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Lokales Schmierereien in der Kunsthochschule: Rektor setzt auf Wir-Gefühl
Leipzig Lokales Schmierereien in der Kunsthochschule: Rektor setzt auf Wir-Gefühl
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22:00 06.02.2018
HGB-Rektor Thomas Locher Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Die Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) hat nicht vor den Kritzeleien und wilden Graffiti in dem Gebäude an der Wächterstraße kapituliert. Das betonte Rektor Thomas Locher in einem Gespräch mit der LVZ. „Wir werden in diesem Jahr einen Versuch starten, das Empfinden für das Haus, dieses Wir-Gefühl unter den Studierenden und Mitarbeitern, weiter zu stärken“, kündigte Locher an. Eventuelle Veränderungen bei der Ausgestaltung des Gebäudes, dessen letzte umfassende Sanierung weit mehr als 20 Jahre zurückliege, müssten allerdings mit den Vorgaben des Denkmalschutzes und des Brandschutzes im Einklang stehen.

Die Leitung der am 6. Februar 1764 als Akademie für Malerei begründeten Einrichtung gehe davon aus, dass die Schmierereien nicht von Hochschul-Angehörigen stammen. „Vorschläge von außen, deshalb Videoüberwachungen oder Einlass-Kontrollen einzuführen, halten wir für nicht konstruktiv und nicht zielführend. Das liefe der Idee dieses Hauses zuwider und würde eine Atmosphäre der Überwachung schaffen.“ Die HGB mit ihren Zugängen von allen Seiten sei ein offener und öffentlicher Ort der Kunst und des freien Gedankenaustauschs. „Das werden wir auch bleiben.“

Wie berichtet, bemüht sich der aus Hamburg stammende Werbefachmann Kay Tangermann seit November 2016 darum, das Rektorat sowie den für das Gebäude zuständigen Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) zu mehr Aktivitäten gegen „die infantilen Krakeleien und beschädigenden Schmierereien“ an dem Baudenkmal zu bewegen. Der Rektor solle den Studierenden mit Strafanzeige, Schadensersatz und sofortigem Hausverbot für den Fall drohen, dass einer von ihnen bei Kritzeleien an den Wänden erwischt wird, forderte Tangermann. Er habe bereits das Sächsische Wissenschaftsministerium aufgefordert, dienstrechtlich gegen Locher vorzugehen.

2017 wurden – nach Abstimmungen zwischen SIB, Hochschule und Denkmalschutz – die Fassaden neben dem Hauptportal gereinigt, Türen abgeschliffen und gestrichen, auch etliche Wände gemalert oder sogenannte Tags mit Reinigungsmitteln entfernt. Doch mit Drohungen und Anzeigen – die es auch schon gab – lasse sich das Problem nicht lösen, so HGB-Sprecherin Meike Giebeler. Zudem blieben die Verursacher zumeist im Dunkeln.

„Es ist schlichtweg falsch, dass solche Bemalungen ein neues Phänomen wären, dass es damit immer schlimmer werde oder dass unsere Studierenden die Urheber sind“, sagte sie. Richtig sei vielmehr, dass meist nach bestimmten, öffentlichen Ausstellungen wie dem „HGB-Rundgang“ (der Nächste findet übrigens vom 15. bis 18. Februar statt) eine Zunahme diverser Zeichen im Gebäude zu erkennen ist. Auch deuteten einige Hinterlassenschaften darauf hin, dass sie von abgelehnten und daher wohl frustrierten Studienbewerbern stammen könnten. „Tags und Streetart sind natürlich auch Kunstformen“, gab Giebeler zu bedenken.

Die HGB leide unter akutem Platzmangel, so Rektor Locher. Obwohl sie seit einiger Zeit über eine Außenstelle in der Trufanowstraße verfüge, habe nicht jeder der 600 Studenten einen festen Arbeitsplatz. „Dass es in der Kunsthochschule ein bisschen wilder zugeht als in der Oberfinanzdirektion, das muss auch so sein. Dennoch wollen wir uns weiterhin nicht lauthals, sondern sachlich und mit den Ideen der Hochschulangehörigen dem Graffiti-Thema stellen. Die HGB wird sich dadurch auch nicht von anderen Fragen ablenken lassen, die eine Kunsthochschule heute beantworten muss.“ 

Von Jens Rometsch

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