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So wird Leipzig belüftet

Frischluftschneisen So wird Leipzig belüftet

Damit sommerliche Hitze das Leben in der Stadt nicht unerträglich macht, sind Frischluftkanäle nötig. Die Verwaltung achtet bei der Bauplanung darauf, dass diese Schneisen erhalten bleiben.

Hinter dem Bayerischen Bahnhof soll ein neues Wohngebiet entstehen. Die bestehende Frischluftschneise Richtung Süden soll dabei erhalten bleiben.

Quelle: Armin Kühne

Leipzig. Die Unterschiede sind gewaltig. In innerstädtischen Lagen ist es im Schnitt drei bis vier Grad wärmer als im unbebauten Freiland, weiß Peter Heinz, Leiter der Abteilung Umweltvorsorge im Amt für Umweltschutz. An Hochsommertagen ist die Differenz noch größer: „Zwischen einem versiegelten Platz ohne Bäume in der Stadt und einem Sportplatz oder einer Grünanlage kann es zehn Grad Unterschied geben, wir haben auch schonmal elf Grad gemessen“, erklärt Heinz. „Sie haben zum Beispiel auf dem Augustusplatz, auf dem Markt oder in einer dicht bebauten Straßenschlucht 32 Grad – wenn Sie dann die Neue Linie runter fahren oder in den Clara-Zetkin-Park gehen, gibt es diesen deutlichen Unterschied.“ Als Fußgänger oder Radfahrer merkt man das – besonders stark spüren Schwangere, Ältere oder Kleinkinder die Belastung durch Hitze in der Stadt.

Für das Stadtklima spielt es also eine große Rolle, wie ein Ort gestaltet ist – und ob durch bestimmte Strukturen die Wärmebelastung gemindert werden kann. In der Verwaltung gibt es deshalb eine sogenannte Klimafunktionskarte; sie ist aus einer Untersuchung im Jahr 2010 hervorgegangen. In ihr sind potenzielle Frischluftschneisen verzeichnet – die Experten sprechen von Luftaustauschbahnen. „Man hat sich angeschaut: Wo kann sich eine relevante Luftmasse bewegen? Welche Achsen kommen da in Frage?“, erklärt Peter Heinz. Ebenfalls markiert sind „Kaltluftabflussbahnen“: In höheren Lagen bildet sich kalte Luft, die einen Hang hinunterfließt, weil sie schwerer ist als die warme Luft. In Leipzig gibt es wegen geringer Höhenunterschiede nur wenige solcher Bahnen – für Dresden oder Stuttgart sind diese Strömungen wegen der dortigen Kessellagen relevanter.

Aktuell laufen Untersuchungen zur Bedeutung der Luftaustauschbahnen. Erste Auswertungen liegen zwar vor – es ist aber noch nicht geklärt, welchen Stellenwert die skizzierten Achsen für Leipzig tatsächlich haben. „Ob auf den Luftleitbahnen tatsächlich relevante Luftmassen transportiert werden, wissen wir noch nicht“, so Peter Heinz. „Wir gehen aber davon aus, und wir halten die bei der Stadtentwicklung auch weiterhin frei.“ Beispiel: Bayerischer Bahnhof. In der Mitte soll eine große, 50 Meter breite und grüne Fläche frei bleiben (die LVZ berichtete). Für die selbe Frischluftschneise war im Zusammenhang mit dem Bau der Semmelweisbrücke seinerzeit ein Gutachten angefertigt worden, damit der Luftaustausch berücksichtigt wird, das Bauwerk unter- oder überströmt werden kann.

Die Luftleitbahnen werden also berücksichtigt – auch wenn nicht ganz klar ist, welchen Stellenwert sie tatsächlich haben. Das Thema ist komplex, Peter Heinz kann es trotzdem plastisch machen: „Wenn es richtig heiß ist und kein Lüftchen geht, dann wirkt die Stadt wie eine Heizplatte. Warme Luft steigt auf, es entsteht ein Unterdruck, der kühle Luft aus dem Umland ansaugt. Das sind ganz, ganz schwache und bodennahe Strömungen – sie sind sehr empfindlich gegen Störungen. Wenn ich da eine Bebauung reinsetze oder hohe Bäume und Sträucher pflanze, entstehen Barrieren – und die Strömung bricht ab.“ Darum sind die Luftbahnen auch im Flächennutzungs- und Landschaftsplan enthalten, damit alle Planer Bescheid wissen.

Das große Ziel: gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse in Leipzig. Fest steht aber: Es wird wärmer, es kommen mehr Menschen, die Stadt wird weiter „verdichtet“, wie es Planer sagen. Das bedeutet: Die Stadt würde sich immer weiter erwärmen. Neben dem Erhalt von Luftleitbahnen sollen deshalb innerstädtische Grünanlagen, und Freiflächen der Hitze-Reduktion dienen. Ebenfalls im Programm: das Aufbrechen unnötiger Bodenversiegelungen, mehr grüne Dächer und Fassaden (die LVZ berichtete). „Wir wollen Straßenräume durch Baumpflanzungen aufwerten“, sagt Umweltexperte Heinz. „Gerade da, wo Aufenthaltsräume sind, also an Cafés, Freisitzen oder Haltestellen.“ Das nütze den Bürgern, die dann nicht in der Hitze schmoren müssen. Und: Durch den entstehenden Schatten wärmen sich die Bereiche nicht mehr so stark auf. Diesen Effekt erzielen die Stadtplaner übrigens auch, indem beim Bau auf helle Oberflächen gesetzt wird, die stärker reflektieren anstatt zusätzlich Hitze anzuziehen.

Von Björn Meine

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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