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Sherlock in Leipzig: Aus dem Alltag von Privatdetektiv Patrick Kurtz

Sherlock in Leipzig: Aus dem Alltag von Privatdetektiv Patrick Kurtz

Eine Pfeife liegt auf dem Beistelltisch, um den schwere Ledersessel gruppiert sind, im Bücherregal zahlreiche Sherlock-Holmes-Bände: Kein Zweifel, Patrick Kurtz bewundert den von Sir Arthur Conan Doyle erschaffenen Detektiv.

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Detektiv Patrick Kurtz.

Quelle: Volkmar Heinz

Vom Denken her sei der nah an der Realität gezeichnet, befindet Kurtz. Seit seinem zwölften Lebensjahr, sagt er, sei er Fan. Folgerichtig schlug auch er den Weg eines Privatdetektivs ein.

Nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Germanistik machte der 29-Jährige an der Sicherheitsakademie in Berlin eine entsprechende Ausbildung. Heute lebt er in Leipzig und betreibt dort - neben weiteren Standorten in ganz Deutschland - eine Detektei. 32 Fälle hat er im vergangenen Jahr in und um Leipzig bearbeitet. Zudem hat er die Kriminalberichtserzählung "Livingsstones Mahnung" herausgegeben. Als Verleger also. Ach ja, Psychologie studiert er auch noch im Fernstudium. Das kann nicht schaden im Alltag eines Privatdetektivs.

Der ist nicht immer ganz so spannend, wie der gemeine Fernsehzuschauer vielleicht glaubt. Wenngleich Kurtz nach wie vor großen Spaß an seinem Job hat. Betrug im privaten Bereich mache einen großen Teil seiner Aufträge aus, sagt er. Und Betrug in der Wirtschaft, wenn zum Beispiel Firmenmitarbeiter trotz Wettbewerbsklausel für andere Arbeitgeber tätig seien. "Und der dritte große Bereich sind Suchaufträge, aber die sind häufig schwierig. Da liegt die Erfolgsquote nur bei 80 Prozent."

Und bis ein Auftrag als erfolgreich abgeschlossen werden kann, vergehen mitunter unzählige Stunden. "Ich telefoniere sehr viel und suche im Internet nach Hinweisen, besonders in sozialen Netzwerken." Und natürlich, sagt Kurtz, wird observiert. "So lange, bis ich einen Beweis habe." Observieren heißt, Leute beobachten. Auf dem Bahnsteig, im Restaurant, im Auto, wo auch immer. Stundenlang manchmal. "Oft sitze ich schon im Auto vor dem Haus der Zielperson, bevor diese überhaupt aufgestanden ist." Das kann langweilig werden, Kurtz hat für solche Fälle einen Stapel Hörbücher dabei. Und es kann im Winter kalt werden. Und im Sommer sehr heiß. Ein Fenster zu öffnen, ist oft nicht möglich, weil er da leichter entdeckt werden könne, sagt Kurtz. Geschlossene Scheiben spiegeln nämlich und lassen nicht leicht erkennen, dass da jemand sitzt. Es ist aber schon vorgekommen, dass er von Anwohnern entdeckt wurde, eine Frau hat ihm einmal einen Kaffee angeboten.

Am wichtigsten für seine Arbeit ist natürlich eine Kamera, mit der die Beweisfotos gemacht werden. Die übrigens immer bei ihm verbleiben wegen des Urheberrechts. Auch ein GPS-Ortungsgerät besitzt er, das darf er aber nicht mehr benutzen. Vor einigen Jahren haben Gerichte dies untersagt. Das findet Kurtz schade, die Geräte seien doch sehr praktisch gewesen. Die Grenzen, innerhalb derer sich Privatdetektive bewegen, sind zwar dehnbar, aber dennoch klar definiert. Keine Einbrüche, keine Fotos in Autos oder sonstige Privaträume hinein, zum Beispiel.

Moralische Grenzen hingegen gibt es für Patrick Kurtz kaum. Er hat kein schlechtes Gewissen, Leute zu beobachten. "Ich bin doch nicht der, der den Auftrag erteilt."

Einen Auftrag lehnt er dann ab, wenn kein berechtigtes Interesse vorliegt. "Wenn zum Beispiel ein Mann seine Freundin beobachten lassen will, mit der er aber erst seit zwei Monaten zusammen ist. Das reicht dann nicht. Als Maßstab gilt in solchen Fällen in der Regel das Zusammenleben von zwei Menschen." Als erledigt gilt ein Auftrag dann, wenn Patrick Kurtz entweder genug Beweise gesammelt hat. Oder er ist beendet, wenn dem Auftraggeber das Geld ausgeht. Immerhin 590 Euro pro Tag, ab einer Einsatzzeit von zwölfeinhalb Stunden, kostet ein Detektiveinsatz. "Ich habe aber auch schon mal abgebrochen, wenn die Observation rein gar nichts gebracht hat. Und einmal nach 17 Stunden, da war ich wirklich fertig."

Körperliche Fitness ist eine der Voraussetzungen, die ein Detektiv haben sollte. Ein gutes Allgemeinwissen, logisches Denkvermögen, Ahnung vom Internet sind weitere. "Und Konzentrationsfähigkeit. Man muss mitunter stundenlang auf einen Punkt starren und darf nicht abschweifen. Das ist schwer." Ansonsten aber benötigen potenzielle Detektive nicht viel, um ihr Gewerbe anzumelden. Eine Ausbildung ist, rein formal, nicht nötig. Kurtz kritisiert das, er findet ein Mindestmaß an Wissen und praktischer Erfahrung unerlässlich. Die Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik, deren Mitglied Kurtz ist, arbeitet daran, den Beruf des Detektivs zu professionalisieren.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.01.2014

Anja Falgowski

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