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Schulleiter werden immer mehr zum Unternehmer – Berufsverband will Entlastung

Vereinigung der Gymnasialdirektoren Sachsen Schulleiter werden immer mehr zum Unternehmer – Berufsverband will Entlastung

Mit dem neuen Schulgesetz will die Landesregierung die Eigenverantwortung der Schule stärken. Das wird von der Vereinigung der Gymnasialdirektoren Sachsen (VGS) grundsätzlich positiv begrüßt. Sie weist aber darauf hin, dass gerade die Schulleiter immer mehr „Unternehmerpflichten“ bewältigen müssen.

Schulleiter wie Heike Palluch müssen immer mehr Verwaltungstätigkeiten bewältigen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Mit dem neuen Schulgesetz will die Landesregierung die Eigenverantwortung der Schule stärken. Das wird von der Vereinigung der Gymnasialdirektoren Sachsen (VGS) grundsätzlich positiv begrüßt. Sie weist aber darauf hin, dass gerade die Schulleiter immer mehr „Unternehmerpflichten“ bewältigen müssen – vom Arbeits- und Brandschutz oder Gesundheitsmanagement über die Verwaltung von Lehrmitteln bis zu einem ausufernden Berichtswesen. Heike Palluch, die das Immanuel-Kant-Gymnasium in der Leipziger Südvorstadt leitet, ist 2. Vorsitzende der VGS. „Die Schulleiter hat leider keiner gefragt, wie sie das bewältigen“, schickt die engagierte Schulleiterin voraus, ohne in irgendeiner Form jammern zu wollen, wie sie mehrfach betont. „Wenn ich jedoch alles wirklich ganz akribisch umsetzen würde, wäre das nicht zu schaffen. Der Tag hat auch bei mir nur 24 Stunden.“ Schulalltag funktioniere nur mit etwas „Mut zur Lücke“. Weil das aber viel mit Verantwortung zu tun habe, stimme von vornherein etwas nicht. „Ich muss ja für die Sicherheit meiner Schule, für die Referendarausbildung oder für meine Kollegen bürgen können. Wenn ich da Zweifel habe, mache ich meinen Job nicht mehr gut. Das treibt derzeit viele Schulleiter in ganz Sachsen um“, betont Palluch. Schließlich müsse sie auch regelmäßig hospitieren, Personalentwicklung betreiben. Dafür bleibe kaum noch Zeit, weil sie ja auch selbst unterrichtet – und zwar liebend gern.

Einige haben es besonders schwer, wenn nebenbei die Sanierung des Gebäudes läuft: „Die Aussicht ist schön, unsere Schule wird sicherlich toll, der Weg dahin ist für alle stressig“, sagt Ulrich Stein, der Chef des Werner-Heisenberg-Gymnasiums. Dort läuft die Sanierung, ein Teil der Schüler ist in ein anderes Gebäude ausgelagert, Unterricht muss quasi doppelt organisiert werden – einschließlich der „Wanderung“ zwischen den Häusern. „Ich weiß aber, dass mich Kollegen beneiden, deren Schule noch nicht saniert ist.“

Mit der anstehenden Schulgesetznovelle werde das Aufgabenfeld des Schulleiters sogar größer, da beispielsweise die inklusive Bildung gestärkt wird und auch die Integration von jungen Ausländern im Schulalltag zunimmt. Hinzu kommt: Schulen erhalten künftig ein eigenes Lehrerstundenbudget, um beispielsweise in Leistungskursen flexibler zu sein. Und auch ein Schulkonto. Wie letzteres funktioniert, weiß derzeit keiner. Hier ist der Schulträger gefragt, es zu organisieren. Aber sind die Schulsekretariate dafür ausgebildet? „In einem Bundesland wurden Schulassistenten eingestellt, um behördliche oder verwaltende Aufgaben zu übernehmen“, erklärt die Direktorin. Derzeit werde beispielsweise die Medientechnik vom Informatiklehrer „nebenbei“ betreut. „Er ist dann für jede Druckerpatrone verantwortlich, die irgendwo fehlt, oder für jeden Beamer, der sich nicht mehr hochfahren lässt.“ Um Lehrer zu entlasten, könnten Servicekräfte für mehrere Schulen eingestellt werden. Selbst die Internetseiten für die Schulen werden ehrenamtlich von Lehrern betreut. Der Freistaat fordere ja die Arbeit mit einem Schulprogramm, zu dem natürlich auch Öffentlichkeitsarbeit und die Medienentwicklung gehört.

„Eine eigenverantwortliche Schule müsste bedeuten, dass Schulleiter mehr Gestaltungspielraum erhalten, ihre Schule kontinuierlich zu entwickeln und zu verbessern“, findet auch der Dresdener Lehrer Armin Asper, der Vorsitzende der VGS. Zwingend notwendig sei dafür ein angemessener Organisationsrahmen. Wie der aussehen könnte, hat auch die Bundesdirektorenkonferenz formuliert, die in Leipzig tagtet. Dazu gehören beispielsweise eine hinreichende Zahl von Studiendirektoren, die Bereiche eigenverantwortlich leiten, mehr Zeit für die erweiterte Schulleitung außerhalb der Unterrichts-Pflichtstunden, professionelle Schulverwaltungssoftware sowie die Einstellung von nicht-pädagogischem Personal für administrative Aufgaben. „Weil Problemfelder größer werden, gehört an jede Schule ebenfalls ein Sozialpädagoge“, nennt Palluch ein weiteres Beispiel, wie Schule fit für die Aufgaben der Zukunft gemacht werden kann. Gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund gebe es viele formale Dinge zu klären. Klassenleiter können dies – trotz guten Willens – oft nicht mehr zusätzlich leisten.

 

Von Mathias Orbeck

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