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Schreib’ mal wieder – Leipziger kreiert Postkarten aus Stoff

Pfiffige Idee Schreib’ mal wieder – Leipziger kreiert Postkarten aus Stoff

Die ersten drei Karten hat sie sich selbst nach Hause geschickt, um zu sehen, ob die Post damit klar kommt. Es hat funktioniert. Somit war der Weg frei für Judith Herschels „Stoffpost“. Eine Marke, für die die Leipzigerin das Patent hat und die sie bei den Designers’ Open in der kommenden Woche offiziell „launcht“ – das bedeutet Produkteinführung.

Judith Herschel liebt alte Stoffe und schreibt selbst gern – so kam sie auf die Idee, Postkarten aus Stoffen herzustellen.

Quelle: Kempner

Leipzig. Die ersten drei Karten hat sie sich selbst nach Hause geschickt, um zu sehen, ob die Post damit klar kommt. Es hat funktioniert. Somit war der Weg frei für Judith Herschels „Stoffpost“. Eine Marke, für die die Leipzigerin das Patent hat und die sie bei den Designers’ Open in der kommenden Woche offiziell „launcht“ – das bedeutet Produkteinführung.

Die 52-Jährige ist selbst leidenschaftliche Kartenschreiberin sowie Grußkarten-Sammlerin. Vor ein paar Monaten kam sie auf den Gedanken, Postkarten könnte man doch auch aus Stoff gestalten. Alten Stoffen noch mal neues Leben schenken, die Leute zum Schreiben animieren, etwas Kreatives verschicken oder sich selbst daran erfreuen – diese Gedanken gingen der Inhaberin einer Werbeagentur, die viel auf Messen unterwegs ist, durch den Kopf. „Anlass war, dass meine Tochter mit 18 Jahren ausgezogen ist und ihr Zimmer leer wurde. Da habe ich meine Nähmaschine herausgeholt und die ersten Varianten der ,Stoffpost’ probiert.“

Judith Herschel am Schreibtisch, an dem sie auch näht

Judith Herschel am Schreibtisch, an dem sie auch näht.

Quelle: Kempner

Mit dem Nähen ist Judith Herschel seit ihrer Kindheit vertraut: „So lange ich denken kann, höre ich die Nähmaschine meiner Mutter rattern.“ Die Mutter – Elke Herschel – war zu DDR-Zeiten Grafikerin bei der Dewag (Deutsche Werbe- und Anzeigengesellschaft) und gestaltet seit fast 40 Jahren das Märchenland auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt, eine besondere Attraktion – auch dieses Jahr wieder.

Gebrauchte alte Stoffe von Böden, aus Truhen oder Kleiderschränken haben es der Tochter angetan. Vielleicht künftig auch aus der Oper oder aus dem Kostüm- und Filmfundus – wer weiß, Ideen gibt es viele. Was Judith Herschel besonders daran fasziniert, ist die Haptik, das Tastgefühl. Sie benutzt Cord, Samt, Satin, Seide oder Frottee – Stoffe, die im früheren Leben mal Handtücher, Tischdecken, Vorhänge, Kleider oder auch Jeans waren. Auch von DDR-Dederonschürzen ist sie ganz begeistert, „aber die lassen sich sehr schwer vernähen.“

Zur Probe abgeschickte Stoffpostkarte – sie kam an

Zur Probe abgeschickte Stoffpostkarte – sie kam an.

Quelle: Kempner

Die gereinigten und gebügelten Stoffe werden im zweiten Leben zu Postkarten, wahlweise auch zu Visitenkarten, Schlüsselanhängern oder Bildpaaren, die nach dem Memory-Prinzip ertastet werden können. Judith Herschel schneidet sie zurecht, näht sie mit hochwertigem Seidengarn auf wasserabweisendes Papier und stichelt per Nähmaschine sogar die Adresszeilen und Trennlinien darauf. Die „Stoffpost“ ist für die studierte Kulturwissenschaftlerin zunächst eine kreative Freizeitbeschäftigung. Es könnte ihr zweites, künstlerisches berufliches Standbein werden, denn Anfang August hatte sie bereits den ersten Kilometer Zwirn vernäht. Erhältlich sind ihre Karten in Galerien in Leipzig, Frankfurt, Berlin und Erfurt sowie im Onlineshop.

Die Gestalterin war 25 Jahre weg aus Leipzig. Sie hat in Frankfurt, Köln und Hamburg gearbeitet, kehrte aus Heimweh letztlich zurück. Vom langen Wegbleiben habe sie einen „Ostkomplex“, erzählt sie lachend – deshalb schwelgt sie gern ein bisschen in Nostalgie mit zahlreichen Wohngegenständen im DDR-Design. Ihr Mann ist Architekt, die Tochter will ebenfalls Architektur studieren.

stoffpost.de

Am 22./23. Oktober ist Judith Herschel im Rahmen der Designers’ Open in der Villa Kontor, Leuschnerplatz 9, zu Gast.

Von Kerstin Decker

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