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Lokales Sonderschau mit Zinnfiguren zum Heerwesen im Dreißigjährigen Krieg
Leipzig Lokales Sonderschau mit Zinnfiguren zum Heerwesen im Dreißigjährigen Krieg
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06:04 10.08.2018
Direkt vom Feld wurden Bauern für den Soldatendienst geworben. Das zeigt die Zinnfiguren-Ausstellung rund ums Heerwesen im Dreißigjährigen Krieg " im Torhaus Dölitz. Quelle: Fotos: André Kempner
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Leipzig

Ein Offizier bot einem Bauern Geld für seinen Sohn. Oft wenig zimperlich und mit viel Brimborium wurden die Soldaten rekrutiert. Die Aussicht auf eine reiche Beute und die Chance, später eine eigene Familie gründen zu können, ließ vielen keine Wahl. Auch das gehört zum Dreißigjährigen Krieg, dem das Torhaus Dölitz eine eigene Ausstellung widmet.

Geschichtsstunde mit Zinnfiguren

Dabei gibt es Geschichtsstunde selbstverständlich mit Zinnfiguren. „Streit um Glauben und Macht“ ist die Sonderschau rund ums Heerwesen im Dreißigjährigen Krieg überschrieben. Die Zinnfigurenfreunde haben viele Figuren für die Schau neu angefertigt oder Dioramen aufgearbeitet.

Erläutert wird, wie das Heerwesen eigentlich funktionierte, wie die Taktiken aussahen, wie die Soldaten ausgerüstet waren, wie das Alltagsleben aussah. So trifft der Betrachter auch auf Szenen wie ein Trinkgelage in der Taverne, bei dem wenig bekleidete Damen auf dem Tisch tanzen, auf ein Offiziersfest oder die Gerichtsbarkeit.

Infanteriefahnen sind farbenfroh

Dabei geht es in den Dioramen und dargestellten Szenen des Dreißigjährigen Krieges, der als dunkles Kapitel in die Geschichte einging, auf den ersten Blick durchaus farbenfroh zu. Das liegt an detailreichen Zinnfiguren, durchaus bunten Infanteriefahnen der zahlreich beteiligten Fürstentümer und Grafschaften. Auch in der Kleidung der Söldner gibt es eine große Vielfalt. „Es gab noch keine Uniformen, wie wir sie heute im Militär kennen. Die kamen erst im 18. Jahrhundert auf“, erklärt Michél Kothe, der Geschäftsführer des Verbandes Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813, der das Torhaus in der Helenenstraße betreibt. Der Berufsstand eines Soldaten sei erst langsam entstanden. „Die Ausstellung ist im Verbund mit anderen Häusern in Nordsachsen zu sehen. Deshalb haben wir uns auf die Ereignisse in Lützen, Breitenfeld und Leipzig konzentriert.“

Der Dreißigjährige Krieg ist bekanntlich als Religionskrieg nach der Reformation um die „richtige“ Interpretation des Christentums ausgelöst worden. Es geht aber auch um politische Macht und Landbesitz. So mancher Kriegsherr wittert Geschäfte und agiert wie ein Unternehmer, indem er seine Soldaten den Fürsten gegen Titel, Ländereien und Geld anbietet. Dafür steht auch Wallenstein exemplarisch, der im Februar 1634 ermordet wurde.

Schlacht bei Lützen ist prägendes Element

Prägendes Element der Schau ist die Schlacht bei Lützen mit ihren äußerst blutigen Kämpfen im November 1632. Ein Diorama zeigt den Schwedischen König Gustav Adolf II. bei einem Gebet vor der Kampfhandlung ebenso wie seinen Leichenzug. Ein weiteres Diorama thematisiert die Belagerung einer Stadt – dabei wird allerdings auf Magdeburg geschaut, was nahezu vollständig zerstört wurde. Später hat sich für so eine Zerstörung sogar der Begriff „magdeburgisieren“ als geflügeltes Wort eingebürgert.

Historische Zinnfiguren sind ebenso zu sehen

Zu sehen sind in der sehenswerten Schau auch historische Zinnfiguren, die selbst über 100 Jahre alt sind. „Sie sind viel einfacher gestaltet und bemalt.“ So ist beispielsweise der Prager Fenstersturz zu sehen, der ja den dreißig Jahre andauernden Krieg entfesselte.

Das Zinnfigurenmuseum, Helenenstraße 24, ist Mittwoch, Sonnabend und Sonntag, am letzten Ferientag in Sachsen auch an diesem Freitag, von 10 bis 17 Uhr, geöffnet; Eintritt fünf, ermäßigt drei Euro; Kinder bis vier Jahre frei.

Von Mathias Orbeck

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