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So war das damals: Das Freibad wurde im Winter zur Eisbahn

So war das damals: Das Freibad wurde im Winter zur Eisbahn

Mein erster Schultag und die Übergabe der Zuckertüte waren im April 1936. Damals waren Schulanfang und -ende noch im April. Ich erinnere mich noch genau an das Kleid, das ich trug.

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Quelle: Privat

Leipzig. Es war aus rotem Waschsamt mit weißem Bubikragen, darüber eine buntgemusterte Schürze mit Flügelärmeln. Meine Haare wurden zu "Affenschaukeln" gekämmt. Im Schulzimmer waren lauter Mädchen und die Lehrerin. Die Zuckertüten lagen auf dem Lehrerpult. Als ich meine dann entgegennehmen durfte, sie war sehr groß und bunt, kam sie mir irgendwie bekannt vor. Die Tüte kam später auf den Schrank im Wohnzimmer, so reichten die Süßigkeiten etwas länger.

Mein Schulweg war eigentlich weit. Aber ich bin ihn allein gegangen, manche Kinder wurden von ihren ängstlichen Müttern gebracht. Aber vermutlich haben mich die Kinder aus unserem Haus mitgenommen. Am Anfang war ich enttäuscht vom Unterricht. Wir durften fürs erste nur Kreise mit dem Bleistift zeichnen, damit die Hand lockerer wurde. Später wurde es dann besser, und ich bin immer gern in die Schule gegangen. Unser Schulgebäude war schön und neu. Es gab dort Handarbeitsräume, eine Küche mit Herden im Keller, ein Kinozimmer und eine große Turnhalle, auf den Fluren gab es kleine Garderobenschränke. 1926 war der Grundstein für diese Schule im Bauhausstil gelegt worden. 1930 erfolgte bereits eine Erweiterung und 1938 wurde ein weiteres Mal angebaut.

Schön war vor allem die Zeit des Neubaus. Gleich hinter dem Kugelhaus, meinem Geburtshaus, entstand um 1935 eine Siedlung für die Arbeiter der Brabag (Braunkohlen-Benzin-AG). In den verlegten Kanalisationsröhren zu spielen, war abenteuerlich und verlangte Mut. Mein Geburtshaus stand übrigens auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutes und hatte über der Toreinfahrt einen Dachreiter, der mit einer Kugel verziert war - daher der Name. Als wir 1936 in den Rittergutsweg umgezogen sind, gab es andere Spiele. Wir hatten jetzt eine Schaukel im Garten mit Reckstange. Dazu kamen die Rollschuhe und die Schlittschuhe. Leider hatten wir zu dritt nur ein Paar und mussten uns immer abwechseln.

Unsere Kleidung war zeitgemäß. Es gab sogenannte Trainingsanzüge, sie bestanden aus einer dunkelblauen, innen angerauhten Pluderhose und einer Jacke. Wenn es schneite, sog sich der Anzug schnell voll, er wurde feucht. Bei Frostgraden bildeten sich kleine Eisklümpchen an den nassen Stellen. Die Pluderhosen waren zum Schlittschuhlaufen eigentlich völlig ungeeignet, die Schlittschuhspitze verhakte sich beim Laufen meist in den Hosenenden. Die Schlittschuhe wurden an die hohen Schnürschuhe geschnallt. Das heißt, sie wurden an die Sohle der Schuhe geschraubt. Der Schlüssel hing an einem Bindfaden um den Hals, er durfte auf keinen Fall verloren gehen. In den ersten Kriegsjahren wurde aus dem Böhlener Schwimmbad eine Eisbahn gemacht, dort lief es sich besonders gut. Oder mein Vater ging mit uns nach Rötha auf das Eis im Schlosspark derer von Einsiedel. Das war dann ein ganz besonderes Erlebnis. Er zeigte uns elegante Sprünge, das Rückwärtslaufen und die "Waage". Ski sind wir auch gefahren, in der gleichen Kleidung. Damals gab es noch keine Spezialausrüstung für Kinder.

Wann diese Vergnügungen ein Ende hatten, kann ich nicht mehr genau sagen. Wahrscheinlich, als ich ungefähr 15 Jahre alt war und der Krieg immer näher kam. Aber den Geruch von fallendem Schnee in glitzernden Kristallen - diesen Duft kann ich mir in meiner Erinnerung immer wieder wachrufen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.09.2014

Rosemarie Barth

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