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Schlobachshof wird versteigert – Enkelin des Gründers bangt um das Gut

Bauten im Auenwald Schlobachshof wird versteigert – Enkelin des Gründers bangt um das Gut

Bei einer Million Euro liegt das Mindestgebot. Wenn am Donnerstag im Leipziger Amtsgericht der historische Schlobachshof zur Zwangsversteigerung aufgerufen wird, dann dürfte eine Seniorin aus Böhlitz-Ehrenberg besonders mitfiebern.

14 Hektar Land umfasst das Areal Schlobachshof, welches vor reichlich 100 Jahren im nördlichen Auenwald bei Gundorf angelegt wurde und am Donnerstag versteigert wird.

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. Bei einer Million Euro liegt das Mindestgebot. Wenn am Donnerstag im Leipziger Amtsgericht der historische Schlobachshof zur Zwangsversteigerung aufgerufen wird, dann dürfte eine Seniorin aus Böhlitz-Ehrenberg besonders mitfiebern. Angelika Kriehmig (73) ist nämlich das Enkelkind von Walter Schlobach, einer der drei Brüder, die dieses wunderschöne Gut mitten im Auenwald aufgebaut hatten. „Es geht mir schon an die Nieren, was nun daraus wird“, sagt die rüstige und resolute Frau, die sich in der Geschichte des Areals bestens auskennt.

Familie Schlobach war eine jener Unternehmer-Dynastien, die im 19. Jahrhundert den Aufstieg von Böhlitz-Ehrenberg zur wichtigsten Industriegemeinde Sachsens bewirkten. 1846 kaufte Carl Wilhelm Franz Schlobach (1824–1907), Sohn des Besitzers der Leipziger Thomasmühle, die Böhlitzer Getreide-Mühle an der Luppe, um dort ein Furniersägewerk einzurichten. Es wurde schnell eines der größten in Deutschland, lieferte zum Beispiel die Furniere für etliche Luftschiffe.

Mit 80 Jahren übertrug der Patriarch die Unternehmensleitung an seine Söhne Kurt, Walter und Georg. Sie kauften 1913 von der Gemeinde Rückmarsdorf jenen 14 Hektar umfassenden Stiftungswald, der heute versteigert wird. Zunächst wollten die Brüder dort eine Lehmgrube anlegen, um Baumaterial für die rasch wachsenden Orte neben dem Auenband zu gewinnen. „Im Ersten Weltkrieg war die Nahrungsmittel-Knappheit dann aber so verheerend, dass sie sich für einen landwirtschaftlichen Betrieb entschieden“, erzählt die Enkelin.

Weil Gemüse- und Getreideanbau auf diesem Boden kaum Ertrag brachte, verlegten sich die Besitzer bald auf die Geflügelzucht. 1929 erhielt das Gut den Charakter einer staatlichen Lehranstalt mit 25 Ausbildern und Lernenden. Bis zu 50 000 Küken pro Jahr wurden von ihnen betreut. 1936 weilten mehr als 2000 Züchter zum Leipziger Weltgeflügelkongress auf dem Schlobachshof.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verpachtete die Familie das Gut an die Universität Leipzig, welche dort unter anderem Ziergeflügel züchtete. „In dem kleinen Teich landete so viel Gülle von den Enten, dass kein Fisch mehr atmen konnte.“ Dennoch verbrachte Angelika Kriehmig in Kindheit und Jugend „immer wieder wunderschöne Zeiten auf dem idyllischen Areal, manchmal auch die ganzen Ferien“.

1993 verkaufte die Schlobach-Familie das Anwesen an ein junges Paar aus Baden-Württemberg: Familie Stanuschwewski richtete nun einen Reiterhof ein, der zu den beliebtesten Ausflugszielen der Leipziger avancierte. Wegen der Lage des Hofes in einem Natur- und Hochwasserschutzgebiet kam es aber immer wieder zu Konflikten mit den Behörden. Nach zwei Flutungen der Burgaue (2011 und 2013) gaben die Stanuschwewskis auf.

Angelika Kriehmig wünscht sich, dass der künftige Eigentümer den Hof zu neuem Leben erweckt. Allerdings weiß sie, dass es auch Forderungen von Umweltverbänden gibt, das ganze Areal zu renaturieren. „Das wäre sehr schade, auch um die denkmalgeschützten Bauten.“ Auf dem Gutshof hatte ihr Großvater manche Zeugnisse verwendet, die aus Leipzigs früheren Barockgärten stammten. Nur der Torbogen vom alten Johannishospital steht nicht an der Einfahrt zum Schlobachshof (wie einige Quellen behaupten), sondern am Wohnhaus der Schlobachs in der Auenstraße 14.

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