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Schule am Rabet: Eltern rechnen ab

Schule am Rabet: Eltern rechnen ab

Der Verteiler ist riesig, der offene Brief von Elternrat und Förderverein der Schule am Rabet an den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) ist gestern nahezu dem kompletten politischen Freistaat und allen Fraktionen des Stadtrates zugegangen.

Thema: die Missstände an der Grundschule in der Eisenbahnstraße 50.

Wie die LVZ in der Vorwoche exklusiv berichtete, verlangen die Elternvertreter und Förderer die sofortige Ablösung der Schulleitung, die seit Monaten "durch Versäumnisse oder Handlungen das Kindswohl gefährdet". Zugleich gehen Elternratsvorsitzende Katarzyna Pawlitzki, ihre Stellvertreterin Ulrike Geisler und Fördervereinschef Uwe Krüger mit der zuständigen Behörde, der Sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig, hart ins Gericht. Sie komme ihrer "Verantwortung zum Schutz unserer Kinder" nicht nach, sehe über "gravierende Missstände" hinweg.

Mangelnde Kooperation mit den Erziehungsberechtigten der 236 Schüler, fehlendes Krisenmanagement, mangelhafter Informationsfluss: Nach Ansicht der Eltern ist die Leitung der Bildungseinrichtung, die mit 61,6 Prozent den höchsten Migranten-Anteil al- ler Grundschulen Sachsens aufweist - "offensichtlich überfordert". Die Schulleiterin stehe einem "kranken System" vor. Aktueller Anlass für die schonungslose Abrechnung von Elternrat und Förderverein: der krankheitsbedingte längere Ausfall der Schulsozialarbeiterin. "Diese Erkrankung scheint in direktem Zusammenhang mit ihren Arbeitsbedingungen an der Schule und dem Führungsstil der Schulleiterin zu stehen. Seit ihrem Arbeitsbeginn im Februar 2012 ist die hochkompetente und engagierte Schulsozialarbeiterin bei ihren Bemühungen um das Wohl unserer Kinder ausgebremst worden und gegen Wände gelaufen", heißt es in dem offenen Brief. Dies sei kein Einzelfall. "Auch andere Lehrer waren bereits von derselben Erkrankung nach Konflikten mit der Schulleitung betroffen. Insgesamt deutet eine hohe Lehrerfluktuation auf Probleme in Arbeitsklima und Personalführung hin." Um welche Erkrankung es sich handelt, lassen die Elternvertreter offen.

Die Schreiber listen gleich mehrere Beispiele für Kindswohlgefährdungen auf. So soll die Schulleiterin, seit 1992 am Rabet beschäftigt, einem Kind, das von einem anderen regelmäßig geschlagen wurde, empfohlen haben, die Schule zu wechseln. Der Täter sei derweil ungeschoren davongekommen. "Ein an Zynismus grenzendes Fehlverhalten, das aus unserer Sicht symptomatisch für den Umgang mit Konflikten an der Schule ist", so die Einschätzung der Eltern. Außerdem hätten "überforderte und verzweifelte Lehrer Schüler angebrüllt, beschimpft und sogar geschlagen".

Im Kollegium der Grundschule am Rabet habe der offene Brief "große Betroffenheit und ebenso großes Unverständnis" ausgelöst, sagte Roman Schulz, der Sprecher der Bildungsagentur in Leipzig, gegenüber der LVZ. Die Schulleiterin werde sich zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen öffentlich nicht äußern, er selber sei autorisiert, im Namen der Lehrerschaft Verwunderung über die "pauschalen Vorwürfe" zum Ausdruck zu bringen. "Als Bildungsagentur standen wir mit den Unterzeichnern des Briefes bis zuletzt in Kontakt, wir haben uns in vielen Gesprächen und bei Runden Tischen immer um Deeskalation bemüht", sagte der Sprecher. Die jetzt angeschlagene Tonart erschüttere ihn. "Bei allem Verständnis für das Recht der Eltern, sich mit dem Bildungswesen kritisch auseinanderzusetzen: Das alles ist hart an der Schmerzgrenze." Zumal sehr viel spekuliert werde, kritisierte Schulz. Er räumte allerdings ein, dass es wegen zweier Fälle von Lehrer-Gewalt gegen Schüler "Personalmaßnahmen" gegeben habe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.03.2015

Welters, Dominic

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