Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Seenland-Kongress diskutiert über Kurskorrekturen im Neuseenland
Leipzig Lokales Seenland-Kongress diskutiert über Kurskorrekturen im Neuseenland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:32 11.03.2018
7,8 Kilometer Kanal fehlen, um den Elster-Saale-Kanal zu komplettieren. Das Industriedenkmal könnte trotzdem schon touristisch vermarktet werden, glauben Experten.
Anzeige
Leipzig

Kann es gelingen, den halb fertigen Saale-Elster-Kanal zu einer touristischen Attraktion zu entwickeln? Und wenn ja – wie? Diesen Fragen sind jetzt Experten beim 10. Seenland-Kongress auf der aktuellen Messe Beach & Boat auf den Grund gegangen. Auch die Frage, ob jeder der Seen rings um Leipzig ein „eigenständiges Gesicht“ erhalten sollte, wurde kontrovers diskutiert.

Freunde des Saale-Elster-Kanals versuchen schon seit Langem, das 1943 kriegsbedingt eingestellte Projekt zu vollenden. Bislang sind rund elf Kilometer der Wasserstraße fertig. Es fehlen noch ein 7,8 Kilometer langer „Saaledurchstich“ und die Anbindung an den Lindenauer Hafen in Leipzig. Das Problem: Die Baukosten für die Fertigstellung sind mit rund 100 Millionen Euro veranschlagt – und niemand weiß bislang, wie diese Summe aufgebracht werden soll.

„Der Kanal ist entbehrlich“

Ministerialdirektor Reinhard Klingen vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur erklärte,dass sich daran nichts geändert habe. Das Kanalprojekt werde vom Bund nach wie vor nicht als vordringlicher Bedarf gesehen. „Das heißt, dass mindestens bis zum Jahr 2030 daraus nichts wird“, betonte Klingen. Darüber hinaus gebe es aktuell auch keine Planungen für einen Lückenschluss mit der Saale. „Der unvollendete Kanal ist entbehrlich“, sagte der Leiter der Abteilung Wasser-straßen/Schifffahrt im Mi-nisterium auf dem Seenland-Kongress.

Matthias Wedepohl, der derzeit für die Firma Project M ein „Konzept für die Inwertsetzung des Saale-Elster-Kanals“ erarbeitet, plädierte dafür, den Kanal unabhängig von seiner Vollendung als Ausflugsziel zu entwickeln. Dies könne zunächst auch nur mit „landseitigen Nutzungen“ geschehen. Wichtig seien erste Start- und Zielpunkte, die zum Beispiel Radfahrer, Spaziergänger, Jogger oder Skater anlocken. Solche Punkte könnten zum Beispiel der Lindenauer Hafen – wenn er denn an den Kanal angebunden ist – oder ein Schiffshebewerk sein, das ohnehin gebraucht wird, um die 22 Höhenmeter zu überwinden, die auf der Kanalstrecke lauern (Lesen Sie dazu auch den obenstehenden Beitrag). Solche „Besuchsanlässe“ müssten mit Angeboten kombiniert werden, um den vorhandenen Kanal zu einem „Erlebnisraum“ machen. „In einigen Jahren wird es möglich sein, entlang des Kanals von Leipzig nach Leuna zur radeln“, meinte er.

Vorbild Schottland

Unterstützt wurde diese Idee von Professor John Lennon aus Schottland, der über den Bau und die Entwicklung eines Kanals zwischen Glasgow und Edinburgh berichtete. Dort habe ein halbstaatliches Unternehmen mit einem Mix aus Bezahl-Attraktionen und freien Leistungen eine Wasserstraße entstehen lassen, für die es ursprünglich „einfach keinen Bedarf“ gegeben habe. Geglückt sei dies aber nur, weil es in der Region Akteure gab, die für das Projekt brannten und eine unglaubliche Dynamik erzeugten. Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) forderte derweil, die Politik in Mitteldeutschland stärker für das Kanalprojekt zu gewinnen. „Das Projekt muss noch so platziert werden, dass es ein Projekt von ganz Mitteldeutschland wird“, sagte er. Aus sächsischer Perspektive sei „der Tourismus im Neuseenland gar nicht existent“. Benötigt werde ein positiver Lobbyismus und eine nachhaltige politische Unterstützung. Andere Teilnehmer der Konferenz riefen nach einem „Lobby-Maker“, der sich bundesweit „mit Feuer und Flamme“ für das Vorhaben einsetzt.

Kritische Masse fehlt

Kurskorrekturen sind nach Ansicht von Experten auch bei der touristischen Vermarktung der künstlichen Seen rings um Leipzig erforderlich. Denn laut Hans-Martin Oettinger vom Seebetreiber Blausee GmbH benötigt jedes Gewässer eine „Grundausstattung“, zu der Dinge wie eine Marina, Segel- und Gastronomie-Angebote sowie Rundwege gehören. Je mehr Seen solche Angebote hätten, desto interessanter werde das Neuseenland für Touristen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. „Touristen kommen eher wenn sie sehen, dass es mehrere Alternativen für sie gibt“, so der Geschäftsführer. „Entscheidend ist, dass wir eine kritische Masse erreichen – bei den Investitionen und den Attraktionen.“ Natürlich könnten dann auch an einzelnen Seen Unterschiede herausgearbeitet werden. „Aber jeder See hat ohnehin sein eigenes Gesicht und ist einzigartig.“

Gero von Daniels, der im Auftrag des Bundes die Braunkohlesanierung steuert, ist zuversichtlich, dass die Aufbauarbeit weitergeht. Die Rekultivierung sei für die nächsten Jahre finanziell gesichert, erläuterte er. „Unsere nachfolgenden Generationen werden nicht wissen, ob diese Seen natürlich entstanden oder künstlich geschaffen wurden“, prophezeite er.

Von Andreas Tappert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Leipziger Volkshochschule (VHS) erlebt gerade einen Ansturm auf ihre Kurse. So gibt es 30 Prozent mehr Anmeldungen als im Frühjahrssemester 2017. Warum die VHS an ihre Grenzen stößt.

11.03.2018

Im Freizeitpark Belantis haben jetzt auch die Beschäftigten offiziell vom Eigentümerwechsel erfahren. Am Donnerstag war dort Mitarbeiterversammlung, wurde auch der Abschied von Geschäftsführer Erwin Linnenbach bekannt.

11.03.2018

Es hat für viel Entrüstung gesorgt: Das Porträtbild Erich Zeigners fehlt in der Oberbürgermeister-Galerie des Neuen Rathauses. Nun haben die Linken ihn symbolisch auf eine Staffelei gestellt.

11.03.2018
Anzeige