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Lokales So war das damals in Leipzig - In Trümmern nach Melde gesucht
Leipzig Lokales So war das damals in Leipzig - In Trümmern nach Melde gesucht
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23:30 05.09.2014

Diesmal berichtet Ursula Irma Albrecht:  Ich bin ein typisches Vertriebenenkind. Im Juni/Juli 1945 ist meine Großmutter mit mir und ihrer Tochter zu Fuß von Lodz nach Breslau und von dort mit einem Vertriebenentransport nach Deutschland unterwegs gewesen.

Meine Schulzeit war schwierig. Ich war keine gute Schülerin, hatte Probleme mit der Rechtschreibung. Unsere Klassen waren mit bis zu 40 Kindern mehr als voll. Lehrer haben Großes geleistet, aus uns seelisch geschädigten Kindern ohne Väter lebenstüchtige Menschen zu formen.

Aus meiner dreijährigen Lehrzeit zur Fachverkäuferin gibt es viele Begebenheiten, eine davon möchte ich erzählen. In einer Spätverkaufsstelle waren wir 20 Lehrlinge in unterschiedlichen Lehrjahren. Für uns war der Montag ein Tag, den wir alle gern im Leer- und Papierkeller verbracht haben, um unsere Abenteuer vom Wochenende auszutauschen. Natürlich war das nur von kurzer Dauer, und wir wurden nach oben gebracht und für verschiedene Arbeiten eingeteilt. Mit großem Tatendrang war ich dabei, wenn es hieß, Papier und Pappe mit dem Leiterwagen zum Altstoffhandel zu bringen.

Auf dem Rückweg waren wir dann wieder 14-jährige Kinder, die mit dem Wagen durch die Straßen tobten. Dieser Altstoffladen (wir sagten Lumpenhändler) hatte für mich eine magische Bedeutung. Von dort habe ich meine ersten Bücher mitgebracht, teilweise in altdeutscher Schrift. Es gab einen Berg von Bücher, Schmökern, Veröffentlichungen und anderes. Das erste Buch hatte ich gestohlen, später durfte ich mir ab und zu etwas aussuchen.

Mein Vater spielte mit seinen Arbeitskollegen Lotto. Ich durfte die Lottoscheine sammeln, dafür gab es Punkte und diese (wieder gesammelt) wurden von mir in Bücher eingetauscht. So entstand meine Bibliothek. Bücher haben mich auch in meinem beruflichen Leben begleitet. Ein schönes Buch in der Hand, es anzuschauen, durchzublättern, stichwortähnlich zu lesen, es wegzulegen und doch wieder weiterzulesen - mit keinem anderen Kommunikationsmittel kann man solche Momente erleben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.09.2014

Kasel, Beatrice

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