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Lokales Schumanns schließen Café am Waldplatz für immer
Leipzig Lokales Schumanns schließen Café am Waldplatz für immer
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00:20 10.08.2017
Abschied: Helmut Schumann (in der vorderen Reihe der Dritte von links) und dessen Frau Gisela (Zweite von links) müssen Konditorei & Café am Waldplatz aufgeben. Die Stammkunden nehmen Abschied. Quelle: Kempner
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Leipzig.

Es ist ein plötzlicher Abschied. Am Sonnabend schaltet Helmut Schumann (69) das letzte Male in aller Frühe seinen Backofen an, Stunden später öffnet Gisela Schumann (67) für ihre Kunden das letzte Mal die Ladentür. Wenige Stunden später schließt sie das Konditor-Ehepaar für immer. Es geht nach 39 Jahren in den Ruhestand.

Eigentlich wollten die Schumanns die 40 voll machen. Doch seit wenigen Tagen hängt unter dem großen Schild mit dem Schriftzug „Konditorei & Café am Waldplatz“ ein kleineres: „Laden zu vermieten“. Schnell spricht sich die Nachricht von der Geschäftsaufgabe im Viertel herum. Bisher war an sieben Tagen in der Woche geöffnet. Damit sollte plötzlich Schluss sein? Wer von den Stammkunden zum Abschied gekommen ist, sieht die Gründe: Helmut Schumann lebt seit Kurzem mit einem tragbaren Defibrillator. Der Konditormeister spricht an seinem letzten Arbeitstag weniger als sonst. „Mein Mann wurde schon mehrmals am Herzen operiert“, berichtet Ehefrau Gisela. Nun habe sein Arzt dringend zur Geschäftsaufgabe geraten. „Wir mussten uns schnell entscheiden.“

Kennengelernt hat sich das Paar im Café am Hochhaus. „Das unter den Glockenmännern“. Mit dem Konditormeister in der Tasche, habe Helmut 1978 das Café am Waldplatz übernommen. Dort bestand schon seit 1947 eine Konditorei. „Das Handwerk liegt in Helmuts Familie: Bruder, Vater, Großvater – alle waren Bäcker.“ Und auch Helmut lebte die Tradition: „Die erste Zeit ging’s schon kurz vor zwei Uhr in die Backstube“, sagt Gisela. „Nach Ladenschluss stand Buchführung an. Oft hat er nur vier Stunden geschlafen. Urlaub und mein Mann – das kenn’ ich gar nicht. Eine Woche lang sind wir zur Silberhochzeit weggefahren. Gemeinsam haben wir in all den Jahren viele Durststrecken durchgestanden – zum Beispiel als der Waldplatz saniert, die Jahnallee gesperrt wurde. Die Konditorei war sein Leben.“

Helmut Schumann habe für die Kundschaft gelebt, bestätigt auch Klaus Mende. „Ich bin Koch bei den Thomanern“, erzählt der Stötteritzer. „Fast 30 Jahre lang, bis 2015, haben wir Brötchen und Kuchen für die Jungs in der Konditorei am Waldplatz gekauft. Wir konnten zu jeder Tageszeit bestellen. In kürzester Zeit war das Gewünschte da.“ Was die Thomaner am meisten mochten? „Quarkkuchen und gefüllten Bienenstich. Aber auch privat war ich oft hier, um mal ein Stück Kuchen zu essen und einen Plausch mit Herrn Schumann zu machen. Er unterhielt sich immer gern mit seinen Kunden.“ Für die gab’s sogar ein Gästebuch. Kabarettist Bernd-Lutz Lange outet sich darin als Fan der Konditorei: „Lang läbe dorr Gaffee, dorr Guchn und das Gaffee am Waldblads.“ Und Claudia Wenzel, bekannt aus der ARD-Serie „In aller Freundschaft“, bedankt sich für „alle Versuchungen und die damit verbundenen Genüsse“.

Die Schumannsche Backkunst wird besonders Stammkundin Barbara Feustel vermissen: „Ich wohne um die Ecke. Bislang wachte ich jeden Morgen mit dem Duft frischer Brötchen auf. Er wird mir fehlen.“ Auch Carolin Masur, die Tochter des einstigen Gewandhauskapellmeisters Kurt Masur, ist zur Abschiedsrunde gekommen: „Nirgendwo sonst gibt es Laugenecken von einer Qualität wie hier“, schwärmt die Opernsängerin. Ihr Kollege Michael Raschle verehrt den Konditormeister derweil für dessen Buttercremetorte.

Natürlich freut sich Helmut Schumann über so viel Lob. Lange hat er auf einen Nachfolger gehofft – bislang vergebens. Vielleicht findet sich ja doch noch einer. Das würde auch der treuen Kundschaft schmecken.

Von Ingrid Hildebrandt

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