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„Sonnenwinkel“-Wirtin: „Man hat mich monatelang hingehalten“

Traditionslokal in Leipzig „Sonnenwinkel“-Wirtin: „Man hat mich monatelang hingehalten“

Nachdem Anfang dieser Woche das Aus für die Stötteritzer Traditionsgaststätte „Sonnenwinkel“ besiegelt wurde (die LVZ berichtete), bleibt Wirtin Kristin Barthel (30) auf einem Schuldenberg sitzen. Am 6. November 2015 legte ein Brandstifter ihr Lokal in Schutt und Asche. Jetzt spricht sie erstmals über die bitteren Enttäuschungen beim Kampf um den Wiederaufbau.

Abgebrannt: Wirtin Kristin Barthel auf dem Areal, wo im November 2015 ihre Gaststätte „Sonnenwinkel“ in Flammen aufging.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Nachdem Anfang dieser Woche das Aus für die Stötteritzer Traditionsgaststätte „Sonnenwinkel“ besiegelt wurde (die LVZ berichtete), bleibt Wirtin Kristin Barthel (30) auf einem Schuldenberg sitzen. Am 6. November 2015 legte ein Brandstifter ihr Lokal in Schutt und Asche. Jetzt spricht sie erstmals über die bitteren Enttäuschungen beim Kampf um den Wiederaufbau.

Sie haben per E-Mail vom Ende Ihres Lokals „Sonnenwinkel“ und der Kündigung des Mietvertrages erfahren?

Ja, demnach entschied der Siedlungsverein am 23. Mai dass aufgrund der von der Stadt vorgegebenen Rahmenbedingungen zur Erbpacht kein Wiederaufbau der Gaststätte möglich ist. Ein jährlicher Aufwand von 15.000 bis 19.000 Euro über die 50 Jahre Laufzeit des Erbpachtvertrags sei für die Siedlung beim derzeitigen Mietvertrag nicht möglich. Aber die Verhandlungen zwischen Stadt und Verein über einen neuen Pachtvertrag müssen schon gelaufen sein, als ich damals meinen Vertrag unterschrieben habe.

Wann war das?

Im Juli 2014. Der Vertrag beläuft sich auf zehn Jahre mit fünf Jahre festem Mietzins. Schon damals hat man mir gesagt, dass die Stadt das Grundstück zum Kauf anbietet, ob ich es nicht kaufen wolle. Aber das hätte mich über 500.000 Euro gekostet – das kann ich mir nicht leisten. Erst am 6. November 2015 – ausgerechnet an dem Tag, als das Lokal abbrannte – war um 10 Uhr die Versammlung geplant, bei der auch der neue Pachtvertrag vorliegen sollte. Das Ganze ist schon eigenartig.

Dem vorliegenden Schriftverkehr zufolge hat ein Sachverständiger die Kosten für den Wiederaufbau der Gaststätte für die Siedlung auf 400.000 Euro geschätzt. Und: Sofern sich kein Unternehmer für den Erbpachtvertrag findet, würde die Stadt die Grundstücke auch für Einfamilienhäuser ausschreiben – was fast doppelte Einnahmen bringen würde. Waren die Chancen für ein Comeback des „Sonnenwinkel“ nicht von vornherein gering?

Wenn man mir gleich gesagt hätte, dass es keinen Wiederaufbau geben wird, hätte ich mich längst neu orientieren können. Aber man hat mich monatelang hingehalten, mich bei Gesprächsterminen außen vor gelassen. Stattdessen ging es darum, dass ich auf dem Grundstück Rasen mähen soll oder um eine offene Müllrechnung von 1500 Euro, obwohl bekannt war, dass ich noch kein Geld von der Versicherung bekommen habe. Da geht es um eine fünfstellige Summe plus einen Kredit in einem ähnlichen Umfang. Unterdessen hat mir der Siedlerverein, der die Gebäudeversicherung hat, mitgeteilt, dass die Mitglieder sofort großzügig entschädigt werden.

Das Verhältnis zwischen Verein und Ihnen ist offenbar deutlich abgekühlt?

Leider, ja. Vor dem Brand haben wir uns wirklich gut verstanden. Deshalb kann ich diese Kehrtwende überhaupt nicht verstehen.

Was ist mit Ihren Angestellten?

Durch die Versicherung konnte ich bis 31. März zwei Köche beschäftigen, weil es heutzutage schwer ist, neue Köche zu finden. Jetzt habe ich nur noch einen und auch ihm muss ich nun kündigen.

Wie geht es für Sie weiter?

Ich arbeite auf 450-Euro-Basis in einem Hotel. Aber ich bin nach wie vor auf der Suche nach einem passenden Objekt, um wieder eine Gaststätte übernehmen zu können.

Haben Sie denn noch Hoffnung?

Ich habe mich ja schon nach neuen Gaststätten umgesehen, aber konnte wegen des bestehenden Pachtvertrags nichts unterschreiben. Nach dem LVZ-Artikel in dieser Woche gab es weitere Angebote.

Von Frank Döring

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