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"So packen wir das": LVZ-Familienserie zeigt Familie Fritschka

"So packen wir das": LVZ-Familienserie zeigt Familie Fritschka

Die bunte Schuhparade vor der Markkleeberger Dachgeschosswohnung verrät: Hier wohnen drei kleine und zwei große Menschen. Die Fritschkas. Sobald sich die Tür öffnet, offenbart sich quirliges Treiben.

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Arwen, Markus mit Til, Henrike und Enya (von links).

Quelle: André Kempner

Til (2) hat Schwester Arwen (9) das Lieblingspferd gemopst. Er selig, sie sauer. Enya hat sich ein bisschen "zu dick eingedieselt", wie Mutter lächelnd bemerkt. Aber: Die Elfjährige will zur Freundin, ein dufter Duft muss da einfach sein. Henrike (32) und Markus Fritschka (34) haben zu rödeln, ihre Bande wohl zu hüten.

Das Paar hatte sich im Park-Krankenhaus kennengelernt. Sie ist da Ergotherapeutin, er steht dem Patientenservice vor. Seit 2010 leben sie zusammen, bekamen Sohn Til. "Die Mädchen gab's für mich gratis dazu! Wir sind eine Patchworkfamilie", klärt Markus Fritschka augenzwinkernd auf. Dass Henrikes Töchter den Titel "Papa" inzwischen zweimal vergeben haben, legt nahe: Das passt alles schon. Vielleicht auch, weil bei den Fritschkas jeder irgendwie ins alltägliche Räderwerk eingebunden ist - und zugleich ein Stück eigene Persönlichkeit lebt?

Ganz klar, am Anfang stehen die Pflichten. Naturgemäß für die Großen verschärft ausgeprägt. "Früh 5.30 Uhr stehe ich als erste auf, decke den Tisch, von dem sich alle nacheinander bedienen", sagt Mutter Henrike.

Enya braucht mit ihren elf Jahren früh schon etwas länger im Bad. 6.10 Uhr ist aber auch sie frühstücksbereit. Und Til von Mama tagfit gemacht. 6.30 Uhr nehmen Papa und Arwen einen Happen zu sich. 6.35 Uhr: Mutter muss los. Und eine Viertelstunde später Enya, die im Rudolf-Hildebrand-Gymnasium nun die siebente Klasse besucht. 7.15 Uhr befördert der Vater Arwen in die 8. Grundschule nach Dösen und den jüngsten Spross ins drei Kilometer entfernte Gaschwitz zur Kita. "Ein Glück", sagt der Vater, "dass ich nicht mehr Schichtdienst habe, wie noch vor ein paar Jahren - sonst hätten wir ein Problem".

Nachmittags das Ganze retour: Enya kommt 15 Uhr. Mutti Henrike sammelt, von der Arbeit kommend, Arwen und Til ein. Ihr Mann ist gegen Fünf da - Enya mitunter schon wieder weg. Montags und mittwochs spielt sie nämlich Fußball. Bei Eintracht Leipzig Süd. Welche Position? "Sturm", sagt sie, wobei so ein stolzes "Was sonst" mitschwingt. "Und ich mache Leichtathletik!", ruft Arwen dazwischen. Ebenfalls montags und mittwochs nachmittags! "Oh ja", sagt Henrike Fritschka. Das sind so Tage, da müssten sie und ihr Mann sich bei der ganzen Kutschiererei ordentlich aufteilen.

Sie darf gar nicht an den Herbst denken, winkt sie mit nachsichtigem Lächeln ab. "Weil ich noch im Tanzclub vom Markkleeberger Karnevalclub mitmache", erklärt Arwen. "Das geht immer im Herbst los!", meint die Kleine mit einem entwaffnenden Strahlen. Will heißen: Das sollte mir keiner nehmen!

Für die Mädels ist auch Christenlehre in der örtlichen Kirchgemeinde angesagt. Für Arwen Dienstag-, für Enya Freitagnachmittag. Arwen findet das toll, Enya murrt: "Das ist eher für kleine Kinder gemacht." Die Eltern beharren: "Uns ist das wichtig. Was ihr später macht, wird eure Entscheidung sein."

Ein Glücksumstand fügt sich ein ins Großlogistikzentrum Fritschka: Henrikes Eltern. Beide Rentner. Sie wohnen in Dösen, düsen vor allem dienstags herbei, um zu helfen. "Und kommt's mal dicke, springen die Nachbarn ein. Oder Tils Patenonkel, meine Schwester, die Tochter eines Arbeitskollegen - - vernetzt sein ist einfach alles", betont Vater Fritschka.

Ihm ist es übrigens, laut seiner Frau, zu danken, dass in der Familie eine feste, ausgedehnte Abendbrotzeit alle wenigstens einmal am Tag vereint - vor allem sonntags. "Das gab es früher bei uns nicht, hat sich aber als wertvoll erwiesen", sagt Sie. "Die Kinder werden da los, was sie in der Schule bewegt. Manchmal fällt jemandem dann auch noch ein, dass er ja noch Hausaufgaben hat", sagt Er.

Ist das nicht der Fall, ruft anschließend wieder die Pflicht: Arwen hilft beim Tischabräumen, was in einem Fünf-Personen-Haushalt nicht zu unterschätzen ist. Henrike Fritschka zieht mit ihrer Ältesten in die Küche - Geschirrspüler füllen, Essen für den nächsten Tag kochen. Papas Programm: eine Runde spielen mit Til, dann ab mit dem Knirps ins Bett. Doch weil alle so erzählen, was sie tun, mag der Zweijährige nicht nachstehen, spurtet zum Aquarium, fischt das Fischfutter hervor; zählt "eiiinss, swei" Krümelchen ab, lässt sich hochheben - und füttert stolz wie Bolle die Flossenfüßler.

Manchmal besuchen die Mädchen ihren leiblichen Vater und Til hält Markus' Eltern in Cottbus auf Trab. "Da machen wir mal nur zu zweit etwas. Zuletzt war das eine Drei-Tage-Radtour. Bis Zeitz. 220 Kilometer. Das saß in den Waden! Aber herrlich. Das muss ab und an einfach auch mal sein", erzählen die "großen" Fritschkas, "zum Auftanken!".

Angelika Raulien

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.08.2013

Angelika Raulien

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