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Sonderschau wagt Blick auf 500 Jahre Flugblatt – von Luther bis heute

Deutschen Buch- und Schriftmuseum Sonderschau wagt Blick auf 500 Jahre Flugblatt – von Luther bis heute

Zum Auftakt des Reformationsjahres 2017 erlaubt sich das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek einen etwas schrägen Blick auf das Thema Reformation. Die Ausstellung „Sensation – Propaganda – Widerstand. 500 Jahre Flugblatt: von Luther bis heute“ erzählt eine kurze Geschichte des Flugblattes.

Bettina Rüdiger (links) und Julia Rinck haben die Ausstellung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum vorbereitet.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Wir schauen auf den furiosen Medienmenschen Luther. Er hat es geschafft, neueste Medieninnovationen – also damals den Buchdruck mit beweglichen Lettern – vollständig für seine Zwecke zu nutzen. Luther hat die Potenziale des Buchdruckes quasi wach geküsst“, sagt Stephanie Jacobs, die Leiterin des Museums. Ohne das Medium Flugblatt, das damals seine erste große Konjunktur erlebte, hätte Luther wohl nie eine der zentralen Figuren des neuzeitlichen Europa werden können.

Die Geschichte des Flugblattes ist aber älter als Luther, was einige frühe Sensationsmeldungen über Monster und Missgeburten verdeutlichen. „Das anatomische Flugblatt hing beispielsweise bei Badern und Wundärzten, die auf ihre Dienste hinweisen wollten“, erläutert Kuratorin Bettina Rüdiger. Aber auch Schausteller kündigten ihr Kommen an – was heute wohl über diverse Plakate erfolgen würde. Dabei sind viele Einblattdrucke mit künstlerischem Anspruch. Massenmedium ist das Flugblatt freilich erst im 19. Jahrhundert geworden. Deshalb werden als „kleine Technik des Aufbegehrens“ auch etliche Druckapparate vorgestellt. „Der Experimentierwille, wie man auch farbige Flugblätter herstellen kann, explodierte nahezu“, erklärt Jacobs. Auch Patentschriften entwickelten sich zu jener Zeit – die Gesetzgebung von 1873 sollte die Erfindungen schützen.

Seit Jahrhunderten sorgt das Flugblatt für gesellschaftlichen Zündstoff und spart mit markiger Wortwahl bis heute keine Beschimpfungen aus. Mönchkalb und Papstesel sind im Glaubensstreit der Reformation ein Beispiel dafür. Es funktioniert aber auch bei Propaganda und Widerstand im Krieg. So gibt es ein Klopapier mit dem Konterfei Hitlers und der Aufschrift „Diese Seite benützen“, die der amerikanische Geheimdienst 1943 abwarf. Gezeigt wird ebenfalls eine Propagandarakete, in die 250 gerollte Blätter passten. Die konnten zielgenau an der Frontlinie platziert werden.

Auch Proteste werden thematisiert, etwa die Beat-Demo vom 31. Oktober 1965 auf dem Leipziger Wilhelm-Leuscher-Platz – entsprechende Zettel wurden vorher mit einem Stempelspiel gedruckt. Der Protest der Kommune 1 in Westberlin, der außerparlamentarischen Opposition der Studentenbewegung, gegen den Besuch des Schahs von Persien im Juni 1967, die mit der Ermordung von Benno Ohnesorg endete, taucht ebenfalls auf. Auch dafür wurden Flugblätter sowie Tüten, um den Kopf zu verdecken, produziert. Nicht ausgespart bleibt das fliegende Blatt in der Friedlichen Revolution 1989, in der beispielsweise auf einer umfunktionierten Wäschemangel gedruckt wurde. „Wir möchten auch zeigen, dass das Flugblatt in unserer digitalen Welt noch existiert. Bei Demonstrationen ebenso wie in der Werbung“, erklärt Jacobs. Als Beispiel wird gezeigt, wie in Syrien ein zur Aufklärung über den sogenannten Islamischen Staat abgeworfenes Flugblatt aussieht, welcher Bildersprache es sich bemächtigt. „Unsere Ausstellung nimmt ihren Anfang zwar bei Luther, verankert das Thema Flugblatt aber im Wandel der Zeiten.“

Die Sonderschau „Sensation – Propaganda – Widerstand. 500 Jahre Flugblatt: von Luther bis heute“ hat bis 23. Juli 2017 jeweils Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr geöffnet. Montags ist geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Von Mathias Orbeck

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