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Lokales So packen wir das: Die Dannemanns stemmen in ihrer Weiber-WG das Leben weitgehend allein
Leipzig Lokales So packen wir das: Die Dannemanns stemmen in ihrer Weiber-WG das Leben weitgehend allein
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15:31 19.05.2015
Denken gerne positiv: Anett Dannemann und ihre Tochter Hanna, die mit dem Down-Syndrom und Diabetes lebt. Quelle: André Kempner

Vor allem, wenn Besuch dabei ist. "Stimmt's, Friedi?" - "Psst!" Anett Dannemann lacht, während Hanna-"Elfriede" mit den Augen rollt. "Wir sind eine fröhliche, stets positiv denkende kleine Weiber-WG ...", meint die Größere von beiden ohne gezwungen gut gelaunt zu klingen und beendet den Satz: " ...mit verschiedenen Extras im Gepäck." Mit anderen Worten: Die Seehausener Familie lebt damit, dass Hanna nicht nur mit dem Down-Syndrom zur Welt kam, sondern auch mit drei Herzfehlern.

Zwei mal wurde das Mädchen deswegen als Baby operiert, ist heute auf Medikamente angewiesen und anfälliger für Viren und Bakterien als gewöhnlich. Hinzu kommt, dass Hanna seit zwei Jahren Diabetes hat. "Es gibt Schlimmeres", sagt Anett Dannemann, "wir leben eben mehr nach Zeit." Im Zwei-Stunden-Takt misst die Mutter den Blutzuckergehalt ihrer Tochter und spritzt zu bestimmten Zeiten Insulin. "Sie ist tapfer und zum Glück nicht so ein Süßschnabel", feixt Mama Dannemann. Wenn sich das "Extra" Zuckerkrankheit zu Hause allerdings nicht wegen Infekten in den Griff bekommen lässt, verbringt das Damen-Duo die Nacht im Krankenhaus, wo Hanna an den Tropf gehängt wird. An derartige Regelmäßigkeiten hat sich die Familie inzwischen gewöhnt. "Wir leben immer von Herzuntersuchung zu Herzuntersuchung", erklärt Anett Dannemann, "solange dabei alles in Ordnung ist, sind wir zufrieden." Ist die kleine Weiber-WG damit unter sich, gibt es keinen Grund, in Resignation zu versinken. Nur außerhalb kann es manchmal mühsam werden.

"Als Mama mit behinderter Tochter ist es enorm schwierig für mich, eine Festanstellung zu finden", sagt Anett Dannemann. Da Hanna häufig krank ist, würde die Mutter als Angestellte ebenso häufig ausfallen. "Ich kann nachvollziehen, dass das für Arbeitgeber nicht attraktiv ist", meint die gelernte Floristin. Schade sei es zwar, aber kein Anlass aufzugeben. 2011 hat Anett Dannemann ein Kleingewerbe gegründet, damit ihre Leidenschaften zum Beruf gemacht und finanziert sich und Hanna jetzt mit der Näherei von Geschenkartikeln und Fotografie. Durch die Selbstständigkeit bleibt ihr genug Zeit, die Tochter zur Schule zu bringen und auch wieder abzuholen, wenn der Tag an der 68. Oberschule in Gohlis beendet ist. Hanna besucht dort als eines von neun behinderten Mädchen die 5. Klasse, in auch der 15 "normale" Zöglinge sitzen. "Die Kinder profitieren unheimlich davon", so Mutter Dannemann. Neben anderen Eltern seien nicht zuletzt auch die Lehrkräfte beeindruckt, wie selbstverständlich derartige "Extras" bei den Mitschülern ankommen. Wohl auch, weil Anett und Hanna selbstverständlich mit ihrem Leben umgehen. "Für uns ist das ganz normal", schildert die ältere WG-Bewohnerin, "wir können mit Abstrichen alles tun, was wir wollen." So auch auf Reisen oder in Kur zu gehen. Vorzugsweise auf der Insel Usedom.

"Wir lieben beide die Ostsee", betont Anett Dannemann und lässt durchblicken, dass sie selbst nicht abgeneigt wäre, dort auch zu leben. Nur: "Den Antrag kriege ich bei meiner Tochter nicht durch", muss Mama mit einem Grinsen einräumen. "Hanna ist ein Familienmensch." Und der Grund dafür, warum es utopisch ist, Seehausen zu verlassen. Auch wenn die Weiber-WG ihr Leben weitgehend alleine stemmt, finden sich in dem Quartier genügend Verwandte, die im Notfall einspringen können. Die Großeltern Marion und Walter Rother spielen dabei eine wichtige Rolle. Aber nicht ausschließlich. "Ein großer Punkt ist der Cousin ..." Anett Dannemann kommt nicht dazu, den Satz zu beenden. "Nils!", jubelt Hanna dazwischen und der Mutter bleibt nur zu ergänzen " ... der zehnjährige Sohn meiner Schwester." Hannas großer Schwarm, der um die Ecke wohnt und viel zu Besuch ist. "Nils sagt schon, dass er Hanna mit in die Disco nimmt, wenn er groß ist", sagt Anett Dannemann, mit einem Auge auf ihre Tochter linsend. Deren Teenie-Augen glänzen immer noch.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.10.2013
Felix Kretz

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