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Lokales Seit 15 Jahren Besuchermagnet und gleichzeitig Forschungsstation
Leipzig Lokales Seit 15 Jahren Besuchermagnet und gleichzeitig Forschungsstation
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10:31 10.01.2018
So sieht eins der täglichen Experimente der Max-Planck-Forscher im Pongoland aus. Die Schimpansen Robert und Frankie (beide 40) sollen eine Art Telespiel machen. Jeder Affe sieht auf einem Bildschirm einen virtuellen roten Ball vor sich und soll ihn mit der Hand auf die andere Seite schieben. Gelingt die Zusammenarbeit, gibt es für beide eine Belohnung. Das soziale Experiment wird von dem russischen Psychologen-Ehepaar Marina und Pavel Wojnov betreut. Quelle: Foto: Wolfgang Zeyen
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Was können Tiere? Vieles von dem, was Wissenschaftler heute über das Verhalten von Menschenaffen wissen, ist im Leipziger Zoo herausgefunden worden. Das am 1. April 2001 eröffnete Pongoland ist zwar einerseits eine große Publikumsattraktion, andererseits aber auch Arbeitsplatz für Forscher aus der ganzen Welt. 180 wissenschaftliche Arbeiten sind in den 15 Jahren abgeschlossen und in den renommiertesten Fachblättern veröffentlicht worden. 50 bis 60 Studien werden jedes Jahr im Leipziger Affenhaus neu begonnen. Psychologen, Biologen, Anthropologen und Philosophen aus 20 Nationen betreuen die Studien, die vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie betrieben werden. Sie stehen in engem Kontakt zu ihren Kollegen, die die Menschenaffen in freier Natur beobachten, zum Beispiel in der Elfenbeinküste.

Schimpansen und Bonobos (Zwergschimpansen) sind lebhaft und laut, gruppenorientiert und verspielt. Sie sind am erfolgreichsten bei jenen Experimenten, in denen es um Kooperation oder um Wettbewerb geht. Orang-Utans dagegen sind eher bedächtige Einzelgänger, handeln nicht impulsiv, sondern denken über die Aufgabe nach, die ihnen gestellt wird. Dadurch bewähren sie sich vor allem bei Tests, die Geduld erfordern. Gorillas wiederum brauchen mehr als alle anderen eine kräftige Motivation, um sich überhaupt auf ein Experiment einzulassen. So ruhig und bedächtig wie sie sind, fällt es ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen. Für eine Rosine oder Weintraube als Belohnung mühen sie sich jedenfalls nicht besonders ab.

Die Einmaligkeit in Leipzig besteht darin, dass die vergleichenden Studien zwischen allen vier Menschenaffen-Arten durchgeführt werden können. Forschungskoordinator Daniel Hanus (42) vom Max-Planck-Institut zählt einige Erkenntnisse auf, die ihn überrascht haben. Beispiel Täuschen: „Schimpansen stehlen am liebsten, wenn sie unbeobachtet sind. Das bedeutet, sie können die Perspektive von anderen Affen in ihr Handeln einbeziehen.“ Beispiel Werkzeuggebrauch: „Orang-Utans haben eine neue Methode entwickelt, wie sie an eine Erdnuss kommen, die auf dem Boden eines schmalen hohen Röhrchens liegt. Sie spucken Wasser in den Behälter, dadurch steigt die Erdnuss nach oben und sie können sie herausholen. Wir haben den Versuch mit Kindern im Alter von vier, sechs und acht Jahren nachgestellt, selbst die Achtjährigen kamen nicht auf diese Lösung.“ Beispiel Kooperieren: „Menschenaffen helfen selbstlos anderen, Zugang zum Futter zu finden, auch wenn sie selbst nichts davon haben.“ Beispiel Zeitgefühl: „Sie wissen recht genau, wann sie einen Gegenstand versteckt haben, und berücksichtigen das.“

Wann immer es möglich ist, lassen sich die Max-Planck-Forscher bei ihrer Arbeit von den Besuchern über die Schulter schauen. Vor allem in den ruhigen Vormittagsstunden kann das Publikum sehen, was in den Forschungsräumen passiert. Wird der Andrang vor der Scheibe allerdings so groß, dass die Affen abgelenkt werden, gehen die Jalousien herunter. Um transparent zu sein, und das nicht nur fürs Fachpublikum, werden wöchentlich zwei bis drei Führungen veranstaltet. Jährlich kommen 20 bis 30 Schulklassen, im vergangenen Jahr auch 40 Kindergartengruppen.

Zu den bestehenden Lernstationen im Pongoland kommt anlässlich des 15-jährigen Bestehens jetzt eine neue hinzu: eine Gesichtserkennung für Schimpansen. Die Besucher können auf einem Flachbildschirm einen Affen auswählen und heranzoomen. Beim Klicken auf dessen Bild öffnet sich ein Fenster mit Informationen zum Tier. Die Station wurde vom Fraunhofer-Institut für digitale Medientechnologie in Ilmenau entwickelt. Die Gesichtserkennungs-Technologie kommt vor allem im Freiland zum Einsatz, um das Material von Überwachungskameras automatisch auszuwerten.

Von Kerstin Decker

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