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Spätfolgen des Aubis-Immobilienskandals: 865 Wohnungen in Leipzig-Grünau verkauft

Spätfolgen des Aubis-Immobilienskandals: 865 Wohnungen in Leipzig-Grünau verkauft

Als Spätfolge des einstigen Aubis-Skandals wurden jetzt 865 Wohnungen in Grünau verkauft. Das bestätigte der bisherige Eigentümer, die dem Land Berlin gehörende Firma Berlinovo, auf LVZ-Anfrage.

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Auch diese Häuser in der Brackestraße und Seffnerstraße – nahe des Kulkwitzer Sees – wechselten jetzt den Eigentümer.

Quelle: Christian Modla

Im Rahmen einer Paketveräußerung von 13.300 Wohnungen in 35 Städten hätten auch die Bestände in den Ortsteilen Lausen-Grünau und Grünau-Mitte zum 1. Dezember den Besitzer gewechselt, so Berlinovo-Sprecher Ulrich Kaliner. Neuer Eigentümer sei die ebenfalls in Berlin ansässige Westgrund AG.

Das jetzige Geschäft hat eine lange Vorgeschichte. 1995 verkaufte die kommunale Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) fast 5000 Grünauer Wohnungen an zwei Berliner CDU-Politiker. Klaus Wienhold und Christian Neuling, die Chefs der Firma Aubis, hatten bis dahin keine nennenswerten Erfahrungen mit Immobilien. Sie erhielten von der halbstaatlichen Bank BerlinHyp aber Kredite für den Kaufpreis von 171 Millionen D-Mark. Vorstandschef der BerlinHyp war seinerzeit der CDU-Politiker Klaus-Rüdiger Landowsky. Aubis erhielt von ihr insgesamt 650 Millionen D-Mark, mit denen weitere Plattenbauten in ganz Ostdeutschland erworben wurden. Schon 1997 trat Aubis wegen erster finanzieller Probleme jedoch 4000 Wohnungen an eine Immobilien-Tochter der zwischenzeitlich fusionierten Bankgesellschaft Berlin ab. Hierzu gehörten auch die 865 Wohnungen in Grünau.

Letztere wurden fortan unter verschiedenen Firmennamen (Bavaria, IBG, BIH und schließlich Berlinovo) gemeinsam mit 37.000 anderen Wohnungen verwaltet. Laut Sprecher Kaliner war der Grund für das aktuelle Geschäft, dass sich Berlinovo "von ihren außerhalb Berlins gelegenen Beständen trennt, um sich auf die Berliner Immobilien zu konzentrieren". Zum Kaufpreis des Pakets sei Stillschweigen vereinbart worden.

2001 war herausgekommen, dass der in Leipzig auch als Ex-Präsident des Fußballklubs FC Sachsen bekannte Wienhold illegale Parteispenden an den Berliner Banker und CDU-Schatzmeister Landowsky gezahlt hatte. Dies löste den Berliner Bankenskandal aus, in dessen Folge erhebliche Verluste nicht nur bei Aubis, sondern auch bei etlichen Immobilien-Fonds der Bankgesellschaft zutage traten. Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) verlor sein Amt. Die Hauptstadt musste mehrere Milliarden Euro zum Schadensausgleich aufbringen.

Im Zuge der Aufarbeitung des Skandals wurden bereits 2007 weitere 4018 Aubis-Wohnungen in Grünau an einen Schweizer Fonds verkauft. Diesen unterhält die Familie Aegerter mit Sitz in Zürich. Kopf der Gesellschaft ist Daniel Aegerter, welcher durch seine Softwarefirma Ariba zu Vermögen kam. Die 30 Häuserblöcke an der Ringstraße sowie im Wohnkomplex (WK) 7 werden seither recht erfolgreich durch die Hausverwaltung Gutburg Mieterservice betreut.

Bei Westgrund handelt es sich um eine 1990 in Nordrhein-Westfalen gegründete private Aktiengesellschaft. Sie habe ihre Wohnungsbestände durch das Berlinovo-Paket verdreifacht, sehe sich als langfristigen Bestandshalter, sagte Finanzvorstand Sascha Giest gegenüber der LVZ. "Wir haben die Häuser für einen guten Preis gekauft , können sie daher nun vernünftig bewirtschaften." Befürchtungen von Bewohnern aus der Bracke- und Seffnerstraße, dass nun die Mieten steigen, könne er entkräften. "Wir sind ein ganz friedlicher Vermieter. Wir stehen nicht unter Druck, die Erträge durch Mietsteigerungen zu erhöhen." Vielmehr wolle Westgrund die Leerstände in den oftmals nahe dem Kulkwitzer See befindlichen Häusern durch kleine Verbesserungen ab 2015 verringern. "Wir planen keine Luxussanierungen oder größere Veränderungen", sagte Giest. Für die Bewohner änderten sich nur die Ansprechpartner, ihre Hausverwaltung sei künftig die Firma Peloton.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.12.2014.

Jens Rometsch

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