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Sparkassen-Überfall in Leipzig: Krimi-Autor muss viereinhalb Jahre hinter Gitter

Urteil am Landgericht Sparkassen-Überfall in Leipzig: Krimi-Autor muss viereinhalb Jahre hinter Gitter

Ein Krimi-Autor aus Leipzig, der im Januar 2016 eine Sparkasse überfallen hat, ist am Montag vom Landgericht zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft liest sich eines der Bücher von Frank W. wie das Drehbuch für den Überfall.

Frank W. wird in Handschellen zum Verhandlungssaal im Landgericht Leipzig gebracht.

Quelle: André Kempner

Leipzig.

Als Staatsanwalt Hans-Joachim Walburg zuvor sogar auf fünf Jahre Gefängnis plädiert, zuckt Frank W. zusammen, holt tief Luft. Mit einer solchen Strafforderung hat der Bücher schreibende Akademiker, ein Diplom-Museologe, offenbar doch nicht gerechnet. Angesichts der Fall-Kon-stellation sei mancher wohl zunächst auch geneigt, „zu schmunzeln, die Sache zu verniedlichen“, meint Walburg. Denn ein von W. bereits 2008 veröffentlichter Krimi „liest sich wie ein Drehbuch für den Überfall“, sagt der Staatsanwalt. Aus Sicht der am
26. Januar 2016 betroffenen Angestellten sowie Kunden der Sparkasse an der Halleschen Straße in Lützschena-Stahmeln allerdings habe es sich um ein schlimmes Erlebnis gehandelt, das zu Folgen wie Schlaflosigkeit führte. „Sie haben die Lockerheit, die Unbeschwertheit verloren.“ Nach Auffassung des Staatsanwaltes war der Überfall „keine spontane, unüberlegte Handlung, sondern bis zum Schluss geplant“.

Doch der Schluss verlief anders als vom Autoren erdacht: Mit einer Beute von immerhin fast 40 000 Euro „lief er in eine Polizei-Falle“. Zum Glück sei dies so passiert, meint Walburg. Wer wisse schon, auf welche Ideen der bislang unbescholtene Angeklagte ansonsten noch gekommen wäre. Denn nach dem Tod der Eltern hatte er zwar geerbt, das Geld aber verlebt und keine großen Erlöse durch die Bücher erzielt.

Am Tattag jedenfalls hatte ein Passant unmittelbar vor dem Überfall um 17.55 Uhr beobachtet, wie sich ein Verdächtiger maskiert und eine Pistole in die Hand nimmt. Zudem lösten die Sparkassen-Mitarbeiter während des fast 30-minütigen Überfalls gleich mehrfach Alarm aus, sodass der Angeklagte letztlich von Beamten in
Empfang genommen wurde.

Gerade wegen der Tat quasi „unter den Augen der Polizei“ plädiert Verteidiger Stephan Bonell für einen minder schweren Fall und maximal dreieinhalb Jahre Freiheitsentzug. „Ja, der Überfall war geplant, aber dilettantisch ausgeführt“, so der Anwalt. Bonell führt weiter das Geständnis seines Mandanten ins Feld, der zwar als Museologe Zeitverträge bekommen und Ausstellungen organisiert, aber nie Aussicht auf einen festen Job hatte. „Und ihn bremste eine innere Hemmschwelle, eine Sperre, um irgendetwas anderes zu machen“, erläutert Bonell. Er betont, dass Frank W. Reue und Einsicht gezeigt, sich bei den Betroffenen entschuldigt hat.

„Es tut mir leid“, fügt der Angeklagte, ein gebürtiger Mannheimer, hinzu, der bereits seit etwa zwei Jahrzehnten in Leipzig lebt. „So etwas wird sich nicht wiederholen“, versichert der kinderlose und ledige Mann, der als Eigenbrötler gilt. Ansonsten breche der Kontakt zu seiner Schwester, zu Verwandten und Freunden weg, und das wolle er verhindern.

Die 5. Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Berthold Pfuhl geht bei der Verhängung von viereinhalb Jahren Haft dann zwar auch von einem minder schweren Fall aus. Vor allem, weil W. den betroffenen Kunden und Angestellten signalisiert habe, dass ihnen nichts passieren werde, er nur Geld wolle. „Ich weiß, ich bin ein Arschloch“, hatte er noch in der Sparkasse gesagt. Außerdem habe W. das Magazin der Schreckschusspistole zu Hause gelassen, so Pfuhl. Es spreche jedoch auch Etliches gegen den Angeklagten: die hohe Beute, die Demütigung der Opfer, die lange Zeit auf dem Boden liegen mussten, die Planung der Tat. Frank W. will ein weiteres Buch schreiben. Worüber, ist noch unklar.

Von Sabine Kreuz

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