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Polizei und Kammern: Vier-Minuten-Hürde soll Einbrecher abhalten

Sicherheitspartnerschaft in Leipzig Polizei und Kammern: Vier-Minuten-Hürde soll Einbrecher abhalten

Ob Friseur-Schere, Laptop oder wertvolle Baumaschine – immer mehr Diebstähle sorgen für Unruhe in Leipzigs Betrieben. Die Polizei will jetzt die Präsenz auch in Gewerbegebieten erhöhen und gemeinsam mit den Wirtschaftskammern Unternehmen gegen Langfinger wappnen.

IHK-Präsident Wolfgang Topf, Leipzigs Polizeichef Bernd Merbitz und Handwerkskammer-Präsident Claus Gröhn unterzeichnen die Sicherheitspartnerschaft.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Es reicht, wir müssen etwas tun“, sagt Leipzigs IHK-Präsident Wolfgang Topf. Gemeinsam mit Handwerkskammer-Präsident Claus Gröhn und Polizeipräsident Bernd Merbitz hat er am Dienstag eine Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei unterzeichnet. Es geht Erfahrungsaustausch und technische Finessen. Und: „Zu ungünstigen Zeiten an ungünstigen Orten“ Präsenz zu zeigen, so Polizeichef Merbitz.

Rund 108.000 Straftaten sind 2014 in Leipzig registriert worden. Die Stadt sehe sich mit einem „enormen Kriminalitätsanstieg“ konfrontiert, so Polizeichef Merbitz. Und fast jede zweite Straftat ist ein Diebstahl: Knapp 41.000 waren es 2014, darunter fast 6400 Ladendiebstähle.

Rund 1400 Mal stiegen Einbrecher in Leipziger Büros, Werkstätten oder Lagerräume ein, knapp ein Drittel mehr Fälle als im Jahr zuvor. Dazu kommen rund 700 Diebstähle aus Rohbauten, Baubuden und Baustellen. Lkw-Planenschlitzer sind unterwegs, und Buntmetalldiebe beschäftigen die Ermittler. Die Aufklärungsquote, so der Polizeichef, liege bei Einbrüchen bei knapp 20 Prozent. Insgesamt sank im Bereich der Polizeidirektion Leipzig die Aufklärungsquote von Straftaten in den vergangenen Jahren und liegt jetzt noch bei 48,2 Prozent.

Leipzig nähert sich Frankfurter Verhältnissen

Mehr als 160 Betriebe seien in den vergangenen Monaten von der Handwerkskammer zu Leipzig befragt worden, bei jedem Dritten haben sich Kriminelle schon bedient oder es zumindest versucht, so Präsident Claus Gröhn. Der Schaden liege im Durchschnitt zwischen 5000 und 40.000 Euro. Schlimmer sind die kaum zu beziffernden Folgen: „Die Sicherheitslage wird als schlecht wahrgenommen“, sagt Gröhn.

Mit mehr als 13.000 Straftaten auf 100.000 Einwohner stehe Leipzig dem großen Frankfurt am Main mit 16.000 nicht mehr viel nach, so IHK-Chef Topf. „Wir sind wirtschaftlich die dynamischste Stadt in Ostdeutschland. Aber Leipzig führt leider auch die Kriminalitäts-Hitliste in Sachsen an.“

Mehr Präsenz – nicht mehr Personal

„Es ist nicht hinnehmbar, wenn Betriebe geschädigt werden und dann ihre Aufgaben nicht erfüllen können“, so Merbitz. Sichtbare Polizei sei eine der besten Präventionsmöglichkeiten. Die Krux: Mehr Personal steht dafür nicht zur Verfügung, macht er klar. Stattdessen sollen Bürgerpolizisten auf die Straße und Streifenwagen verstärkt durch Gewerbegebiete fahren. „Die Beamten können dann auch einfach mal aussteigen, in die Betriebe gehen und über die Situation reden.“

Bei der neuen Sicherheitspartnerschaft geht es um Austausch von Erfahrung und Informationen. Rund 140 Beamte beackern in einer zentralen Ermittlergruppe die Eigentumsdelikte in der Region Leipzig. Laut Merbitz werden Informationen über lokale Kriminalitätsschwerpunkte und Vorgehensweisen künftig an die Kammern weitergegeben und beispielsweise über Newsletter unter deren Mitglieder verbreitet.

Baumaschine per PC verfolgen

Die Polizei will die Unternehmen zudem gezielt vor Ort beraten und Info-Angebote in den Haupthäusern und Regionalbüros der Kammern machen. Das Ziel ist einfach: „Vier Minuten müssen die Türen und Fenster den Einbrechern standhalten, heißt es, danach lassen sie in der Regel ab“, berichtet Gröhn. Viele Betriebe hätten bereits mit Kameras, Alarmanlagen und weiteren Schlössern aufgerüstet. Wer heute noch Container ohne vergitterte Fenster miete, oder Container nur mit einem normalen Schloss ausstatte, spreche quasi eine Einladung aus, so Topf.

Ermittler und Wirtschaft wollen auch neue Möglichkeiten prüfen. So könnten Werkzeuge und Maschinen ähnlich wie Fahrräder codiert werden, um die Zuordnung im Schadensfall zu erleichtern. IHK-Präsident Topf denkt beim Thema Individualkennzeichnung noch weiter. So sei es oft kein Problem mehr, in Geräte einen Sender einzubauen, der von Dieben nicht zerstört werden könne und am PC zeige, wo sich das wertvolle Gut befindet.

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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