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Sommer-Kleinmesse: Leipziger Schausteller kämpfen gegen Besucherschwund

Am Cottaweg Sommer-Kleinmesse: Leipziger Schausteller kämpfen gegen Besucherschwund

Dreimal im Jahr findet die Leipziger Kleinmesse statt. Schausteller und Gäste trotzen auf der bis zum 13. August geöffneten Sommermesse den rückläufigen Besucherzahlen und aktuell hohen Temperaturen. LVZ.de sprach mit Betreibern und Besuchern.

Zwei Autoscooter stehen den Besuchern der Sommer-Kleinmesse am Cottaweg zur Auswahl.
 

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig.  Ob Frühling, Sommer oder Herbst: Die Leipziger Kleinmesse gehört zur Stadt wie die Buchmesse und das Wave-Gotik-Treffen. Trotz drückender Wärme und Alternativen wie Vergnügungsparks kommen viele Stammgäste jedes Jahr an den Cottaweg. Auch Schausteller lassen sich von rückläufigen Besucherzahlen und gestiegenen Anforderungen des TÜVs nicht davon abbringen, ihre Karussells auf der Sommer-Kleinmesse aufzubauen.

An der kreisrunden Vergnügungsmeile reihen sich bis 13. August täglich ab 14 Uhr rund 50 Fahrgeschäfte, Gastro-Stände, Los- und Schießbuden. Darunter „ein Twister, eine Berg- und Talbahn, Schießbuden, Ballwerfen, Fadenziehen und eine Geisterbahn“, zählt Jürgen Seiferth, Vorsitzender des Leipziger Schaustellervereins, auf. Seiferths persönliches Highlight ist die „Juke Box“. „Sie ist seit langem mal wieder in Leipzig.“ Der Glasirrgarten feiere auf der Sommer-Kleinmesse sein 50. Jubiläum, erzählt er. Der Schaustellerverein habe ihn speziell aus diesem Anlass gebucht.

„Schausteller wird es immer geben“

Etwas zu heiß sei es aktuell für die Sommermesse, findet der Vereinschef. Das bemerkt auch Dieter Hadlok vom Kinderkarussell „Babyflug“. Bei diesen Temperaturen „gehen die Leute lieber baden“, sagt er. Hadlok kann das verstehen. Er würde es auch so machen, müsste er nicht arbeiten. Seit 1976 ist er im Geschäft, hatte große Fahrgeschäfte wie Autoscooter oder Breakdancer. Da er auf die Rente zugeht, möchte er sich aber verkleinern und betreibt auf der Sommermesse ein Kinderkarussell. „Schausteller wird es immer geben“, ist sich der 64-Jährige sicher – aber es werde von Jahr zu Jahr schwieriger. Erst am Abend – gegen 19 bis 20 Uhr – werde der Platz voller, berichtet Hadlok aus seiner langjährigen Erfahrung. Schausteller zu sein, heiße in den Tagen der Kleinmesse viel Arbeit. „Das sieht jetzt nicht so aus“, aber das Auf- und Abbauen, die Wartung – das alles müsse auch erledigt werden. Zumal die Auflagen und die Anforderungen des TÜVs weiter steigen. Hadlok findet: „Fahrgeschäft zu fahren, ist sicherer als Zugfahren.“

Noch bis zum 13. August laden rund 50 Fahrgeschäfte, Gastro-Stände, Los- und Schießbuden auf die Sommer-Kleinmesse am Cottaweg zum Besuch ein.

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„Wir hängen an dem Beruf. Wir können nicht ohne“, sagt Enrico Volklandt, „sonst würden wir es nicht mehr machen.“ Insgesamt 20 Fahrgeschäfte betreibt er. Mit einem kleinen Teil davon ist der Zwenkauer auf der Sommer-Kleinmesse. Zusammen mit seinem Enkel Oscar sitzt er im Kassiererhäuschen der Berg- und Talbahn „Hardrock Express“. Die Schlange reicht bis zur unteren Treppenstufe. Das Kassieren geht dennoch schnell. Enkel Oscar hilft; gibt das Wechselgeld heraus, während sein Opa die Ansagen ins Mikrofon spricht. Oscar ist bereits die sechste Generation des Schausteller-Familienbetriebs und „wird gerade angelernt“, sagt Volklandt und schmunzelt.

Jürgen Seiferth spüre zwar einen Besucherschwund, eine Gefahr für das Schaustellergewerbe sehe er aber dadurch nicht. Auch eine Konkurrenzsituation zu Vergnügungsparks besteht für den 61-Jährigen nicht. „Dort herrscht eine ganz andere Atmosphäre“, sagt Seiferth.„Vergnügungsparks werden anders betrieben.“ Das beginne bei der Musik und höre bei den Lautsprecherdurchsagen auf. „Wir sind auch überhaupt nicht böse, dass es sie gibt“, sagt Seiferth.

Das sehen Stammgäste wie Sandra und Sophie Nietz, die mit Oma Martina Förster und Maximilian Schimmelpfennig jedes Jahr auf die Kleinmesse kommen, ähnlich. Ob Frühjahrs-, Sommer- oder Herbst-Kleinmesse, Mutter und Tochter treibt es an die Vergnügungsmeile. Sandra und Sophie Nietz haben gerade eine Fahrt mit der „Juke Box“ hinter sich, die Mutter Sandra etwas mehr zusetzte als ihrer Tochter. „Viele Fahrgeschäfte wie das Kettenkarussell fehlen“, sagt Martina Förster, während der künstliche Nebel des Fahrgeschäfts langsam verzieht. Sie findet, die Sommermesse sei eher für die jüngeren Gäste geeignet. An der Losbude waren die Vier auch schon. Dort hat Tageskind Maximilian ein Modell eines Propellerflugzeuges gewonnen.

Etwas mitgenommen steigen Birgit und Tochter Caro aus der Berg- und Talbahn. „Es war super“, berichten die beiden Leipzigerinnen. „Ein wenig zu schnell“, sagt Mutter Birgit. Das Fahrgeschäft war ihre erste Station auf der Sommer-Kleinmesse. „Wir haben gerade erst angefangen“, berichtet die Leipzigerin. In der letzten Ferienwoche haben Mutter und Tochter einen Familienausflug mit Oma und Opa unternommen, die bereits an den nächsten Stand vorgegangen sind.

Mehr Sicherheitskräfte auf der Sommer-Kleinmesse

Ein Hindernis für Gäste, auf die Kleinmesse zu kommen, sieht Seiferth derzeit im allgemeinen Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Ereignisse wie die Messerattacke in Hamburg „verunsichern die Volksfestgänger und nehmen ihnen die Vergnügungslust“, vermutet er. Ab einer gewissen Uhrzeit trauten sich Großeltern mit ihren Enkeln nicht mehr heraus. Die Leipziger Kleinmesse sei aber seiner Ansicht nach sicher. Der Verein habe dieses Jahr mehr Sicherheitskräfte engagiert. Das koste zwar auch mehr, am Fahrpreis wollen die Schausteller jedoch nichts ändern.

An jedem Freitag gehen die Schausteller sogar an die preisliche Schmerzgrenze. Denn dann sei auf der seit 110 Jahren bestehenden Leipziger Kleinmesse Ladies-Night, sagt Seiferth. „Ab 19 Uhr können Frauen und die, die so aussehen, für einen Euro mit allen Fahr- und Laufgeschäften fahren“, verspricht der Veranstalter. „Wir wollen den Damen auch einmal Danke sagen.“ Denn wenn es den Gästen gut gehe und sie am Ende sagen: „Huh, das war super“, dann gehe es auch ihm gut. „Ich bin als Schausteller geboren und werde als Schausteller sterben“, sagt Seiferth. Für ihn steht fest: „Ich arbeite bis zu meinem 85. Geburtstag – ab dann nur noch halbtags.“

Von Mathias Schönknecht

Leipzig, Am Kleinmesseplatz 5 51.340572 12.342989
Leipzig, Am Kleinmesseplatz 5
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