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Lokales Skandal in Asylbewerberheimen: Unternehmen war auch in Leipzig aktiv
Leipzig Lokales Skandal in Asylbewerberheimen: Unternehmen war auch in Leipzig aktiv
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17:10 29.09.2014
Das frühere Fechner-Gymnasium in Leipzig-Schönefeld. Die Interimsunterkunft für Flüchtlinge wurde von Unternhemen European Homecare betrieben. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Die Einrichtung im ehemaligen Fechner-Gymnasium im Stadtteil Leipzig-Schönefeld war von vornherein nur als Interim geplant. Für den Zeitraum von vier Monaten im Winter und Frühjahr 2014 lag der Betrieb in den Händen des Unternehmens.

Auffälligkeiten gab es in dieser Zeit offenbar nicht. Robert Dobschütz von der Initiative „Leipzig hilft!“, die sich mit Spenden und Unterstützung für die Flüchtlinge in der früheren Schule eingesetzt hat, weiß von keinen Problemen während dieser Zeit. „Wir als Leipziger Initiative können von keinen negativen Erfahrungen berichten“, so Dobschütz gegenüber LVZ-Online. Bei Besuchen vor Ort sei ihm nichts aufgefallen.

Die Staatsanwaltschaft zeigte ein Handy-Foto, das einen am Boden liegenden Mann und zwei Sicherheitsmänner zeigt. Quelle: Polizei NRW

Am Sonntag wurde bekannt, dass Sicherheitsmitarbeiter in Einrichtungen, die von European Homecare betrieben wurden, Flüchtlinge angegriffen und gedemütigt hätten. Nach Informationen des WDR seien die Securityleute bei der Firma SKI angestellt gewesen, einem Tochterunternehmen der European Homecare. Die Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln inzwischen gegen vier Beschäftigte. Auf einem Video, welches den Behörden zugespielt wurde, sind uniformierte Mitarbeiter zu sehen, die einen Flüchtling mit den Füßen drangsalieren. Auf den Telefonen der Verdächtigen wurden auch Fotos gefunden, auf denen die Männer mit ihren Opfern posieren.

Nach Medienberichten wurden bei zwei Wachleuten verbotene Waffen wie Schlagstöcke gefunden. Am Montag sollen die Bewohner der Unterkunft befragt werden. Auch aus zwei weiteren Heimen in Essen und Bad Berleburg wurden Übergriffe auf Flüchtlinge gemeldet. Sowohl die zuständige Bezirksregierung als der Betreiber zogen noch in der Nacht Konsequenzen. Der Vertrag mit dem Sicherheitsunternehmen SKI wurde gekündigt.

Politiker und Ausländerbeauftragte fordern Konsequenzen

European Homecare betreibt in Sachsen weitere Einrichtungen, so zum Beispiel in Chemnitz und Hoyerswerda. Auch in Thüringen sind die Essener aktiv. Die Thüringer Ausländerbeauftrage Petra Heß setzte sich am Montag eine Überprüfung des Unternehmens und seiner Aktivitäten im Freistaat ein.

Henning Homann, Abgeordneter der SPD im Sächsischen Landtag, forderte am Montag, dass auch in Sachsen der Umgang mit Asylbewerbern auf den Prüfstand gehöre. „Flüchtlinge müssen nicht nur menschenwürdig untergebracht, sondern auch vernünftig sozial betreut werden.“ Homann kritisiert zudem, dass eine staatliche Hoheitsaufgabe an Dritte abgetreten werde, indem private Sicherheitsdienste in Asylbewerberheimen zum Einsatz kommen. Das Personal müsse im Vorfeld vom Verfassungsschutz überprüft werden und ein unbedenkliches polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, so der SPD-Politiker.

Johannes Angermann

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