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Silvia und Carl Gustaf freuen sich über viele Schaulustige – aber nicht über Selfies

Königlicher Besuch in Leipzig Silvia und Carl Gustaf freuen sich über viele Schaulustige – aber nicht über Selfies

Für ihren dritten offiziellen Staatsbesuch in Deutschland hat sich das schwedische Königspaar ausdrücklich Leipzig als Station gewünscht. Silvia und Carl Gustaf haben am Sonnabend vier Stunden Zeit für die Stadt – und absolvieren ein volles Programm.

Gut gelaunt schauten sich Silvia und Carl Gustaf in Berlin ein Zirkusprojekt an.

Quelle: Rainer Jensen

Leipzig.  Am Sonnabend kommen Herr und Frau König nach Leipzig, und die Bürger dürfen schauen und winken: Gegen 12.45 Uhr rollt vorm Alten Rathaus die Autokolonne mit König Carl XVI. Gustaf von Schweden und Königin Silvia an. Die beiden verbringen den Vormittag in Wittenberg. „Das Königspaar freut sich, wenn viele Leipziger da sind, auch bei Regen“, sagt die schwedische Honorarkonsulin Petra Löschke. Nähe zum Volk wird ausdrücklich gewünscht. „Aber man sollte ihnen mit Respekt und etwas Abstand begegnen. Handschütteln, Schulterklopfen oder Selfies machen entsprechen nicht dem guten Benehmen“, so die Konsulin. Wer will, kann sich eine von 50 Papierfähnchen zum Winken geben lassen, die Löschke extra besorgt hat. Später können Schaulustige die Royals noch ein zweites Mal aus der Nähe sehen – wenn sie sich 17 Uhr im Nikolaikirchhof auf den Weg Richtung Flughafen machen.

Begrüßt werden Carl Gustaf und Silvia von Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Bürgermeister Burkhard Jung. Für ihren dritten offiziellen Staatsbesuch in Deutschland nach 1979 und 1993 hatten sich die Schweden ausdrücklich Wittenberg und Leipzig als Stationen gewünscht, deshalb muss sich Sachsens Ministerpräsident nach Leipzig begeben. Denn er ist der Gastgeber, und Oberbürgermeister Burkhard Jung steht nur daneben. Falls Königin Silvia sich noch gut an ihre Leipzig-Besuche von 2009 und 2006 erinnert, dürfte es ihr nicht entgehen, dass Jung inzwischen die Ehefrau gewechselt hat.

Kurz vor 13 Uhr treten König und Königin für einen Moment auf den Balkon des Alten Rathauses und grüßen die Schaulustigen, so wie es 1992 schon die britische Königin Elizabeth II. und ihr Gemahl Prinz Philip getan haben. Dann geht es wieder nach drinnen. Bevor im Alten Rathaus die Festtafel eröffnet wird, schreiben sich die Majestäten ins Gästebuch des Freistaates Sachsen und ins Goldene Buch der Stadt Leipzig ein. Zum Mittagessen treffen sie 50 Wichtige aus Wirtschaft, Politik und Kunstszene, alles geladene Gäste aus Dresden, Leipzig und Schweden. An der Tafel gibt es eine reichliche Stunde lang auch Gelegenheit zum Plaudern. König Carl Gustaf spricht Englisch oder Schwedisch. Da er eine deutsche Mutter hat, dürfte er Deutsch verstehen. Königin Silvia, gebürtige Heidelbergerin, spricht sowieso Deutsch.

Nach dem Mittagessen gehen Herr und Frau König getrennte Wege: Er fährt zum Max-Planck-Institut am Deutschen Platz, wo er den schwedischen Spitzenforscher Svante Pääbo trifft. Sie begibt sich an die Leipziger Universität, wo sie eine Stunde lang an der Fachtagung der von ihr selbst mitgegründeten World Childhood Foundation teilnimmt und auch ein paar Worte spricht. Danach wird Silvia mit dem Auto zur Nikolaikirche chauffiert, wo sich das Königspaar wieder trifft. Obwohl die Entfernung nur kurz ist: Ein Fußmarsch zur Nikolaikirche ist aus Gründen der Sicherheit und der Regeln eines Staatsbesuchs nicht vorgesehen. „Das macht das Königspaar, wenn es privat in Deutschland ist, wie vor kurzem in Gotha“, verrät die Konsulin.

Einen dieser privaten Besuche hatte es 1991 gegeben: Damals besuchte Silvia mit ihrer 14-jährigen Tochter Victoria die Gedenkstätte für den schwedischen König Gustav II. Adolf (1594-1632), der im Alter von 37 Jahren in der Schlacht bei Lützen gegen Wallensteins Truppen gefallen war. Später waren Carl Gustaf und Silvia noch dreimal in Lützen, einmal sogar inkognito.

Von ihren engen Beziehungen zu Leipzig erzählte Silvia, als sie 2006 im Bildermuseum eine Ausstellung eröffnete: In Markkleeberg wohnten ihr Onkel Ernst und Tante Lene. Ernst Sommerlath, ältester Bruder ihres Vaters, war Domherr zu Meißen und Wurzen und zweiter Prediger der Universitätskirche. Er sei mit ihr in der Straßenbahn von Markkleeberg in die Stadt gefahren, wo sie auf der Universitätsbank Platz nahm. Im Alter von 87 Jahren traute und segnete er seine Nichte dann in Stockholm bei ihrer Heirat mit dem schwedischen König. Mittlerweile lebt in Markkleeberg nur noch die ehemalige Haushälterin von Silvias Cousin.

Von Kerstin Decker

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