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Lokales Senioren-Paradies in Leipzig-Grünau: 380 Wohnungen
Leipzig Lokales Senioren-Paradies in Leipzig-Grünau: 380 Wohnungen
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00:19 26.08.2017
Die Fassade des Hochhauses für Senioren erhielt durch zusätzliche Balkone und vier Anbauten im Erdgeschoss eine neue Struktur.  Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Die Leipziger Wohnungsgenossenschaft Transport (Wogetra) hat im Herzen von Grünau ein Paradies für Senioren und hilfebedürftige Personen geschaffen. Nach zwei Jahren Komplettsanierung zogen gerade die ersten Mieter in den Elfgeschosser an der Offenburger Straße 9-15 ein. „Aus einstmals knapp 100 großen Wohnungen haben wir 184 kleinere, aber sehr komfortable gemacht“, erklärt Vorstand Tobias Luft. Im Zusammenspiel mit der Leipziger Arbeiterwohlfahrt (AWO), die das ganze Erdgeschoss pachtet und dort eine Sozialstation mit Begegnungsstätte betreibt, werde den vorwiegend betagten Nutzern ein selbstständiges Leben bis ins hohe Alter ermöglicht.

Zugleich hat die Wogetra den Seitenflügel in der Offenburger Straße 5-7 mit 86 Wohnungen renoviert und barrierearm umgerüstet. Auch übernahm sie einen Elfgeschosser mit 116 Wohnungen, der genau gegenüber in der Ludwigsburger Straße 18-24 steht, von der Baugenossenschaft Leipzig. Alle drei Häuser befinden sich genau zwischen dem PEP-Markt und dem Allee-Center, in sie wurden insgesamt fast 20 Millionen Euro investiert, erläutert Luft. „Es dürfte also die mit Abstand größte Einzelinvestition in Grünau seit der Jahrtausendwende sein.“

Für alle bezahlbar?

Um allen sozialen Schichten an dem prominenten Standort etwas Bezahlbares anbieten zu können, hat die Genossenschaft die drei Gebäude in unterschiedlichen Graden modernisiert. An dem mehr als 22 Meter hohen Riesen mit der besonders komfortablen Ausstattung glänzt bereits eine neu wirkende Fassade, für die das Architekturbüro Grün aus Berlin aber viele Segmente des historischen Baus erhalten hat. Zusätzliche Balkone – auch auf der nach Westen zeigenden Rückseite des Hochhauses kamen 60 Balkone hinzu – schaffen nun jedoch ein klar strukturiertes, dennoch abwechslungsreiches Bild.

Jeder Eingang erhielt einen neuen Fahrstuhl, der nicht erst über Treppenstufen erreicht werden muss. „Auch alle Zimmer und selbst der Balkon sind schwellenfrei erreichbar“, so Technikvorstand Béla Hambuch. Er führt Besucher am liebsten in den Keller. Denn dort kann man an den Grundmauern sehen, dass die Wogetra fast das ganze Haus neu errichtet hat. „Diese Wände wurden von 25 auf 70 Zentimeter verstärkt, um die Statik trotz komplett neuer Grundrisse im Gebäude zu gewährleisten. Einen so massiven Umbau eines DDR-Elfgeschossers gab es in Deutschland noch nie.“

AWO-Sozialstation im Erdgeschoss

Nun gibt es also Extra-Räume für Waschmaschinen und Elektro-Mobile, Sitzmöglichkeiten in den besser geschnittenen Fluren, Brandschutztüren, Rauchmelder und vieles mehr. Jede Wohnung hat Fußbodenheizung, leicht bedienbare Fenster, schadstofffreie Bodenbeläge, im Bad einen Durchlauferhitzer (ohne Legionellengefahr) und bodengleiche Dusche. „Wer möchte, kommt mit dem Rollator problemlos von der nahe gelegenen S-Bahn-Haltestelle bis zur Couch“, so Hambuch. Für rüstigere Mieter wurden Fahrradgaragen im Hof aufgestellt. Die Kaltmiete in den teuersten Einheiten liegt bei acht Euro pro Quadratmeter. Doch dank der kleinen Grundrisse (von der Ein-Raum-Wohnung mit 22 Quadratmetern bis zur Drei-Raum-Wohnung mit 65 Quadratmetern) sei das trotzdem noch erschwinglich, sagt Luft. Zum Beispiel koste die typische Zwei-Raum-Wohnung mit 40,5 Quadratmetern 437 Euro warm. „Schon bevor die erste Wohnung fertig war, hatten wir 65 Prozent vermietet.“

Undenkbar wäre das Gesamtkonzept ohne die AWO-Sozialstation im gesamten Erdgeschoss – mit Begegnungsstätte, Tagespflege und ab September auch erstmals in Sachsen einer Nachtpflege von 19 bis 7 Uhr. „Wir haben im Juli die ersten Bereiche bezogen“, berichtet AWO-Geschäftsführerin Dana Rönsch. Von derzeit 40 Mitarbeitern werde die Zahl noch auf voraussichtlich 60 steigen „Ziel ist, dass die Nutzer unserer Unterstützungsangebote selbst bei Pflegegrad 5 nicht ins Heim müssen.“ Vom frisch gekochten Mittagessen bis zur hauswirtschaftlichen Hilfe stünden alle Angebote allen Grünauern offen, die dafür in Betracht kommen. „Wer schon hier im Gebäude wohnt, kann natürlich auch gleich in Pantoffeln mit dem Fahrstuhl zu uns gelangen.“

Von Jens Rometsch

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