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„Sie hörten keine Kommandos“ - Prozess um Ruderunfall in Leipzig eröffnet

„Sie hörten keine Kommandos“ - Prozess um Ruderunfall in Leipzig eröffnet

Sie waren unheimlich aufgeregt: Es sollte das erste Rennen ihres Lebens sein. Doch für die fünf Kinder vom Ruderverein Dessau wurde es eine Fahrt in den Tod. Ein zwölfjähriger Junge ertrank, vier Sportkameraden erlitten bei dem Unfall am Palmengartenwehr in Leipzig am 13. April 2008 teils schwere Verletzungen.

Leipzig. Am Donnerstag begann am Amtsgericht Leipzig der Prozess um fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung.

Für Staatsanwalt Ulrich Jakob steht außer Frage, dass die Trainerinnen Yvonne S. (33) und Ines M. (48) hätten erkennen müssen, "dass die Kinder den Bedingungen am Renntag nicht gewachsen waren". Es herrschte Hochwasser, die Strömung war besonders stark. Der Vierer mit Steuermann sei mit der Situation am Palmengartenwehr überfordert gewesen. "Entgegen der Strömung zu steuern, gelang nicht", sagte Jakob. Es war das letzte Rennen an jenem Sonntag, ausdrücklich ausgeschrieben für Anfänger. Dem Präsidenten des veranstaltenden Leipziger Vereins Triton, Jens G. (42), warf der Staatsanwalt vor, dass nahe dem Wehr ein Motorboot lediglich am Ufer lag. "Es hätte mit laufendem Motor auf dem Wasser sein müssen", sagte er. Damit habe Jens G., der für die Planung und Organisation verantwortlich war, nicht für die notwendige Sicherheit gesorgt.

Der Angeklagte äußerte sich gestern nicht, "vielleicht später". Peter Manthey, einer seiner beiden Verteidiger, sprach in einer Verhandlungspause von "einem Unglück für den Verein, für den Präsidenten". Der Fall habe die "ganze sächsische Ruderschaft tief bewegt".

Die Mitangeklagte Yvonne S. sagte: "Ich empfand die Strömung am Wehr als nicht bedenklich." Sie sei solche Wasserverhältnisse von der Mulde in Dessau her gewohnt. "Ich habe keine Komplikationen erwartet." Sie hatte in Leipzig selbst an der Regatta teilgenommen. Ihren Worten zufolge äußerten bei einer Beratung andere Vereine nur wegen der Starts im Einer Bedenken. Nach Ansicht von Übungsleitern hätten die Vierer genug Kraft gehabt, um auch bei Hochwasser problemlos zu fahren. "Mir war aber nicht bewusst, dass die Brücke schon selbst das Wehr selbst ist", berichtete S. weiter.

Ines M., die bei ihren Aussagen fast ununterbrochen weinte, sprach von "einem seltsamen Phänomen". Das Wasser am Wehr "erschien total glatt". Sie habe gesehen, dass das Boot auf dem Weg zum Start aus einem Seitenarm "nicht schräg genug herausgefahren ist". Sie sei nur noch gerannt, habe laut gerufen. "Aber sie hörten keine Kommandos. Dann war das Boot in Sekundenschnelle verschwunden."

Maximilian (12) ertrank, seine Leiche wurde erst am 30. April im Elsterbecken, in Höhe der Kleinmesse, entdeckt. Martin (11) fanden Helfer eine halbe Stunde nach dem Unfall unter Wasser liegend, leblos und mit einer Körpertemperatur von 26 Grad. Wie Werner Siekmeyer, Arzt an der Uni-Kinderklinik, am Donnerstag sagte, habe die Reanimation zwei Stunden gedauert. Er sprach von einem außergewöhnlichen Fall. Das Kind habe aber bleibende Schäden erlitten. Bei seinem Besuch vorigen Sommer sei Martin das Sprechen schwer gefallen, er habe aber wieder laufen können. Zum aktuellen Gesundheitszustand sollen bei der Prozessfortsetzung kommenden Montag die Eltern des Jungen gehört werden. Auch die Angehörigen der anderen betroffenen Kinder sind geladen. Nora (11), Jennifer (11) und Christopher (10) hatten leichtere Verletzungen erlitten.

Der Sachverständige Frank Linnert schloss am DOnnerstag technische Defekte am Boot als Unfallursache aus. Beide Übungsleiterinnen arbeiten bis heute beim Ruderverein Dessau. Ihren Worten zufolge "auf Wunsch der Eltern sowie der Kinder". Auch Jens G. ist weiter in seinem Amt. Richterin Birgit Riedel hat Zeugenanhörungen bis 1. April geplant; erst danach, möglicherweise am 7. April, könne ein Urteil gefällt werden.

Sabine Kreuz

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