tunnel-Stationen – nicht einmal sogenannte Befahrungsanlagen unter der Decke zum Säubern der Fassaden.

Gerüchten, dass die langsam verdreckenden Fassaden unterm Markt ein gestalterisches Ziel des Architekturbüros sind, weist Matthias Buchmeier von der für diese Station federführenden Kellner Schleich Wunderling Architekten und Stadtplaner GmbH aus Hannover zurück: „Es gab keine Anforderungen, diese Anlage zu planen“, erklärt er. Und: „Beim Entwurf der Station Markt – insbesondere des Farbkonzeptes – ist durchaus berücksichtigt worden, dass sich der anfallende Bremsstaub mit der grundlegenden Farbgebung der Stationshalle verträgt. Der Umkehrschluss jedoch, dass die Ablagerungen Teil des Entwurfskonzepts sind, ist so nicht richtig.“

Schuldfrage ist nicht geklärt

Von einem „transito­rischen Raum unter Tage“, „von evozierenden Einblicken“ durch Galerien in den Fassaden sowie von der „Materialisierung der Markthalle“ ist im etwas blumigen Exposé der City-Tunnel-Station Markt die Rede. Optisch macht der Haltepunkt mit seinem 140 Meter langen Mittelbahnsteig in 22 Metern Tiefe samt Fassaden aus Terrakotta-Elementen einiges her – doch wie das Ganze reinigen. Die Bahn sucht verzweifelt nach Lösungen, eine Vollsperrung von vier Tagen reicht nicht aus. Wer hat Schuld?

„Im Zuge der Planung ist klar geworden, dass es eines gewissen Aufwands für die Säuberung bedarf“, so Matthias Buchmeier (KSW Architekten und Stadtplaner GmbH). Die Reinigungsintervalle seien zum Zeitpunkt der Planung allerdings nicht bekannt gewesen. Auch eine Befahrungsanlage für die Fassadenreinigung sei „nie Bestandteil der Planung“ gewesen. „Es gab keine Anforderungen dafür“, so Buchmeier. Im Gegensatz zur Station Leuschnerplatz, wo eine Verdreckung der Glasbausteine die Beleuchtung in der Station einschränken würde, werde die Funktion der Fassade unter dem Markt nicht beeinträchtigt. Ob die Bahn eine Lösung findet, ist derzeit unklar.

Bei der Deutschen Bahn (DB) als Betreiber des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes laufen spätestens seit der LVZ-Anfrage die Drähte heiß. Einem Mitarbeiter aus dem technischen Bereich zufolge seien den turnusmäßigen Sitzungen seitdem bereits zwei Sondertreffen gefolgt. „Die DB ist zum Thema Reinigungsmöglichkeiten in Leipzig-Markt – ohne Beeinträchtigungen des Zugverkehrs – seit einiger Zeit in enger Abstimmung mit dem Aufgabenträger auf Lösungssuche“, lautet das dürre Statement. Sogar der Einsatz von Industriekletterern sowie von Schienengerüstwagen soll schon erwogen worden sein. „Wir können aktuell zu Ergebnissen noch keine Aussagen treffen“, teilt die Bahn mit. Mehr Glück hat da die Station Hauptbahnhof tief. „Die Wände dieser Verkehrsstation werden zur Vollsperrung Ende September gereinigt“, bestätigt die Pressestelle. Hier reicht die Zeit für den Auf- und Abbau der notwendigen Gerüste.

Hintergrund für die Reinigungsposse sind offenbar unpräzise Passagen im einstigen Vertrag zwischen dem City-Tunnel-Projektsteuerer Deges und dem Freistaat Sachsen, in dem die Folgekosten nicht die notwendige Rolle spielten. Zudem soll die für die Säuberung zuständige DB Station & Service viel zu spät in das Projekt eingebunden worden sein. Wann die Station Markt erstmals gesäubert wird, steht derzeit in den Sternen.

Taubendreck ist weiteres Problem

Eine weiteres Problem im Tunnel: der Taubendreck. LVZ-Leserin Petra Lau steigt jeden Tag am Bayerischen Bahnhof aus. Sauer stoßen ihr dort die Tauben auf, die sich auf den bunten Röhren über dem Aufgang niederlassen. „Alles ist voller Kot, der sogar auf Treppen und Geländer heruntertropft. Es gibt zu wenige Zacken, die die Vogel abhalten, sich niederzulassen.“ Was die Bahn dagegen tut, möchte sie wissen.

„Seit Inbetriebnahme der Station im Dezember 2015 wurden verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, die Tauben von den Rohren an den Eingängen fernzuhalten“, teilt die Deutsche Bahn mit. So wurden die Rohre unter anderem mit einer speziellen Paste bestrichen, gelbe Plastenoppen angebracht, die die Tauben für Feuer halten sollen, und grünes Laserlicht eingesetzt. Zu dauerhaftem Erfolg führte das jedoch nicht. Nun will die Bahn eine Lösung gefunden haben, die größeren Erfolg verspricht. „Seit kurzem sind an den oberen Rohren Spikes zur Taubenvergrämung angebracht, um deren Wirkung zu testen. Diese Spikes wirken gut, sodass alle verbliebenen Rohre während der Totalsperrung des Hauptbahnhofes ab 21. September entsprechend ausgerüstet werden“, teilt der Konzern mit.

Aktuell wird den Exkrementen hinterhergewischt. „Die Bahnsteigböden werden täglich feucht gereinigt. Zudem erfolgt mehrfach wöchentlich die Taubenkotentfernung“, so die Bahn. Um die verdreckten Rohre kann sich das Unternehmen derzeit nur einmal pro Jahr kümmern, da die Station für den notwendigen Einsatz der Kletterer mit Sicherheitsseilen gesperrt sein sollte.

Von Martin Pelzl

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