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Lokales Schock in Engelsdorf: Leipziger OBM Jung lehnt Sporthallenbau ab
Leipzig Lokales Schock in Engelsdorf: Leipziger OBM Jung lehnt Sporthallenbau ab
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00:18 20.11.2016
Schauten vor der Beratung über den Sporthallen-Neubau noch freundlich in die Kamera: Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (links) und Investor Gustav Stabernack. Als es später ums Thema ging, verfinsterten sich manche Mienen.  Quelle: Foto: André Kempner
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Engelsdorf

Eine Entscheidung, die für die Runde wie der Blitz aus heiterem Himmel kam. „Im zuständigen Fachauschuss wird seit dem Frühjahr immer wieder betont, dass nur noch Kleinigkeiten zu verhandeln sind“, echauffierte sich Stadtrat Jens Lehmann (CDU). „Was jetzt gesagt wird, macht mich sprachlos.“ Ebenso entsetzt zeigte sich Ortschaftsrat Volker Müller (Die Linke): „Der Nutzungs- und Mietvertag war endverhandelt, die plötzliche Absage kann niemand verstehen.“

Der LVZ liegt ein Dokument vor, nach dem das Amt für Gebäudemanagement den fertigen Nutzungs- und Mietvertrag, der mit Investor Stabernack ausgehandelt wurde, bestätigt. Auch das Amt für Umwelt, Ordnung und Sport sowie die Allgemeine Verwaltung unterzeichneten die Vorlage. Das Amt für Jugend, Familie und Bildung stimmte zunächst ebenfalls zu, zog aber in der Vorwoche sein Plazet plötzlich zurück. Gegen das Vorhaben sind der Oberbürgermeister und Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU). „Ich kann nicht für 20 Jahre einem Mietpreis zustimmen, der die Stadt am Ende teurer kommt als ein Neubau“, begründete Jung seine Ablehnung. Architekt Künne ließ das nicht gelten. „Wir liegen deutlich unter dem Preis für eine normale Sporthalle“, versicherte er. Jung ging auf die Erwiderung nicht ein. „Ich werde in dieser Runde keine Zahlen nennen“, sagte der OBM.

Ortsvorsteherin Annemarie Opitz (Bürgerintiative pro Engelsdorf) wies darauf hin, dass die Sporthalle auf Investoren-Grund nach 20 Jahren in den Besitz der Stadt Leipzig übergehe. „Wenn mehrere Dezernate nicht immer wieder zum Teil simple und unverständliche Nachbesserungen eingefordert hätten, würde die Halle längst stehen“, klagte sie.

Stabernack, der extra aus Fulda angereist war, weil er gehofft hatte, dass der Oberbürgermeister mit unterschriebenem Vertrag zu dem Ortstermin erscheinen würde, versuchte einzulenken: „Dann bauen wir eben nur eine Rumpfhalle und lassen die 170 Quadratmeter für zusätzliche Schulräume weg.“ Das wiederum löste bei Schulleiter Mario Korb Kopfschütteln aus. Er konfrontierte den OBM mit alarmierenden Zahlen. „Ab dem kommenden Schuljahr stehen in unserer Schule für 18 Klassen nur 17 Räume zur Verfügung.“ Und die kleine Turnhalle, die nur wenig größer als ein Volleyballfeld ist, müssten sich gleichzeitig zwei Klassen im Sportunterricht teilen – und das schon seit Jahren. Der Lehrplan sei nicht mehr als Makulatur, so Korb. Auch Ortschaftsratsmitglied Rolf Seidel (CDU) attackierte Jung. „Als oberster Dienstherr sind Sie verantwortlich, dass die Voraussetzungen für einen lehrplangerechten Unterricht geschaffen werden.“

In der Runde kam der Verdacht der späten Rache auf: Einige halten das Argument der vermeintlich fehlenden Wirtschaftlichkeit für vorgeschoben. Engelsdorf gehörte 1999 zu jenen Kommunen, die per Gerichtsentscheid zur Eingemeindung gezwungen wurden. „Aber solche Gedanken wollen wir schnell wieder wegwischen, dazu ist die Situation viel zu ernst“, sagte Ortschaftsratsvorsitzende Opitz. Trotzdem breche jetzt vieles zusammen, gehe eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung den Bach runter. „Gegenüber den Kindern kann das niemand verantworten“, so Opitz.

Für den Oberbürgermeister ist die Tür aber noch nicht ins Schloss gefallen. Er schlug vor, die Kostengruppen nochmals zu vergleichen. Stabernack signalisierte Kompromissbereitschaft und steht für weitere Verhandlungen zur Verfügung. Jung wiederum bestand auf strikter Problem-Trennung bei den Themen Sporthalle und zweite Grundschule für Engelsdorf. Die zusätzliche Bildungseinrichtung werde mit Sicherheit kommen. Nur in der Standortfrage gehen die Auffassungen noch auseinander. Jung sagte zu, dass bis Jahresende, also in rund sechs Wochen, in beiden Fällen Klarheit herrsche. „Das nehmen wir mit Skepsis zur Kenntnis, da wurde uns in der Vergangenheit einfach zu vieles versprochen, aber nichts gehalten“, erwiderte Ortsvorsteherin Opitz.

Von Günther Giessler

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