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Lokales Sensation an der Uni-Klinik - Eineiige Vierlinge aus Leipzig sind nach der Geburt wohlauf
Leipzig Lokales Sensation an der Uni-Klinik - Eineiige Vierlinge aus Leipzig sind nach der Geburt wohlauf
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15:00 10.01.2012
Am Leipziger Uniklinikum sind am Freitag gesunde eineiige Vierlinge zur Welt gekommen. Quelle: Wolfgang Zeyen
Leipzig

Dieses äußerst seltene Ereignis hat es in der Messestadt seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Sowohl Mutter als auch Kinder haben die Geburt gut überstanden. LVZ-Online zeigt die ersten Fotos von den Babys.

Per Kaiserschnitt und im Minutentakt wurden Laura, Sophie, Jasmin und Kim von Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin am Universitätsklinikum, und seinem Kollegen Renaldo Faber, Leiter des Zentrums für Pränatale Medizin Leipzig, am späten Freitagabend entbunden. Faber hatte die 31-jährige Mutter während der Schwangerschaft betreut.

„Eines der vier Kinder hatte ein kleines Problem, daher haben wir uns entschieden, sie rauszuholen“, erklärte Stepan. Über die gemeinsame Plazenta der Vierlinge hätten sich die Blutkreisläufe der Kinder gekoppelt. Dabei hätte eines der Mädchen zu viel Blut bekommen, so dass das Herz sehr stark belastet worden sei, so der Mediziner.

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Auch wenn dieser Fall nicht eingetreten wäre, hätten sich die Mediziner für einen Kaiserschnitt entschieden, verriet Stepan. „Die Patientin befindet sich in der 28. Schwangerschaftswoche, da ist einfach die Grenze dessen erreicht, was der Körper aushält.“ Der Kaiserschnitt sei gut verlaufen. „Alle vier Kinder sind in gutem Zustand rausgekommen, das war relativ easy“, so der Mediziner. Nun hätten die neuen Erdenbürger, die mit einem Gewicht zwischen 980 und 1100 Gramm zu den „großen" Frühchen zählen und sich noch im Inkubator – einer Art Brutkasten – befänden mit den üblichen Problemen aller Frühgeborenen zu kämpfen. „Sie brauchen noch Kreislauf- und Atemunterstützung, aber der Zustand der Kinder ist bisher völlig zufriedenstellend“, sagte Stepan LVZ-Online am Montag.

Begleitet hatten die Schwangere aus Leipzig ihre Mutter und der künftige Papa. „Die waren beide sehr aufgeregt, bei dem Vater lagen die Nerven blank“, verriet Stepan. Daher habe er es vorgezogen, bei dem Kaiserschnitt nicht dabei zu sein. Ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen, sagte der frischgebackene Vater nach der Geburt. Erst am Vortag hatte die Familie, die schon einen fünfjährigen Sohn hat, ein neues Auto gekauft und die Kinderzimmer fertig eingerichtet. Dann meldeten sich am Freitagabend die Mädchen. „Die wussten, jetzt können wir kommen", so der Vater.

"Problemlos verlaufende Schwangerschaft gleicht einem Wunder"

„Wir sind sehr glücklich, dass es der Mutter und den Kindern gut geht und diese außergewöhnliche und extrem seltene Schwangerschaft so gut verlaufen ist", sagte Stepan nach der besonderen Geburt. „Dass eine solche Mehrlingsschwangerschaft mit einer gemeinsamen Plazenta bis zur 28. Woche völlig problemlos verläuft, gleicht einem Wunder", fügte Faber hinzu.

Einige Tage muss die frischgebackene Mutti noch im Krankenhaus bleiben. Laura, Sophie, Jasmin und Kim werden voraussichtlich noch rund zehn Wochen im Klinikum verbringen. Wenn sie den Inkubator verlassen, kommen sie zunächst in ein Wärme- später in ein normales Bettchen“, so Stepan. Auch wenn die Vierlinge wohlauf sind, gibt es für die Neonatologen noch keine Entwarnung. „Die Mädchen haben die frühe Geburt erstaunlich gut überstanden. Jetzt müssen wir sicherstellen, dass sie sich in den nächsten Tagen gut an die neuen Lebensumstände außerhalb der Gebärmutter anpassen", erklärte Ulrich Thome, Leiter der Neonatologie.

Und noch etwas anderes ist für die frischgebackene Großfamilie wichtig: „Was die Familie jetzt braucht, sind Sponsoren oder Paten, einfach ökonomische Unterstützung“, sagte Stepan. Die Uniklinik geht mit gutem Beispiel voran und sponsert für die kommenden Jahre die Windeln der Mädels. Bei den Medizinern haben die vier schon jetzt einen bleibenden Eindruck hinterlassen: „Vierlinge auf die Welt zu holen ist auch für uns Geburtsmediziner ein einmaliges Erlebnis“, verriet Stepan. „Diese Konstellation einer natürlichen eineiigen Vierlingsschwangerschaft werde ich in meiner beruflichen Laufbahn wohl nicht noch einmal erleben.“

2011 kamen am Leipziger Uniklinikum 2292 Kinder auf die Welt, darunter vier Mal Drillinge. Die letzte Vierlingsgeburt hatte es dort 1976 gegeben. Bundesweit gab es im Jahr 2010 sieben Geburten mit „Vierlingen und mehr“. Das ist ein Anteil an allen Geburten von rund 0,001 Prozent.

Die Kleinen haben nun gleich zwei berühmte Patenonkel: Zum einen Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). der selbst vierfacher Vater ist. „Ich bin froh, dass es allen gutgeht und wünsche der Familie ganz viel Kraft und Nerven“, sagte Jung am Montag. In den nächsten Tagen will er die Familie besuchen. Außerdem bekommen die Eltern 500 Euro und - falls sie es wünschen - familiäre Unterstützung seitens der Stadt Leipzig.

Zweiter prominenter Patenonkel könnte Stanislaw Tillich werden, hieß es am Montag aus der sächsischen Staatskanzlei. „Ab Drillingen aufwärts übernimmt diese Aufgabe der Ministerpräsident“, sagte Pressereferentin Patricia Vernhold. „Dafür ist allerdings ein Antrag der Eltern innerhalb eines Jahres nach der Geburt nötig.“ Und das wäre für die Familie durchaus rentabel.

Im ersten Lebensjahr wird jedes Kind monatlich mit 105 Euro unterstützt, im zweiten und dritten Lebensjahr sind es jeweils 55 Euro pro Monat und Kind. Mit vier, fünf und sechs Jahren sowie zum Schulanfang gibt es dann pro Jahr noch jeweils ein Geschenk von 125 Euro. „Alle zwei Jahre gibt es großes Drillingstreffen“, verrät Vernhold, „vielleicht sind die Kleinen im Sommer ja schon dabei.“

Stefanie Büssing

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