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Schüler vom Leipziger Reclamgymnasium betreuen Flüchtlingskinder

Willkommenskultur Schüler vom Leipziger Reclamgymnasium betreuen Flüchtlingskinder

„Schüler einer Welt“ – am Reclamgymnasium wird das gelebt. Leipziger Jugendliche betreuen in an der Bildungseinrichtung Flüchtlingskinder. Willkommenskultur wird auch in der DaZ-Klasse groß geschrieben.

Gelebte Willkommenskultur: Harald Langenfeld (Mitte) lobt das Engagement von Mariela Peschke (rechts) und Lara Dupont in der DaZ-Klasse am Reclamgynasium.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Fußball ist seine Leidenschaft. „Hier habe ich aber noch keine Mannschaft gefunden“, erzählt Ahmad. Der 13-Jährige stammt aus Afghanistan und hat in Leipzig schon viele Freunde, etwa zum Tischtennis spielen. Eifrig übt er ebenso wie seine Schwester Jamila Deutsch. Beide lernen in einer DaZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) am Reclam-Gymnasium in der Tarostraße, aber auch mit Wörterbüchern aus dem Internet. „Meine Lieblingsfächer sind Mathe und Bio“, erzählt Ahmad. „Ich habe eine Bibliothekskarte und hole mir viele Bücher“, ergänzt Jamila. Und auch Klassenkameraden wie Khali und Amari aus Syrien oder der 16-jährige Abman, der als unbegleiteter Flüchtling in einer Wohngemeinschaft lebt, reden stolz in der für sie fremden Sprache.

Mariela Peschke und Lara Dupont unterrichten in der DaZ-Klasse am Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium Kinder aus neun Ländern, überwiegend aus Syrien. Die meisten Kinder und Jugendlichen können anfänglich kein oder wenig Deutsch, haben oft Elend und Gewalt erlebt und müssen sich in der fremden neuen Welt orientieren. Das funktioniert am Franz, dem deutsch-französischen Bildungszentrum, gut. Dort wird eine Willkommenskultur gelebt, die maßgeblich von den Schülern geprägt ist. Das lobt Leipzigs Sparkassenchef Harald Langenfeld, der Vorsitzende des Kuratoriums des Bildungszentrums. Gemeinsam mit Grünen-Politikerin Gisela Kallenbach schaut er sich in der DaZ-Klasse um. „Das Engagement der Lehrerinnen und die hohe Motivation der Lernenden hat mich zutiefst beeindruckt“, so Kallenbach. Und Langenfeld würdigte, wie toll sich eine Schülerinitiative für die Schutzsuchenden engagiert. „Das möchte ich bei all den Negativschlagzeilen aus Sachsen hervorheben. Zu helfen, ist doch eigentlich typisch für unser Land.“

Das hören neben Schulleiterin Petra Seipel vor allem die beteiligten Schüler gern, die ihr Projekt „Schüler einer Welt“, das auf Integration durch Bildung setzt, buchstäblich mit Leben erfüllen. Nebenan im ehemaligen Gebäude der Pablo-Neruda-Grundschule leben derzeit Menschen verschiedener Nationalitäten, darunter auch viele Kinder, in einer Notunterkunft. „Die Idee war zunächst, kostenlosen Nachhilfeunterricht zu geben“, erzählt Ronja Riese, die das Projekt mit Johanna Mai, Sofie Kleiser, Lucie Batura und Antonia Berger entwickelt hat. „Als die Unterkunft eingerichtet wurde, haben wir ein Spielzimmer eingerichtet.“

Mittlerweile gehört es für die Schüler zum Alltag, nachmittags an den Wochentagen abwechselnd mit den Kindern zu spielen und ihnen „nebenbei“ Deutsch beizubringen. Die Schülerinitiative unterstützt die jungen Flüchtlinge in ihrem Alltag, organisiert Freizeitaktivitäten oder Hausaufgabenhilfe. „Mit einem Zoobesuch hat es noch nicht geklappt – das ist zu teuer. Die Kinder können aber nicht in den Urlaub fahren, deshalb holen wir das mit dem Ferienpass in den Sommerferien nach“, sagt Ronja Riese.

Der Unterricht in der DaZ-Klasse funktioniert oft spielerisch. Die beiden Lehrerinnen benutzen neben den Lehrbüchern beispielsweise ein Video aus der „Sendung mit der Maus“, in der es auch um Flüchtlinge geht. Einige sind dann auch bereit, von sich zu erzählen. „Psychologen können wir natürlich nicht ersetzen, wir lassen die Kinder aber auch nicht allein“, erzählt Mariela Peschke. Lara Dupont: „Vielen tut es gut zu erzählen, was sie auf der Flucht erlebt haben.“

DaZ-Klassen gibt es auch in der Georg-Schumann-Oberschule in der Glockenstraße, die ebenfalls zum Bildungszentrum Franz gehört. Dort unterrichtet mit Genia Richter eine engagierte Lehrerin, die sich um Kinder wie Jasmin aus Libyen kümmert. Die Klasse ist geteilt, um besser auf das unterschiedliche Niveau reagieren zu können. Die DaZ-Ausbildung verläuft in drei Phasen. Zunächst werden die Grundlagen der deutschen Alltags- und Bildungssprache intensiv vermittelt. Eine zweite Phase sieht vor, Deutsch in der Vorbereitungsklasse zu lehren, sie dann schrittweise am normalen Unterricht teilhaben zu lassen. Phase 3 ist dann die Integration in der Regelschule. „Früher kamen oft alle zwei Monate neue Schüler hinzu. Das war schwierig, weil man stets bei Null anfangen musste“, erklärt die Lehrerin. Jetzt werde meist zum Halbjahr gewechselt.

In Leipzig lernen derzeit gut 1830 junge Ausländer in den unterschiedlichen DaZ-Klassen. In der Georg-Schumann-Oberschule bleiben die Plätze von zwei jungen Mazedoniern, die erst hier Lesen und Schreiben gelernt haben, leer. Sie sind Anfang der Woche mit ihren Familien abgeschoben worden. Auch das gehört zum Alltag.

Von Mathias Orbeck

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