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Lokales Sibirienkälte: Leipzig öffnet Übernachtungshaus länger und verteilt Schlafsäcke
Leipzig Lokales Sibirienkälte: Leipzig öffnet Übernachtungshaus länger und verteilt Schlafsäcke
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13:58 24.02.2018
Das Übernachtungshaus für wohnungslose Männer in der Rückmarsdorfer Straße erweitert ab Montag seine Öffnungszeiten. Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig,


Das wird heftig: Die russische Kältepeitsche schlägt zum meteorologischen Frühlingsanfang in dieser Woche nochmal zu und beschert uns tagelangen Dauerfrost. Selbst ein März-Winter ist nicht ausgeschlossen. Verschärft wird die Eiskälte durch den Wind. „Durch den strammen Ostwind werden sich die Tagestemperaturen von minus 5 bis 9 Grad deutlich kälter anfühlen“, sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net.

Gefühlte Temperatur bei bis zu minus 20 Grad!

Der Fröstelfaktor – auch Windchill genannt – wird dafür sorgen, dass auch in der Region Leipzig die gefühlte Kälte zeitweise bei bis zu minus 20 Grad liegt! „Da kann es schon bei 30 Minuten im Freien an ungeschützten Körperteilen zu Erfrierungen kommen. Bei Kindern können Erfrierungen noch schneller eintrete“, warnt Wettermann Jung. Bei obdachlosen Menschen ist besondere Vorsicht geboten. Die Behörden müssten unbedingt dafür sorgen das genügend Unterkünfte zur Verfügung stehen, sonst sind sogar Kältetote nicht auszuschließen.

In Leipzig 87 Not-Plätze für Obdachlose

„Wir haben uns auf die Kälte eingestellt“, sagt Christoph Motzer, Sachgebietsleiter für Wohnungsnotfallhilfe bei der Stadt. Mehrere Akteure kümmern sich in diesen Tagen noch intensiver um obdachlose Menschen in Leipzig. Das Sozialamt hatte bereits im November sein Winterprogramm zur Notunterbringung gestartet; es gilt bis zum 15. März. In verschiedenen Einrichtungen stehen für alleinstehende Frauen und Männer täglich insgesamt 87 Plätze zur Verfügung. Bei Bedarf kann die Anzahl kurzfristig erhöht werden. „Alle wohnungslosen Menschen erhalten bei Bedarf eine Unterkunft und die erforderliche Grundversorgung“, teilt das Sozialamt mit.

Übernachtungshaus rund um die Uhr geöffnet

Auf die akute Situation wird mit einer Ausweitung der Öffnungszeit im Übernachtungshaus für wohnungslose Männer in der Rückmarsdorfer Straße 7 reagiert, wie Motzer erklärt. Dort ist feiertags und an Wochenenden ohnehin rund um die Uhr geöffnet. Ab Montag steht die Einrichtung, die an Werktagen sonst erst um 16 Uhr öffnet, 24 Stunden bereit. Außerdem wurden seit Jahresbeginn 20 bis 30 Schlafsäcke gezielt an bestimmte Personen ausgegeben.

Ordnungsdienst kontrolliert Schlafplätze

Eine weitere Vorsichtsmaßnahme: „Der Stadtordnungsdienst hat die bekannten Schlafplätze in seine Touren aufgenommen“, berichtet Christoph Motzer. „Das gilt allerdings generell, also auch im Regelbetrieb und nicht nur jetzt.“ Diese Plätze stünden selbstverständlich in diesen Tagen weiter im Fokus. „Die Menschen werden aktiv auf die unterschiedlichen Hilfsangebote hingewiesen“, so Motzer. Platzverweise sprechen die zuständigen Mitarbeiter nach Möglichkeit nicht aus. „Ein Obdachloser, der sich selbst geschützt hat, soll nicht vertrieben werden.“ Es sei allen Beteiligten lieber, wenn man weiß, wo die Menschen sich aufhalten und man immer wieder nachsehen kann, wie es ihnen geht.

Streetworker sprechen Obdachlose an

Nicht nur die Mitarbeiter des Stadtordnungsdienst haben in diesen Tagen ein besonderes Augenmerk auf Leute ohne Wohnung – auch die Streetworker des Diakonischen Werks, des Suchtzentrums und des Jugendamtes kümmern sich um die Menschen draußen, gehen auf Obdachlose zu. Der Streetworkerdienst für Drogenabhängige ist ebenfalls mit im Boot. „Alle gehen an die Orte, wo Menschen nächtigen – auch um zu sehen, ob eine akute Gefahr vorliegt, die dann einen Eingriff erfordert“, erklärt Motzer.

Das Übernachtungshaus für wohnungslose Frauen in der Scharnhorststraße 27 in Leipzig. Quelle: Andre Kempner

Neben den Übernachtungshäusern für wohnungslose Frauen (Scharnhorststraße 27), Männer (Rückmarsdorfer Straße 7) und für wohnungslose Drogenabhängige (Chopinstraße 13) spielen auch die Tagesaufenthalte eine wichtige Rolle. Sie befinden sich in der Plautstraße 18 („Insel“ des Suchzentrums) sowie in der Nürnberger Straße 31 (Ökumenische Kontaktstube „Leipziger Oase“ des Diakonischen Werks). „Beide Angebote werden gut angenommen“, sagt Christoph Motzer.

„Nicht jeder will sich helfen lassen“

Der Rathaus-Mitarbeiter lobt den Einsatz vieler Bürger, die sich verantwortlich fühlen und immer wieder Hinweise zu Obdachlosen geben. „Wir leiten solche Hinweise umgehend weiter; häufig sind die betreffenden Personen und ihre Plätze schon bekannt, aber das muss nicht so sein“, sagt Motzer, der zugleich vor übertriebenen Erwartungen an Verwaltung und soziale Hilfsdienste warnt. Nicht jeder will sich helfen lassen; mitunter ist die Überzeugungsarbeit sehr schwierig. Und: „Es kann niemand zwangsweise untergebracht werden“, betont Motzer. Nur in einer akut lebensbedrohlichen Situation ist so etwas denkbar. Würden Bürger eine solche Situation erkennen, sollte sie sofort die Polizei oder den Rettungsdienst alarmieren und nicht das Sozialamt.

Das Sozialamt bittet Bürger, obdachlose Personen auf die Hilfsangebote hinzuweisen oder das Sozialamt der Stadt Leipzig zu informieren: Telefon: 0341 123-9139, E-Mail: soziale.wohnhilfen@leipzig.de.

Von Björn Meine und Olaf Majer

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