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Lokales Seniorin macht sich die digitale Welt zum Hobby – dafür gab’s den „Goldenen Internetpreis“
Leipzig Lokales Seniorin macht sich die digitale Welt zum Hobby – dafür gab’s den „Goldenen Internetpreis“
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17:51 13.01.2016
Mit ihrer digitalen Geräteflotte ist Ursel Ilgner im wahrsten Sinne des Wortes mobil. Die 73-Jährige kann im Zug genauso gut surfen und schreiben wie nachts im Bett. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Für viele Senioren ist die digitale Welt ein Buch mit sieben Siegeln. Nicht für Ursel Ilgner: „Ich möchte ohne diese Technik gar nicht mehr sein“, sagt die 73-Jährige. Sie besitzt ein Laptop, drei Tablets und ein Smartphone – und kann damit auch umgehen. Die Abtnaundorferin nutzt das Internet „praktisch Tag und Nacht“, sogar im Bett, wie sie schmunzelnd verrät. Sie erledigt Bankgeschäfte online, guckt, wann die nächste Bahn oder der Zug fährt, hat Wetter, Fernsehprogramm und verschiedene Nachrichtenportale als App installiert. Sie kann surfen, streamen und skypen, verschickt Whatsapp-Nachrichten. Das ist in ihrer Altersklasse keinesfalls selbstverständlich, auch ihr Ehemann (80) hat daran kein Interesse. „Ich habe eine Freundin in den USA, die ist 75, topfit, und sie besitzt ein IPad. Aber ich kann sie nicht dazu bewegen, dass wir mal skypen oder uns E-Mails schreiben“, bedauert die Leipzigerin. Natürlich versteht auch sie nicht immer gleich, wie alles funktioniert. „Dann schaue ich mir ein Video auf Youtube an und probiere so lange, bis es klappt.“

Als Ursel Ilgner 2004 als Betriebsprüferin beim Finanzamt in den Ruhestand ging, war ihr die Arbeit mit Computern bereits vertraut. Um weiterhin etwas Sinnvolles zu tun, meldete sie sich zum Seniorenstudium an der Universität Leipzig an, belegte Kurse in Alter und Neuer Geschichte oder in Staatsrecht. Und sie schloss sich der Arbeitsgemeinschaft Multimediale Anwendungen an. Mit fünf bis sechs Senioren aus dieser Gruppe erstellt sie seit 2006 ehrenamtlich den Online-Professorenkatalog der Uni.

2012 entdeckte Ursel Ilgner eine neue Leidenschaft: Wikipedia. Sie nutzt die Online-Enzyklopädie selbst, aber vor allem stellt sie neue Inhalte ein. Unter Pseudonym hat die Leipzigerin bisher rund 600 Texte veröffentlicht. Damit hat sie den „Sichterstatus“ erreicht und darf Einträge anderer Nutzer freischalten. Veröffentlicht hat Ursel Ilgner beispielsweise Artikel übers Capa-Haus, die Art Kapella Schkeuditz, den Leipziger Maler Siegfried Ratzlaff oder die deutsche Filmemacherin Alina Cyranek. Dafür sucht sie sich Informationen zu Geschichte und Gegenwart, stellt Literaturverweise und Weblinks zusammen, macht mit ihrer Digitalkamera auch selbst Fotos.

Erst kürzlich hat die dreifache Oma einen Text über den Goldenen Internetpreis bei Wikipedia veröffentlicht – denn diesen bundesweiten Preis hat sie Ende 2015 selbst gewonnen, unter 130 Einsendern. Ihre Enkel (10, 7 und 1 Jahr) waren stolz und haben das gleich weitererzählt. Wenn die Kleinen über kurz oder lang selbst im Internet-Zeitalter ankommen, kann die Oma ihnen helfen. Bei den meisten Senioren ist es genau umgekehrt.

Von Kerstin Decker

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