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Schneeblumen-Gedenkweg: Leises Erinnern an Todesmarsch 1945

Schneeblumen-Gedenkweg: Leises Erinnern an Todesmarsch 1945

Es war ein Gedenken, das unter die Haut ging. Kaum ein Teilnehmer, der nicht ergriffen war. Bei manchen standen Tränen in den Augen. Gut 200 Menschen nahmen am Montagabend am Schneeblumen-Gedenkweg teil.

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Besinnung durch Musik: An den einzelnen Stationen lauschten die Gedenkweg-Teilnehmer Liedern, die den Zwangsarbeiterinnen damals Kraft gaben.

Quelle: André Kempner

Leipzig/Markkleeberg. Und gedachten der Frauen, die den gleichen Weg genau 70 Jahre zuvor unter Höllenqualen entlangmarschieren mussten.

Die Sonne schickte am Montagabend gerade ihre letzten Strahlen in den Markkleeberger Wolfswinkel, als der Gedenkzug in Richtung Stötteritz startete. Leise, besinnlich und sehr ergriffen. Von dem Ort, an dem im letzten Kriegsjahr 1500 französische Widerstandskämpferinnen und ungarische Jüdinnen von den Nazis zur Zwangsarbeit in den örtlichen Rüstungsbetrieben gezwungen wurden. Am Montag vor 70 Jahren sollten die ausgemergelten Frauen nach Theresienstadt in Tschechien marschieren. Weg von den heranrückenden alliierten Streitkräften. Eine letztes grausames Verbrechen der Nazi-Diktatur.

Mit dem Schneeblumen-Gedenkweg wollten Organisatoren und Teilnehmer an diesen Marsch erinnern. Nicht nur durch das Ablaufen der Strecke. An verschiedenen Stationen spielten Musiker auf ihren Instrumenten, sangen Chöre in den Nachthimmel. Alles Lieder, die den Zwangsarbeiterinnen während ihrer Gefangenschaft Kraft gaben. "Lieder waren unsere Medizin", heißt es im Buch "Schneeblumen". Dort schrieb die Überlebende Zahava Szasz Stessel, die heute in New York lebt, ihre Erinnerungen an die Vernichtungslager und den Marsch von Markkleeberg in Richtung Osten auf. Am Montag wurden einzelne Abschnitte aus dem Buch gelesen, ebenso wie alle Namen der damaligen Frauen. In Kooperation mit dem Markkleeberger Kulturbahnhof konnten die Teilnehmer außerdem kleine Karten mit dem Namen einer der Frauen während des Gedenkweges mit sich tragen.

Viele Möglichkeiten also, sich emotional auf das Leid und die Geschichte der Frauen von damals zu besinnen. Vor allem während der Schweigeetappe, während der es durch den schon in Dunkelheit getauchten Lößnig-Dölitzer Park nahe des Silbersees ging.

"Das ist was fürs Herz, nicht nur für den Geist. Mir lief zu Beginn ein richtiger Schauer über den Rücken", sagte Teilnehmerin und Ordnerin Bettina Atteln. Für sie war es eine spielerische und künstlerische Art des Gedenkens. Und voller Emotionen sagte sie: "Man wird angestoßen, darüber nachzudenken, was damals passiert ist."

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und mit dem hohen Alter der letzten Zeitzeugen ging es am Montagabend ebenfalls um eine andere Form des Gedenkens. "Es war auch ein Experiment, um zu schauen, wie sich die Wirkung entfalten wird", so Anja-Christin Winkler vom Verein Flügelschlag Werkbühne. Zusammen mit Werner Schneider vom Notenspurverein war sie maßgeblich für die gelungene Organisation verantwortlich. Winkler hofft, mit dem Gedenkmarsch eine Art gefunden zu haben, die Leute zu bewegen und für die damalige Zeit zu sensibilisieren. Auch mit Blick auf zukünftige Gedenkveranstaltungen. "Es wäre schön, wenn wir da Impulse geben konnten", sagte sie.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.04.2015

Lucas Grothe

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