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"Scientology auf dem Weihnachtsmarkt"

"Scientology auf dem Weihnachtsmarkt"

Knuffig und kuschelig sehen sie aus, die auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt angebotenen Handpuppen der Marke Kumquats. Die Fäden im Hintergrund ziehe allerdings Scientolgy, so die Sektenexpertin Solveig Prass.

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Kumquats-Puppen auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt.

Quelle: Christian Nitsche

Das Herstellerunternehmen, die L. Bodrik KG, werde nach streng scientologischen Grundsätzen geführt.

„Die Puppen bezahlen Mutter oder Vater nicht einfach so, sondern es gibt eine Adoption. Auf dem entsprechenden Papier hinterlassen die Eltern wichtige Daten, wie ihre Adresse. Dann bekommen sie irgendwann Post. Und dreimal dürfen Sie raten, vom wem. Von der Sekte“, sagt Prass. Letztlich sei „Scientology auf dem Weihnachtsmarkt über diesen Umweg präsent“. Die Leipzigerin Prass arbeitet bei der hiesigen Eltern- und Betroffeneninitiative gegen psychische Abhängigkeiten. Sie rät Eltern, am Stand – er befindet sich etwa in der Mitte des Marktes – keine persönlichen Angaben zu machen.

Dort verkauft eine ältere, nette Dame, die ihren Namen aber nicht nennen will, die Handpuppen. Dass ihr Auftraggeber („Ich bekomme 7,50 Euro pro Stunde“) etwas mit einer Sekte zu tun habe, sei ihr völlig neu, erzählt sie. Was Scientology bedeute, sei ihr gar nicht bekannt. Dennoch bekräftigt sie: „Ich will damit nichts zu tun haben.“ Auf 13 verschiedenen Weihnachtsmärkten würden die Puppen verkauft, seit sieben Jahren sei sie damit auf dem Leipziger Markt. „Für mich ist das lebenswichtig, da ich nur 400 Euro Rente bekomme. Meine Kunden möchte ich nicht verlieren. Die Kinder lieben diese Puppen.“ Und was kosten sie? „Zwischen 69 und 159 Euro.“ Prass sagt dazu: „Aufgrund des hohen Preises weiß Scientology auch gleich, dass bei den gesammelten Adressen ordentlich Geld zu holen ist.“

Die Stadt ist offenbar ahnungslos. „Wir haben unter 500 Bewerbern 250 ausgewählt“, erklärt Marktamtsleiter Herbert Unglaub. „Keiner der Standbetreiber muss offenlegen, was er mit seinen Einnahmen macht. Wir wussten nichts von einer solchen Verbindung zu Scientology, müssen jetzt alles gründlich prüfen und Konsequenzen ziehen.“ Prass behauptet dagegen, sie habe die Kommune im Vorfeld dieses Weihnachtsmarkts gewarnt. Weil Scientology Anfang des Jahres den Augustusplatz mieten wollte, habe es im Januar ein Gespräch gegeben. „Ich formulierte damals den Ablehnungsbescheid. Gleichzeitig habe ich auf die Firma Kumquats hingewiesen. Das Marktamt müsste eigentlich davon wissen. Ich verstehe nicht, warum die immer wieder zugelassen werden.“

Vielleicht, weil die Hersteller-Firma viel Energie aufbringt, um die Nähe zu Scientology zu leugnen. Auf einer eigens dafür eingerichteten Internetseite heißt es: „Kumquats und die Firma L. Bodrik KG sind weder rechtlich noch organisatorisch an die Scientology-Kirche gebunden.“ Der gesellschaftliche Aufstieg scheint der Firma geglückt zu sein. Arglos posiert selbst Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler schon mal mit Kumquats-Puppe Willi. Diversen Internet-Publikationen zufolge liegen Verbindungen der beiden Firmenchefs (die am Donnerstag telefonisch nicht zu erreichen waren) zur Sekte auf der Hand: Sie werden von der International Association of Scientologists als großzügige Spender in einer „Honor Roll“ geführt. Laut dieser „Ehren-Liste“ hat einer der Kumquats-Eigner mindestens 20 000 Dollar gespendet, sein Partner gar 100 000 Dollar. Unter dessen Namen ist sogar eine Webseite angemeldet mit dem Bekenntnis: „Ich bin Scientologe.“

Peter Krutsch / Frank Döring

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