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Lokales Schwedisches Königspaar zum Festessen im Alten Rathaus in Leipzig
Leipzig Lokales Schwedisches Königspaar zum Festessen im Alten Rathaus in Leipzig
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10:09 18.09.2017
Am Mittag war das schwedische Königspaar zum Festessen im Alten Rathaus zu Gast. Quelle: LVZ
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Leipzig

Beim Besuch in der Messestadt hatte das schwedische Königspaar ein volles Programm zu absolvieren. Wesentlich entspannter ging es hingegen beim Mittagessen zu: Mit etwa 15 Minuten Verspätung begann gegen 13.15 Uhr im Alten Rathaus von Leipzig das "Festliches Mittagessen" zu Ehren von König Carl Gustaf und Königin Silvia, das von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) gegeben wurde. 

Im altehrwürdigen Ratssaal, dessen Wände die Ölgemälde ehemaliger Leipziger Stadtväter zieren, war eine festliche Tafel für 52 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur eingedeckt, darunter Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU), MDR-Intendantin Karola Wille, Messe-Chef Martin Buhl-Wagner sowie hochrangige Militärs und etwa 20 Vertreter der schwedischen Seite, angeführt von der Kommunikationschefin des Königshauses, Margareta Thorgren.

Die Blumendekoration besorgte das Haus "Salto Florale" aus Leipzig. Für das Essen war ein Team vom Hotel Michaelis engagiert, das unter Leitung von Vizechefin Dorothea Fendt ein feines Drei-Gänge-Menü servierte: Vorweg gab es eine Ingwercremesuppe mit einem Teelöffelgroßen Stückchen Zander. Als Gang 2 wurde ein Rücken vom Wildhasen gereicht mit Datteln, Wurzelgemüse und Kürbisravioli, und als Dessert gab es Süßkartoffelbaumkuchen mit Milchmädchen, Quitte und Rosmarin. "Alles mit Liebe gemacht aus Produkten der Region", versicherte Frau Fendt. Aus der Region war auch der Wein: das Weingut Kretschko aus Radebeul wartete mit einem Weißburgunder, das Weingut Schloss Proschwitz mit einem Spätburgunder auf, wahlweise gab es auch Radeberger Pilsner. 

Tillich: Lange Beziehungen zwischen Sachsen und Schweden

In seinem auf Englisch gehaltenen Toast zu Ehren des Königspaars hob Tillich hervor, dass die Beziehungen zwischen Schweden und Sachsen eine lange Tradition haben und sich an vielerlei Beispielen zeigten: Er nannte das Engagement von 21 schwedischen Unternehmen in Sachsen, die hier fast 3000 Arbeitsplätze geschaffen haben, wie auch König Silvias Visite auf dem Dresdner Semper Opernball 2014, als sie mit ergreifenden Worten über die von ihr gegründete Stiftung "World Childhood Foundation" berichtete, die sich für Kinder engagiert.

Tillich sagte, Königin Silvia habe mit ihrem Auftritt das Ballpublikum berührt und die Öffentlichkeit nachhaltig bewegt. Er ging ein auf die intensive  Zusammenarbeit von Universitäten und Forschungseinrichtungen und sagte: "Wenn Sie Schweden und Sachsen bei Google eingeben, finden Sie eine Menge Ergebnisse - viele auch mit einer Beziehung zur Vergangenheit, hauptsächlich zur Militärgeschichte." Tillich weiter mit Augenzwinkern: "Bei den meisten Militäreinsätzen, an denen wir Sachsen beteiligt waren, endeten wir auf der Verliererseite..."

König Karl Gustaf dankt für Einladung

Auch Leipzigs OBM Jung erinnerte während des Essens an die Geschichte und stellte einen 40 Zentimeter großen teilweise vergoldeten Silberpokal auf den Tisch. Eine schwedische Handarbeit aus dem Jahr 1536, den der Schwedenkönig Gustav I. Wasa einst dem Reformator Martin Luther zum Geschenk gemacht hatte und der heute zu den Schätzen des Rathauses gehört. Wie Jung, der an der Tafel neben Königin Silvia und König Karl Gustaf saß, berichtete, hatte der Leipziger Rat den Lutherbecher 1613 für 77 Gulden erworben und ihn fortan bei festlichen Anlässen zum Umtrunk benutzt, beispielsweise zur Feier des 300-jährigem Reformationsjubiläums 1817 im Gewandhaus. Auch Kaiser Wilhelm hat schon an dem edlen Pokal genippt, was durch eine Gravur im Fuße des Bechers verbürgt ist. Burkhard Jung schenkte dieses Mal nicht ein; wie aus dem Protokoll zu hören war, hat es in der Vergangenheit schon "Unfälle" beim Handling gegeben, und Rotweinflecken sind gegenüber der Reinigung sehr hartnäckig.

König Karl Gustaf dankte in seinem Toast für die Einladung in die geschichtsträchtige Stadt Leipzig und hob gleichfalls die guten Beziehungen zwischen Sachsen und Schweden hervor. Er erinnerte daran, dass Leipzig einen wichtigen Platz in der jüngeren deutschen Geschichte einnimmt und am Sonntag den Jahrestag der friedlichen Revolution begeht. Deshalb seien er und die Königin sehr erfreut, die Leipziger Nikolaikirche besuchen zu dürfen, die eine zentrale Rolle im Prozess der deutschen Wiedervereinigung gespielt habe.

Jan Emendörfer

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