Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Socialcenter für Leipzig: Ehemalige Besetzer finden kein Dach über dem Kopf

Verhandlungen stocken Socialcenter für Leipzig: Ehemalige Besetzer finden kein Dach über dem Kopf

Jung und idealistisch trifft erfahren und etabliert. Romantisch? Kein bisschen. Die Initiative von „Socialcenter4all Leipzig“ sucht seit März ein Dach über dem Kopf – und hatte auf Unterstützung aus dem Rathaus gehofft. Doch die Beziehung steckt in der Krise.

Die Initiative Socialcenter4all Leipzig bei OBM Burkhard Jung. Im März besetzte die Gruppe die ehemalige Führerscheinstelle. Bisher hat sie keine festen Räume gefunden.

Quelle: Knofe / Kempner

Leipzig. Am Anfang war die Hausbesetzung. Dann gab es Kuchen für den OBM Burkhard Jung (SPD), Gespräche mit der Stadt Leipzig, und jetzt ist die Sache irgendwie erkaltet. Mit den Vorschlägen der Kommune konnte die Gruppe „Socialcenter4all Leipzig“ (Sc4a) nichts anfangen. Also sucht die Initiative weiter ein Dach über dem Kopf.

Aber der Reihe nach. Im Oktober 2015 blockierten Studenten die Verlegung von Flüchtlingen aus der HTWK-Turnhalle an der Arno-Nitzsche-Straße nach Heidenau. Dort hatten Rechtsextreme im August tagelang vor einer Flüchtlingsunterkunft randaliert. Aus der spontanen Aktion am HTWK-Gebäude bildete sich die Socialcenter-Bewegung in Leipzig – doch Räume fehlten.

Im März 2016 besetzte die Gruppe, der sich laut SC4a-Team Interessierte zwischen 17 und 50 Jahren angeschlossen hatten, die ehemalige Führerscheinstelle in der Platostraße. Ihre Idee: Raum schaffen für ein selbstverwaltetes Sozialzentrum für alle. Eine Anlaufstelle für Geflüchtete sollte entstehen, aber letztlich mehr als das. Unabhängig von Bildung oder Herkunft sollte sich jeder in ein offenes Plenum beteiligen können. „Jede und jeder kann etwas Einzigartiges einbringen“, sagt Socialcenter-Sprecher Alexander Herzog im Rückblick gegenüber LVZ.de.

Die Hausbesetzer des Social Center for All haben am Montag die ehemalige Führerscheinstelle in der Leipziger Platostraße geräumt. Parallel trafen sie sich zu Gesprächen mit OBM Burkhard Jung. Fotos: Dirk Knofe

Zur Bildergalerie

Doch Besetzung ist Besetzung, und Ordnungsamt und Polizei verhandelten, um die Aktion friedlich zu beenden. Das gelang auch, und im Ergebnis konnten Vertreter von SC4a im Rathaus vorsprechen. Die Delegation brachte Geburtstagskuchen für den OBM mit, der verurteilte die Widerrechtlichkeit der Aktion, mahnte ernsthaftes Engagement und eine verlässliche Struktur des Projekts an. Die SC4a-Initiatoren verbuchten es als Erfolg, „mit dem OBM einer 600.000-Einwohner-Stadt“ ein Gespräch führen zu können.

Vorschläge abgelehnt

Danach stockten die Verhandlungen allerdings, und woran das liegt – da hat jeder seine eigene Perspektive. Aus Sicht der Stadt ist die Geschichte schnell erzählt: Nach dem Besuch bei Jung habe es Gespräche mit einem Vertreter des Amts für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung sowie einem Vertreter des Vereins Haushalten e.V. gegeben, teilte Stadtsprecher Mathias Hasberg auf Anfrage mit. Die Idee sei gewesen, den Besetzern ein Wächterhaus anzubieten. „Leider stehen geeignete Objekte momentan nicht zur Verfügung“, so die Stadt.

Auch ein weiteres Gespräch zwischen Vertretern des Amts für Stadterneuerung und der Socialcenter-Gruppe sei ergebnislos geblieben, so die Verwaltung weiter.  Die Kommune habe kürzlich einen weiteren Vorstoß gemacht und angeboten, dass sich die Gruppe bei der Nachnutzung der Feuerwache Ost einbringen könne. „Dieser Vorschlag wurde leider abgelehnt“, heißt es weiter.

Aus Sicht der SC4a-Gruppe wurden die Verhandlungen von der Stadt ohne Begründung abgebrochen, betont Alexander Herzog gegenüber LVZ.de. Dabei habe es klare Arbeitsaufträge für beide Seiten gegeben. Wie von Jung gefordert, habe das Projekt die Gründung eines gemeinnützigen Vereins vorbereitet. „Aber ob wir das jetzt noch durchziehen, weiß ich nicht“, sagt Herzog. Die Notwendigkeit fehle nun einfach.

Für die Feuerwache stehe außerdem schon sehr klar das Konzept als Nachbarschaftstreff, erklärt Herzog. „Es erscheint uns respektlos, in einen seit langem mühevoll organisierten Beteiligungs- und Konzeptfindungsprozess einer anderen Initiative reinzugrätschen“. Die Stadt zeige mit dem Vorschlag einen Mangel an Respekt und Verständnis für eigenverantwortliche Projekte.

Flüchtlingsheim nicht geeignet?

Herzog berichtet von weiteren Vorschlägen der Stadt, die sich für die Socialcenter-Idee nicht geeignet hätten. Intensiv habe sich das SC4a-Plenum zum Beispiel mit dem Vorschlag beschäftigt, in eine zukünftige Flüchtlingsunterkunft im Leipziger Westen zu ziehen. Ergebnis: Abgelehnt. „Wir wären zwar direkt an einer Zielgruppe dran gewesen – hätten aber vielleicht viele andere Menschen ausgeschlossen“, so die Überlegung der Initiatoren. Auch für das Thema Offenheit und Selbstverwaltung, so fürchten die SC4a-Leute, wäre ein abgeschottetes Flüchtlingsheim nicht der richtige Ort.

Mit der Stadt herrsche derzeit wieder Funkstille. In der Socialcenter-Gruppe mache sich das Gefühl breit, dass man von der Verwaltung doch nicht ernst genommen werde.

Tingeln und weitermachen

Trotzdem will die Initiative nicht aufgeben. „Die Zeit hat uns gezeigt, dass wir sehr wohl im Geiste von SC4a weiter arbeiten können“, so Herzog. Am Anfang sei die Fluktuation unter den Leuten, die zu den offenen Versammlungen kamen, hoch gewesen. Jetzt gebe es einen festen Kern von bis zu zwanzig Interessierten, die sich wöchentlich treffen. „Wir haben uns weiter vernetzt, etwa bei der Global Space Odyssee mitgemacht oder Straßendialoge im Süden oder auf dem Augustusplatz organisiert“, schildert er.

Bisher tingelt die SC4a quasi durch die Stadt und hält ihre Plena in offenen Räumen statt, „im Westen, im Osten, im Conne Island“, zählt Herzog auf. Machbar, aber nicht schön. Das Ziel sei weiterhin, ein Dach über dem Kopf für das Socialcenter Leipzig zu bekommen.

Von Evelyn ter Vehn

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales

Wir verlosen 10x2 Tickets für den Kammermusikabend am 26. Oktober 2016 im Gewandhaus. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr

  • Belantis - Infos und Events
    Belantis - Infos und Events

    Belantis - das AbenteuerReich im Herzen Mitteldeutschlands. Hier gibt es Neuigkeiten und alle Infos zu den Events! mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und weitere asisi-Projekte in Dresden, Berlin und anderen Städ... mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • LVZ Automarkt

    Vom 8. bis 10. September 2016 lud die LVZ zum großen Automarkt in den Pösna Park bei Leipzig ein. Fotos und Infos dazu gibt es im Special. mehr

Der neue Multimedia-Blog der Leipziger Volkszeitung bietet spannende Geschichten aus Leipzig und Sachsen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr