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Lokales Sparkasse Leipzig verärgert Kunden
Leipzig Lokales Sparkasse Leipzig verärgert Kunden
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00:18 06.02.2017
So soll das Netz ab Januar 2018 aussehen. Die geschlossenen Filialen Karl-Liebknecht-Straße 14, Plovdiver Straße und Holzhausen werden SB-Center. Quelle: Grafik: Patrick Moye, Sparkasse
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Leipzig

Der Sparkasse Leipzig bläst der Wind ins Gesicht: Kunden protestieren gegen die zum Jahresende geplante Schließung von Filialen und den Abbau von Geldautomaten (die LVZ berichtete). Die Pläne würden vor allem zu Lasten älterer Kunden gehen und die Bargeldversorgung in Stadtvierteln erschweren. Das Kreditinstitut widerspricht.

„Die Sparkasse schließt viele Ältere vom Service aus – das hat nichts mehr mit Generationengerechtigkeit zu tun“, macht Konrad Riedel seinem Ärger Luft. Als Beispiel führt der CDU-Stadtrat und Vorsitzende der Leipziger Senioren-Union einen Hilferuf aus dem Seniorenheim Am Sonnenwinkel in Probstheida an. Dort wohnen über hundert Senioren, in den umliegenden Siedlungshäusern lebt auch ein hoher Anteil betagter Bürger, die teilweise mit Essen aus der Seniorenanlage versorgt werden. Ihr Geldautomat in der Franzosenallee steht auf der Liste der Servicestellen, die die Sparkasse stilllegen will. „Das bedeutet für viele ältere Mitmenschen den Ausschluss vom leichten Zugang zu ihrem Bargeld“, schildert Riedel.

Das Kreditinstitut nennt die Kritik „nachvollziehbar“. Für die Senioren aus dem Sonnenwinkel sei die nächstgelegene Filiale mit SB-Technik 1000 Meter entfernt. Sparkassen-Mitarbeiter würden dies demnächst in dem Seniorenwohnheim erläutern, heißt es.

„Leipzig wirbt mit seinen Standortvorteilen um Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Tourismus und schränkt sich nunmehr mit einer so wichtigen Serviceleistung ein“, schreibt Wolfgang Börner an die LVZ. Der aufstrebende Stadtteil Grünau mit einem guten Mischverhältnis von Alt und Jung sei gleich mit zwei Standort-Schließungen betroffen. Wie berichtet, soll dort die Filiale in der Alten Salzstraße geschlossen sowie die in der Plovdiver Straße in einen SB-Standort umgewandelt werden. Die SB-Center Selliner Straße und Zschochersche Allee machen dicht. „Ob die ältere Generation die Handy-, Tablet- und Computermöglichkeiten für Bankgeschäfte annimmt, ist zu bezweifeln“, sagt Börner. „Aus wirtschaftlicher Sicht ist Sparen bei der Sparkasse schon in Ordnung, aber hätte es hier keine anderen Ansätze gegeben?“ Er hofft, dass sich auch Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) dem Protest der Grünauer SPD gegen die Schließungen anschließt.

LVZ-Leser Klaus Reimer nennt die Grünauer Änderungen sogar eine „Schande“. Reimer: „So macht man den Stadtteil systematisch unattraktiv und nimmt ihm die Zukunft.“ Der Grünauer Matthias Scheele schreibt, er würde künftig für eine Überweisung oder zum Geldholen statt zehn Minuten fast eine Stunde benötigen. Noch stärker betroffen seien Grünauer wie die Bewohner eines Pflegehotels in der Plovdiver Straße, die es bislang mit einem Rollator zu einem Kundenbetreuer geschafft hätten, aber künftig den Weg bis in die verbleibende Filiale im Allee-Center nicht mehr bewältigen könnten.

Sparkassen-Sprecher Frank Steinmeyer hält dem entgegen, die Sparkasse sei auch ab 2018 in Grünau in hohem Maße präsent. „Wir unterhalten dort weiterhin zwei leistungsfähige Filialen, eine im Allee-Center und eine im Ratzelbogen, sowie den SB-Standort Plovdiver Straße.“

Dass die Sparkasse gemeinnützige Projekte wie ihre Kunsthalle beendet oder Sponsoring zusammenstreicht, um Filialen zu erhalten, schließt Steinmeyer aus. „Unsere Förderung von Sport, Kultur, Wissenschaft und sozialen Zwecken sowie unsere auch künftig starke Präsenz in der Fläche sind gleichermaßen Teile unseres Engagements in der Region“, sagt er. Leipzig behalte auch künftig 38 Filialen und 28 SB-Stellen.

Auch im Umland brodelt es. In Großlehna kämpft der Ortschaftsrat um den Erhalt der örtlichen Filiale. Ein Wegfall sei „nicht vorstellbar“, meint Ortschef Gerhard Schmit (CDU). Die öffentlich-rechtliche Bank habe den Auftrag, „die Bevölkerung in ihrem Geschäftsgebiet mit Finanzdienstleistungen und Bargeld zu versorgen“. Im Jahr 2008 hatte Großlehna schon einmal die Schließung der Filiale abwenden können.

Dass dies diesmal wieder gelingen könnte, sieht Sprecher Steinmeyer nicht. „Wir haben uns unsere Entscheidungen nicht leicht gemacht und sie mit Augenmaß getroffen“, betont er. „Aber wir müssen die Kundenfrequenz und die Wirtschaftlichkeit jedes Standorts bei unserer Entscheidung berücksichtigen.“

Von Andreas Tappert und Jörg ter Vehn

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