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Schulumbennennung in Leipzig gestoppt - Baronesse von Eberstein war keine Wohltäterin

Schulumbennennung in Leipzig gestoppt - Baronesse von Eberstein war keine Wohltäterin

Nach dem klaren Votum der Schulkonferenz wäre es reine Formsache gewesen: Am nächsten Mittwoch sollte der Stadtrat die Umbenennung der 16. Oberschule in Clara-Hedwig-von-Eberstein-Schule beschließen.

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Pyramide über der Eberstein'schen Gruft .

Quelle: André Kempner

Leipzig. Doch jetzt tauchen plötzlich Details aus dem Leben der Namensgeberin auf, die ein völlig anderes Licht auf die letzte Patronin von Schönefeld werfen.

Die Schule in der Konradstraße stoppte daraufhin die Namensgebung und zog die Vorlage für den Stadtrat zurück.

In der Begründung zur Namensgebung präsentiert die Schule die Baronesse als gütige Wohltäterin. Die Kurzbiografie nimmt Bezug auf einen Text, den eine Projektgruppe der Leipziger Universität zu Frauenpersönlichkeiten verfasst hatte. "Das ist völliger Quatsch", sagt der bekannte Leipziger Friedhofsforscher Alfred E. Otto Paul. Er hat im Zusammenhang mit der spektakulären Familiengruft - einer Pyramide neben der Schönefelder Kirche - zwei Jahre lang die Geschichte derer von Eberstein erforscht. Er las sich durch unzählige Seiten in Tauf- und Ehebüchern, durch Todesanzeigen, durch Akten in Museen, im Staats- und Stadtarchiv.

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Die Persönlichkeit der Clara Hedwig von Eberstein, schreibt Paul in seinem 2010 erschienenen, jedoch nicht im Buchhandel erhältlichen dritten Band von "Die Kunst im Stillen - Kunstschätze auf Leipzigs Friedhöfen", war gekennzeichnet "von einer besonders individuell geprägten ehe- und kinderlosen Lebensführung, gepaart mit einem äußerst sparsamen sozialen Bewusstsein". Sie habe aus den von ihren Eltern hinterlassenen 40 000 Thalern ein Millionen-Vermögen gemacht. Als sie am 10. Oktober 1900 im Alter von 83 Jahren starb, besaß sie 2,77 Millionen Goldmark. Als Haupterbin setzte sie eine Tochter ihres Vermögensverwalters ein, die 700 000 Goldmark erhielt. 1,9 Millionen Euro gingen an die ihrer Mutter gewidmete Mariannenstiftung.

Als sich die Schulkonferenz der 16. Oberschule Mitte dieses Jahres für den Namen Clara Hedwig von Eberstein entschied, war es unter anderem diese Stiftung zur Versorgung "unbemittelter Töchter höherer Zivilstaatsbeamter und Militärs", die den sozialen Anspruch der Baronesse untermauern sollte (die LVZ berichtete). In Wahrheit, so Friedhofsforscher Paul, seien "ein knappes Dutzend Töchter aus gutem Hause adliger und bürgerlicher Herkunft" die Nutznießer gewesen. Die Eltern dieser Frauen hätten ein stattliches Jahreseinkommen von mindestens 4500 Goldmark nachweisen müssen. Die Stiftsdamen durften ein Vermögen von 6000 Goldmark mitbringen und erhielten bei freier Unterkunft und voller Verpflegung jährlich obendrein noch 600 Goldmark aus den Kapitalerträgen der Stiftung. Die Baronesse war nach den Worten von Paul einzig ihrem gesellschaftlichen Stand verbunden: "Es war keine Stiftung für die Armen, Kranken und Bedrängten, für sie sah die Erblasserin in ihrem Testament keine Wohltaten vor."

"Unsere ganze Begründung zur Namensgebung steht damit von einem Tag zum anderen in Frage", räumte Schulleiter Uwe Hempel gegenüber der LVZ ein. "Das Bild von Clara Hedwig von Eberstein, das sich aus den uns bisher nicht zugänglichen Quellen ergab, ist ein völlig anderes. Da ist es besser, wir stoppen das Verfahren jetzt an dieser Stelle, als dass wir mit einer Hypothek leben müssen, die wir gar nicht wollten." Schüler und Lehrer würden sich nun die Zeit nehmen, sich mit dem neuen Material zu befassen. Sollten sie sich in ihrer Bewertung dem Historiker Paul anschließen, "dann wäre das für uns der falsche Name", räumt Hempel ein.

Aber wieso kann eine Schule nicht den Namen einer Person tragen, nach der schon eine Straße benannt ist? In Schönefeld gibt es in Erinnerung an die Baronesse die Hedwigstraße. Schulleiter Hempel: "Mit einem Straßennamen wird an Menschen erinnert, die in einem Stadtteil gelebt haben. Aber bei einem Schulnamen geht es um mehr. Der muss zum pädagogischen Konzept und zum Schulbild passen." Eberstein, die viel in der Welt herumkam und nach bisheriger Annahme eine soziale Ader besaß, hätte danach gut zur 16. Schule gepasst. Fast jeder zweite Schüler dort hat einen Migrationshintergrund und Mittellosigkeit ist an der Schule ebenfalls ein sehr aktuelles Thema.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.12.2013

Klaus Staeubert

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