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So schmuck soll Honeckers frühere Nobelherberge in Leipzig bald sein

Gästehaus am Park So schmuck soll Honeckers frühere Nobelherberge in Leipzig bald sein

Die schlimmste Bauruine im Leipziger Musikviertel soll bald eine moderne Wohnanlage werden. Wenn es nach den heutigen Eigentümern geht, können die Bauarbeiten am früheren „Gästehaus am Park“ noch 2017 beginnen. Wie das Gebäude einmal aussehen soll, zeigen die Entwürfe, die der LVZ vorab vorliegen.

Die beiden Altbauten vom „Gästehaus am Park“ (Mitte und rechts) werden denkmalgerecht saniert und jeweils um ein zurückgesetztes Staffelgeschoss auf dem Dach ergänzt. An der Haydnstraße (links) entsteht ein eher dezenter Neubau.
 

Quelle: Homuth+Partner

Leipzig.  Die schlimmste Bauruine im Musikviertel soll bald eine moderne Wohnanlage werden. Wenn es nach den heutigen Eigentümern geht, können die Bauarbeiten am früheren Gästehaus am Park noch in diesem Jahr beginnen – und 2019 dort endlich wieder neues Leben einziehen.

Geplant sind insgesamt 122 Wohnungen – davon 88 in den beiden denkmalgeschützten Altbauten, erklärte der Leipziger Architekt Peter Homuth gegenüber der LVZ. „Die übrigen 34 Wohnungen entstehen in einem Neubau, der unweit der Ecke Karl-Tauchnitz- und Haydnstraße vorgesehen ist.“ Der Neubau sei extra am Rand des 10 500 Quadratmeter großen Areals verortet worden, um den Blick auf das frühere „Gästehaus des Ministerrates und Politbüros der DDR“ nicht zu verstellen. Auch könnten dadurch mehrere große Bäume an der Karl-Tauchnitz-Straße stehenbleiben. „Die Höhe des Neubaus bleibt deutlich unterhalb der Traufe des vorhandenen Hochhauses an der Schwägrichenstraße“, fuhr Homuth fort. Die zur Geländemitte weisenden Ecken des neuen Siebengeschossers würden abgerundet, damit Passanten eines Tages leichter erkennen können, „was von 1968 und was von 2017 ist.“

So sehen die Entwürfe für den Umbau des "Gästehaus am Park" im Leipziger Musikviertel aus.

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Erbauen ließ das Ensemble gegenüber vom Clara-Zetkin-Park noch DDR-Staatschef Walter Ulbricht. Ab 1971 stieg dort sein Nachfolger Erich Honecker zweimal im Jahr zu den Leipziger Messen ab, ließ sich laut früheren Mitarbeitern gern ein gut gekühltes DAB-Dosenbier und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) servieren. In dem abhörsicheren Keller unter dem Gebäude handelten Honecker und Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß 1983 einen Milliarden-Kredit für die fast bankrotte DDR aus. Strauß erhielt extra eine Suite, die das Möbelkombinat Hellerau in den bajuwarischen Landesfarben Blau und Weiß gestaltet hatte. Die Suite blieb unverändert, bis die Treuhand 1995 das Gästehaus für 20 Millionen D-Mark an die Hamburger Restaurantkette Block verkaufte. Block ließ das Inventar am 15. Juli 1995 versteigern. Seitdem – also 22 Jahre lang – stand alles leer. Immer wieder stiegen Vandalen in die Ruine ein, zerstörten Fenster und Türen und nahmen alles Brauchbare mit.

Erst 2016 konnte die Leipziger Projektentwicklungsgesellschaft EBV Grundbesitz GAP GmbH & Co. KG das Gelände erwerben. Die EBV Grundbesitz GmbH hat unter anderem schon die Globus-Werke in Plagwitz denkmalgerecht herausgeputzt und in eine Wohnanlage verwandelt.

Frühere Eigentümer wollten das Gästehaus abreißen, stattdessen ein riesiges Grandhotel hinsetzen. Dagegen stemmte sich Leipzigs Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) – ebenso wie Architekturkritiker und Denkmalschützer. Um eine wirtschaftliche Sanierung des Ensembles zu ermöglichen, passt die Kommune zurzeit den Bebauungsplan für die Fläche an. Am Donnerstag (7.9.) um 17 Uhr sind alle interessierten Bürger ins Turmzimmer 270 des Neuen Rathauses eingeladen. Dort stellen Vertreter der EBV sowie des Stadtplanungsamtes das Projekt im Detail vor. Es seien ganz normale Wohnungen, keine Luxussanierung geplant, hieß es vorab.

Im Architektur-Gestaltungsbeirat fand der Entwurf des Büros Homuth+Partner bereits Zustimmung. Dazu gehört, dass beiden Altbauten je ein zurückgesetztes, sogenanntes Staffelgeschoss aufgesetzt wird. Die Autos der künftigen Bewohner verschwinden in einer Tiefgarage. Auch die Rekonstruktion eines sechs Meter langen Wand-Reliefs, das von Malerstar Bernhard Heisig stammte, aber fast völlig zerstört wurde, ist in Absprache mit dem Denkmalschutz nun wieder vorgesehen.

Von Jens Rometsch

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