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Lokales Seit 15 Jahren im Einsatz: Leipzigs Notfallhelfer
Leipzig Lokales Seit 15 Jahren im Einsatz: Leipzigs Notfallhelfer
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12:39 08.11.2016
Die Einsatzkleidung der Leipziger Krisenhelfer.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

 Ob nach tragischen Verkehrsunfällen, in hiesigen Hochwasserzeiten wie 2002 und 2004, beim Amoklauf in Erfurt oder beim Tsunami in Asien – die Frauen und Männer vom Leipziger Kriseninterventionsteam (KIT) boten schon vielen Menschen nach tragischen Ereignissen einen ersten Halt. Heute ist es genau 15 Jahre her, dass sie in der Messestadt diesen ehrenamtlichen Job aufnahmen. Was am 4. Juni gefeiert werden soll.

„In den 15 Jahren haben wir bis jetzt 2106 Einsätze gefahren, 4584 Klienten betreut“, so die Bilanz von Daniela Löbner, die dem mittlerweile 48-köpfigen KIT vorsteht, zu dem auch 29 Förder- und fünf Ehrenmitglieder zählen. Während die 16 Mitstreiter aus der Anfangszeit eher samt und sonders Rettungsdienst-Mitarbeiter waren, sei man inzwischen offen für Leute aller Professionen. „Heute engagieren sich bei uns vom Selbstständigen über den Versicherungsangestellten bis zum Musiker ganz viele“, sagt Löbner, die selbst als leitende Pflegekraft in der Notfallaufnahme des Klinikums St. Georg arbeitet. Alle neuen Mitstreiter würden auf die Arbeit beim KIT vorbereitet: „Wer zu uns kommt, muss zunächst eine 60-stündige theoretische Ausbildung absolvieren und noch gut einmal so viele Stunden Praxiserfahrung im Rettungsdienst sowie im KIT selbst sammeln“, erzählt sie. Ab einem Alter von 25 Jahren sei das möglich.

Die ehrenamtliche Tätigkeit üben Löbner und Kollegen vorwiegend im Stadtgebiet aus – doch, wie eingangs erwähnt – bei großen Katastrophen eben auch schon mal überregional. Stets geht es einzig darum, für Menschen da zu sein, die sich in einem plötzlichen, psychischen Ausnahmezustand befinden. Die Situationen, in die Löbner und Mitstreiter rund um die Uhr und quasi von einer Minute auf die andere gerufen werden können, sind unterschiedlichster Natur. „Sehr oft geht es um Todesfälle im häuslichen Bereich oder auch um Angehörige, die vom Suizid eines Familienmitglieds betroffen sind. Ebenso betreuen wir beispielsweise Opfer von Gewaltverbrechen“, so die 37-Jährige. Überdies gelte es, nach Unfällen völlig geschockten Angehörigen und Augenzeugen beizustehen, während sich Mediziner um die Verletzten kümmern. Häufig bittet die Polizei, sie beim Überbringen einer Todesnachricht zu begleiten – etwa nach einem Arbeits- oder Verkehrsunfall.

Die Reaktionen der Menschen auf ein derart tragisches Ereignis seien sehr unterschiedlich. „Das reicht vom versteinert Dasitzen bis zum scheinbar unaufhörlichen Schreien“, weiß Löbner. Die akute Krisenintervention vor Ort könne schon mal bis zu einigen Stunden dauern. „Wir versuchen, Betroffenen zunächst ,Stütze‘ zu sein, Einbeziehungsmöglichkeiten von Menschen aus ihrem sozialen Umfeld abzuklären, die nachfolgende Zeit mit den Leuten zu strukturieren, nächste nötige Schritte zu eruieren – wie etwa den Bestatter rufen. Auf Wunsch sind wir zur Seite, wenn jemand von dem Verstorbenen Abschied nehmen möchte. Und bei Bedarf zeigen wir der Situation entsprechende, weitere unterstützende Hilfsangebote in der Stadt auf.“

Von den 48 Vereinsmitgliedern stünden aktuell 20 bis 25 im Monat zur Verfügung, die sich in den Rund-um-die Uhr-Dienstplan der KIT-Rufbereitschaft eintakten. „Die meisten sind berufstätig und müssen schauen, wann sie freie Spitzen dafür haben. Leute, die sich bei uns aktiv einbringen wollen, sind also immer willkommen“, betont Löbner. Sie selbst versieht seit 2005 beim KIT diese freiwillige Aufgabe, die oft mit viel menschlichem Leid verbunden ist und mitunter auch einem Helfer ganz schön an die Nieren gehen dürfte. Die junge Frau nickt: „Naja, wir fangen uns nach solchen Einsätzen immer wieder untereinander seelisch auf, führen Supervisionen durch“, bekräftigt sie. So manche Fälle blieben allerdings schon im Kopf hängen. Bei Löbner etwa zwei besondere Einsätze in der psychosozialen Notfallversorgung. „Es galt, Familien nach einem plötzlichen Säuglingstod beizustehen“, deutet sie kurz an. Und nicht nur für sie, für’s ganze Team sei zum Beispiel auch die Geiselnahme bei H&M ein einschneidendes Ereignis gewesen. Ebenso der Todesfall eines jungen Kanuten, damals, am Palmgartenwehr.

Am 4. Juni wollen die KIT-Mitglieder hingegen durchatmen – und die 15 Jahre Einsatzbereitschaft im Mendelssohn-Haus feiern – mit Freunden und Partnern wie der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Und mit ihren Förderern – denn ohne Spenden könnte das KIT, ein eingetragener Verein, nicht arbeiten. Die Sparkasse, die LWB, der Lions Club „Felix Mendelssohn Bartholdy und der Leo-Club gehörten unter anderem dazu, sagt Löbner. „Und ganz viele Menschen, die uns immer wieder auch rührend mit kleineren Beträgen unterstützen!“

www.kit-leipzig.de

Von Angelika Raulien

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