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Lokales "Sie werden überwacht": Bündnis Privatsphäre protokolliert Fußgänger in der Leipziger City
Leipzig Lokales "Sie werden überwacht": Bündnis Privatsphäre protokolliert Fußgänger in der Leipziger City
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01:00 28.10.2013
Die Aktion "Sie werden überwacht" vom Bündnis für Privatsphäre am Samstag in der Leipziger Innenstadt. Jürgen Kasek (rechts) erläutert die Beweggründe. Quelle: Wolfgang Zeyen

"Vater mit drei Kindern. Das Mädchen trägt eine rote Jacke. Der Junge eine grüne Jacke. Frau mit Fischchips schaut mir über die Schulter." Maria Arkadieff hat nach einer halben Stunde schon fast eine Seite vollgeschrieben mit solchen Beobachtungen. Die 23 Jahre alte Philosophiestudentin sitzt an einem Klapptisch in der Fußgängerzone, vor ihr steht eine alte Schreibmaschine. Am Tisch hinter ihr befindet sich ein Schild "Bitte nehmen Sie zur Kenntnis: Sie werden überwacht".

Maria Arkadieff gehört dem Bündnis Privatsphäre Leipzig an. An diesem Samstagnachmittag will sie mit Gleichgesinnten auf die "allgegenwärtige geheimdienstliche Überwachung" aufmerksam machen.

Das Bündnis Privatsphäre Leipzig wurde im Oktober gegründet. Die Bürgerinitiative, die bislang etwa ein Dutzend Mitglieder hat, will die öffentliche Debatte über Ausspähung anstoßen, zum Nachdenken über Sicherheitspolitik und Demokratie anregen.

Sonderlich beeindruckt scheint keiner der Passanten, die an den drei "Protokollanten" mit den Schreibmaschinen vorbeilaufen - trotz der deutlichen Warnung vor Überwachung und der auffällig ausdruckslosen Gesichter, mit denen die "Protokollanten" sie mustern und die "Befunde" im Stakkato in die Schreibmaschinen hämmern. "Das kann mich nicht mehr erschrecken, das Thema Überwachung ist ja schon länger im Gespräch", sagt die 46-jährige Annett Pritz. "Es ist zwar interessant, aber man informiert sich trotzdem nicht richtig und vergisst es dann auch schnell wieder."

Die Meinungen der Leute, die sich um die Tische scharen, sind grundverschieden. Ein paar Studenten sind gekommen, weil sie dachten, es gebe eine Demonstration. Andere Passanten wiegeln ab: "Wer nichts zu verbergen hat, den muss die Überwachung auch nicht stören."

Jürgen Kasek von der Bürgerinitiative sagt dazu: "Die Menschen haben gelernt, die Überwachung zu akzeptieren. Wir wollen sie wieder zum Denken anregen: In welcher Zeit leben wir eigentlich, wenn alles überwacht wird?"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.10.2013

Ariane Dreisbach

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