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Lokales So&So in der Klemme: Club-Betreiber bauten Geschäft auf wackligem Mietvertrag auf
Leipzig Lokales So&So in der Klemme: Club-Betreiber bauten Geschäft auf wackligem Mietvertrag auf
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06:01 27.09.2018
Gekündigt: Nur noch bis Anfang 2019 kann das So&So auf dem ehemaligen Eutritzscher Freiladebahnhof Partygänger und Musikliebhaber begrüßen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Grüne, Linke und SPD im Stadtrat fordern von der Kommune, mit der CG Gruppe Nachverhandlungen über das auf dem ehemaligen Eutritzscher Freiladebahnhof geplante neue Stadtquartier mit mehr als 2000 Wohnungen zu führen. Über den Antrag soll am Donnerstag die Ratsversammlung entscheiden. Es geht darum, konkrete Vereinbarungen zur künftigen öffentlichen Infrastruktur für Schulen, Kindergärten, Sportanlagen und Kulturstätten auf dem Entwicklungsgebiet zu treffen. Eine zentrale Forderung ist der Erhalt zweier soziokultureller Einrichtungen an dem jetzigen Standort, darunter der Musik-Klub So&So.

Betreiber investierten 200 000 Euro in den Klub

Allerdings geht es wohl um viel mehr als die Rettung des vor zwei Jahren gestarteten So&So. Auf dem Spiel dürfte vor allem die wirtschaftliche Existenz der Betreiber stehen, die nicht nur Herzblut in ihr Projekt gesteckt haben. In einem Interview mit Radio Mephisto sprach Johannes Reis, einer der beiden Betreiber, jüngst von 200 000 Euro, die in das So&So geflossen sind. Selbst Familienmitglieder hätten ihnen, als das Geld auszugehen drohte, finanziell unter die Arme gegriffen. Fraglich nur, ob sie sich auch der Risiken des Geschäftes bewusst waren.

Mietvertrag nur über drei Jahre sicher

2016 öffnete der Musik-Klub. Es war auch das Jahr, bis zu dem der Mietvertrag über das Objekt datiert war und der sich von da an nur noch um jeweils ein Jahr verlängerte, sofern keiner der beiden Vertragspartner ihn vorher gekündigt hat. Denn mit dem Vorbesitzer des Grundstücks, der Berliner VVBI Kapital AG, hatten die So&So-Betreiber nach LVZ-Informationen im Jahr 2013 einen nur auf drei Jahre befristeten Mietvertrag abgeschlossen – und der lief bis Oktober 2016. Eine sichere Geschäftsgrundlage für die Branchenneulinge ist das freilich nicht. Selbst Reis, einst Mitarbeiter im Wahlkreisbüro des früheren Bundestagsabgeordneten Wolfgang Tiefensee (SPD), spricht von „jugendlicher Naivität“. Der Vertrag hätte bei einem Eigentümerwechsel sogar jederzeit vor Ablauf der Dreijahresfrist gekündigt werden können. Die CG Gruppe, die das Gelände zwischenzeitlich erworben hatte, machte davon allerdings keinen Gebrauch. Erst in diesem Jahr – mit Voranschreiten der Planungen für den Wohnstandort – verlängerte sich der Vertrag nicht mehr über September hinaus.

„Die CG Gruppe hat mit den Betreibern des So&So jedoch bis Februar 2019 eine Duldung vereinbart“, sagte ein Sprecher des Projektentwicklers. „Bis dahin kann der Klub trotz Vertragsende noch weiter betrieben werden. Im Frühjahr sollen dann die bauvorbereitenden Maßnahmen beginnen, bei denen unter anderem das denkmalgeschützte Straßenpflaster auf dem Gelände gesichert und Leitungen, unter anderem die Stromversorgung des Clubs, gekappt und verlegt werden müssen.“ Auch deshalb sei ein darüber hinausgehender Weiterbetrieb des So&So unmöglich. „Wenn das So&So an diesem Standort verbleiben sollte, müsste man mit dem Zirkel einen Kreis darum ziehen. Dann würden 300 Wohnungen wegfallen, weil eine Disco so nah neben Wohnungen nicht erlaubt ist“, heißt es von Immobilienkennern. Die CG Gruppe habe den Betreibern jedoch Ausweichobjekte auf dem Postbahnhof und in Plagwitz angeboten.

Investor überlässt Kulturmeile der Stadt

Obwohl Kultur als Planungsziel in dem mit dem Rathaus verhandelten städtebaulichen Vertrag noch keine Rolle spielte, will der Investor das dem So&So gegenüber liegende denkmalgeschützte lange Backsteingebäude als Kulturmeile in das Wohnprojekt integrieren und dieses auch der Stadt zur eigenen Verfügung überlassen. Über die Zukunft des darin seit vielen Jahren beheimateten TV-Clubs sei man in Gesprächen, eine Weiternutzung des Gebäudes durch den TV-Club bis Ende 2019 sei allerdings auf alle Fälle gesichert. Insgesamt habe die CG Gruppe mit 77 von 80 Nutzern auf dem Gelände des künftigen Wohnstandortes einvernehmliche Lösungen gefunden, hieß es. Strittig seien nur noch die Zukunft eines Schrotthändlers, eines Farbenfachhandels – und des So&So.

Von Klaus Staeubert

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