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„Silver Surferin“ aus Leipzig wird Jurymitglied für Internetpreis 2016

Digitalisierung „Silver Surferin“ aus Leipzig wird Jurymitglied für Internetpreis 2016

650 Wikipedia-Einträge hat die Leipzigerin Ursel Ilgner schon bearbeitet. Der 73-Jährigen macht der Umgang mit Smartphone und Tablet großen Spaß. Im vergangenen Jahr wurde sie mit dem Goldenen Internetpreis ausgezeichnet. Nun sitzt sie selbst in der Jury und wird über die Kandidaten mitentscheiden.

Die Gewinnerin aus dem Vorjahr Ursel Ilgner aus Leipzig sitzt in der Jury für den diesjährigen Goldenen Internetpreis.
 

Quelle: Christian Kruppa

Leipzig.  Am seltensten sind im Internet Frauen über 70 anzutreffen. Das trifft auf Ursel Ilgner nicht zu: Sie ist zwar 73 Jahre alt, surft aber täglich via Tablet, erstellt Websiten, nutzt Online-Banking und hat bereits über 650 Wikipedia-Einträge bearbeitet.

Nun sitzt die „Silver Surferin“ in der Jury für den diesjährigen Goldenen Internetpreis – dem Preis für Senioren im Netz. Ilgner hat sich selbst im Vorjahr für den Preis beworben und gewann in der Kategorie „Einsteiger und erfahrene Internetnutzer“. Dank ihres innovativen Beitrags wurde der Leipzigerin angeboten, jetzt im Gremium mitzuwirken.

„Es ist eine große Ehre für mich“, bekennt die 73-Jährige. Und seitens des Veranstalters, der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, heißt es: „Wir hoffen, dass Frau Ilgner dabei einige Impulse aus der Nutzerwelt setzen wird und ihre individuelle Sicht auf die Dinge einbringt.“

Freude und Doppelbelastung zugleich

Schon seit zehn Jahren beschäftigt sich die Leipzigerin mit dem Internet. Als Betriebsprüferin beim Finanzamt war ihr die Arbeit mit Computern bereits vertraut. Um weiterhin etwas Sinnvolles zu tun, meldete sie sich 2004 zum Seniorenstudium an der Universität Leipzig an. Dort lernte sie zum Beispiel den Umgang mit Bildbearbeitungssoftware, Tablets und Wikipedia kennen.

Für die 73-Jährige ist das Internet Freude und Doppelbelastung zugleich, denn sie pflegt daneben auch noch ihren Mann. Zeitintensiv ist auch ihr junger Bekanntenkreis, mit dem sie via Facebook und E-Mails kommuniziert. Zudem gehört Ilgner seit Februar zum Wikipedia-Stammtisch Leipzig.

Einzige Frau beim Wikipedia-Stammtisch

Dort treffen sich Informatiker, Biologen und alle sogenannten Wikipedianer. Die Mitglieder fachsimpeln beim Stammtisch über das World Wide Web und geben sich gegenseitig Autorentipps. „Nach wie vor bin ich immer noch die einzige Frau unter den Akademikern“, sagt sie. Die 73-Jährige wünscht sich daher mehr Frauen, die daran teilnehmen.

Auf die Preisverleihung des Goldenen Internetpreises freut sich die Silver Surferin besonders. Am 10. November wird sie im Berliner Google Büro auf bekannte Gesichter treffen. Nachdem der Schirmherr Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, das Preisgeld übergeben hat, darf auch Ilgner die neuen Preisträger beglückwünschen.

Entscheidung durch Telefonkonferenz

15 Bewerbungsunterlagen werden Ilgner Ende September zugeschickt. Mitte Oktober wird sie sich dann mit anderen Jurymitgliedern in einer Telefonkonferenz beraten. Allein 2015 bewarben sich insgesamt 120 Einzelpersonen und Gemeinschaftsprojekte.

Dieses Mal wird der Preis in den Kategorien „Alltag“, „Soziales Engagement“, „Starthilfe“ und „Jung und Alt – gemeinsam online“ ausgelobt. Das Preisgeld beträgt insgesamt 8000 Euro und wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen, den Vereinen „Deutschland sicher im Netz“ und „Wege aus der Einsamkeit“, Google Deutschland und der Deutschen Telekom bereit gestellt.

Noch bis zum 16. September können sich web-affine Menschen, die über 60 Jahre alt sind, dafür bewerben. Auch Einrichtungen, die für und mit älteren Menschen im Internet aktiv sind, sind gefragt.

Mehr zum Bewerbungsprozedere unter goldener-internetpreis.de

Von Melanie Steitz

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