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Schnellverfahren zur Früherkennung schwerer Immunerkrankungen geht an Bundesausschuss

Schnellverfahren zur Früherkennung schwerer Immunerkrankungen geht an Bundesausschuss

Leipziger Forscher und Mediziner haben einen neuen Test entwickelt, der frischgebackenen Eltern noch mehr Sicherheit bezüglich der Gesundheit ihrer Kinder gibt.

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Seit mehr als einem Jahr läuft die Erprobung eines Schnellverfahrens zur Früherkennung schwerer, oft tödlich verlaufender Immunerkrankungen (Symbolfoto).

Quelle: fotolia

Leipzig. Seit mehr als einem Jahr läuft die Erprobung eines Schnellverfahrens zur Früherkennung schwerer, oft tödlich verlaufender Immunerkrankungen. Jetzt liegt der Test dem Gemeinsamen Bundesausschuss zur Prüfung vor. Er ist das oberste Beschluss­g­re­mium der Selbst­ver­wal­tung von Ärzten, Zahn­ärzten, Psycho­the­ra­peuten, Kran­ken­häusern und -­kassen in Deut­sch­land, das darüber entscheidet, welche Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen erbringen müssen.

Standardmäßig wird hierzulande jedes Baby zwischen dem dritten und fünften Tag nach der Geburt auf Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen untersucht. Schon in zwei Jahren könnte dieses Neugeborenen-Screening um einen wichtigen Bestandteil erweitert werden.

Forscher und Mediziner des Immundefektzentrums am St.-Georg-Klinikum (IDCL) und des Translationszentrums für Regenerative Medizin der Uni Leipzig (TRM) haben in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Karolinska Institut ein Verfahren zum Aufspüren von primären Immundefekten entwickelt (die LVZ berichtete). Eine der Herausforderungen war nach den Worten von Stephan Borte (30), Arbeitsgruppenleiter am TRM, eine technische Lösung zu finden, die zur Analyse der Zellstruktur kein Flüssigblut mehr braucht. Wie bei den üblichen Neugeborenen-Screenings sollte für den Test nur die Ferse des Babys angepiekst werden. Auf einer löschpapierähnlichen Karte würden ein paar Tropfen Blut aufgefangen. Aus diesen Trockenblutproben sollten im Labor kleinste Scheibchen herausgestanzt und in einer Apparatur analysiert werden. Dies gelang den Forschern. "Damit sind wir sind in Europa führend", freut sich Stephan Borte.

Üblicherweise vergehen Monate und Jahre, bis solche angeborenen Erkrankungen der T- oder B-Zellen erkannt werden, die für den Schutz unseres Körpers vor Viren, Bakterien und Pilzen verantwortlich sind. "Ohne eine funktionierende Immunabwehr werden diese Kinder sehr schnell und sehr schwer krank", erklärt Professor Michael Borthe (62), Chefarzt am IDCL. Die Sterblichkeitsrate liege bei über 60 Prozent. Die Kinder litten regelmäßig unter schweren Pneumonien, unter Bronchitis und Mittelohrentzündungen. Die ursächliche Diagnose erfolgt meist erst nach mehreren Therapieversuchen. Dann ist es aber in vielen Fällen schon zu spät. "Wenn wir den Defekt aber früh erkennen und einen Zeitvorsprung haben", so Borte, "können wir fast alle Kinder heilen."

Seit Herbst 2013 bietet das St. Georg den Test für alle im Klinikum geborenen Kinder gratis an. Bisher nutzten die Eltern von 3500 Neugeborenen diese Möglichkeit. Mittlerweile kooperieren die Leipziger mit Ärzten in Schweden, Island, Israel, Spanien, Italien, Saudi-Arabien und der Türkei. "Sie wenden unsere Screening-Algorithmen bereits an", berichtet Stephan Borte. So wurde der Schnelltest schon 100 000 Mal in der Praxis erprobt. "Wir wollten den Nachweis erbringen, dass unsere Methode gut und stabil funktioniert und sie außerdem preiswert ist", so der TRM-Mediziner.

Für die Krankenkassen ist eine Früherkennung von angeborenen Immunerkrankungen schon aus finanzieller Sicht interessant. Der Kosten für den Test betragen derzeit zwischen ein und zwei Euro pro Kind. In Deutschland werden jedes Jahr 670 000 Kinder geboren. "Von 30 000 bis 40 000 Neugeborenen kommt eines mit einem Immundefekt zur Welt", sagt Michael Borte. Es geht um eine sehr kleine Gruppe von Menschen, denen bei rechtzeitiger Diagnose jedoch großes Leid erspart bleibt - und den Krankenkassen lebenslange extrem teure Therapien, etwa mit Immunglobulinen. In Schweden wurde mit dem Leipziger Test bereits ein primärer Immundefekt bei zwei Kindern entdeckt. Sie konnten durch eine frühzeitige Stammzelltransplantation geheilt werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.03.2015

Klaus Staeubert

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