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Lokales „Shiny Flakes“ – Netflix lässt sich von Leipziger Fall inspirieren
Leipzig Lokales „Shiny Flakes“ – Netflix lässt sich von Leipziger Fall inspirieren
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11:18 30.10.2018
Polizeipräsident Bernd Merbitz (rechts) präsentiert einen Teil der sichergestellten Drogen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Während ein Leipziger Drogendealer im Gefängnis eine siebenjährige Jugendstrafe absitzt, hat sich Netflix von seinem Fall inspirieren lassen und eine neue Serie aufgesetzt. Im kommenden Jahr soll die Jugendkomödie „Don’t Try This At Home“ beim Streamingdienst laufen, kündigte der Anbieter aus den USA an.

Der Originalfall allerdings ist weniger lustig. Aus seinem Kinderzimmer im Stadtteil Gohlis heraus hat ein bei seiner Verurteilung 20-Jähriger zwischen Dezember 2013 und Februar 2015 unter dem Namen „Shiny Flakes“ (glitzernde Flocken) einen groß angelegten Drogenhandel aufgezogen. Zu bekommen war bei dem Leipziger Anbieter so ziemlich alles, was der Rauschgiftmarkt hergibt: Crystal, Kokain, Speed, Ecstasy, Haschisch, Marihuana, LSD, Medikamente. Nur Heroin vertrieb Maximilian S. nicht.

Erlös von Millionen Euro

Insgesamt verkaufte der Dealer fast eine Tonne Drogen über das Darknet. Bei einer späteren Durchsuchung fand die Polizei neben 320 Kilogramm an Rauschgift auch Gegenstände zum Portionieren und Verpacken sowie 48.000 Euro in bar. Umgerechnet rund vier Millionen Euro erlöste er mit seinem Onlinegeschäft. Bezahlt wurde in der Internetwährung Bitcoin.

Maximilian S. bei seiner Verhandlung am Leipziger Landgericht. Quelle: Kempner

Dennoch, behauptete sein Verteidiger später in der Verhandlung, um Geld sei es seinem Mandanten nie gegangen. Er habe einfach ein starkes Interesse an Computern und am Internet gezeigt - und sei schließlich im nicht frei zugänglichen Darknet auf die Idee mit dem Drogenhandel gekommen.

16 Stunden am Tag gearbeitet

„Shiny Flakes“ sei für den 20-Jährigen ein „Projekt“ gewesen, es sollte besser und schneller sein als andere Drogen-Börsen. „Für meinen Mandanten war es schlichtweg egal, ob er Drogen verkauft hätte - oder Schuhe“, so sein Anwalt. 16 Stunden am Tag habe er „gearbeitet“. Zeit für echte Freunde blieb nicht. „Am Ende gab es keinen Tagesablauf mehr. Es waren mal zwei Stunden Schlaf hier, mal zwei Stunden Schlaf da“, sagt der Dealer. Die Drogen habe er von verschiedenen Lieferanten bezogen.

Drogendrehscheibe Kinderzimmer

In seinem Leipziger Kinderzimmer verpackte S. die Ware in Briefe und Päckchen und verschickte sie an Kunden in ganz Deutschland. Das wuchs ihm über den Kopf - die Polizei kam ihm laut Anklage auf die Schliche, nachdem falsch adressierte und unzureichend frankierte Drogenpäckchen entdeckt worden waren.

In der Netflixserie führen Lars Montag („Tatort“) und Arne Feldhusen („Stromberg“) Regie. In ihrer von der Produktionsfirma Bildundtonfabrik umgesetzten Serie, die auch für Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royal“ verantwortlich ist, bauen drei Schüler einen Online-Drogenhandel auf. „Shiny Flakes“ sei Inspiration gewesen, aber nicht nicht direkt verfilmt worden.

Dritte deutsche Serie

„Don’t Try This At Home“ ist die dritte deutsche Serie bei Netflix. Bei „Dark“ im vergangenen Jahr spielte der Leipziger Peter Schneider den AKW-Mitarbeiter Helge Doppler. Ende des Jahres soll „Dogs of Berlin“ an den Start gehen. Mit dabei: Felix Kramer, bekannt aus einigen Folgen von Soko Leipzig. Weitere Serie aus Deutschland sollen im kommenden Jahr bei Netflix folgen und das Angebot auf insgesamt acht erhöhen.

Von Matthias Roth (mit epd)

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