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Sparte "An der Lauer": Wahlausgang entzweit Kleingärtner

Sparte "An der Lauer": Wahlausgang entzweit Kleingärtner

Als sich Otto Schönemann vor fünf Jahren eine Parzelle in der Kleingartensparte "An der Lauer" zulegte, wollte er eigentlich nur seine Ruhe haben. Doch seit der ersten Vereinsversammlung schwant dem 67-jährigen Grünauer, dass in dem Kleingartenverein einige Dinge nicht ganz optimal laufen.

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Idylle pur: Die Kleingartenanlage "An der Lauer" ist begehrt.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. "Die Vereinsvorsitzende kritisierte, dass sich viel zu wenige Mitglieder für die Vorstandsarbeit interessieren und alles an ihr hängen bleibe", erzählt er. Schönemann signalisierte deshalb im Oktober 2014, dass er im Vorstand mitarbeiten würde.

In der Wahlversammlung im Februar erklärten spontan weitere Kleingärtner ihre Bereitschaft - und plötzlich gab es mehr Interessenten als Plätze im Vorstand. "Die anschießende Wahl lief chaotisch ab", erinnert sich Schönemann. "Es wurde nicht funktionsbezogen gewählt, wie es Vorschrift ist. Und die Stimmen wurden auch nicht exakt ausgezählt." Trotzdem tauchten am Ende im Wahlprotokoll Abstimmungsergebnisse auf und Schönemann erfuhr, er habe nicht genug Stimmen erhalten.

Ein paar Tage später wurde ihm dann doch mitgeteilt, dass er gewählt worden sei. Man habe sich verzählt, hieß es. Schönemann sollte in der Revisionskommission mitarbeiten. "Der letzte Revi- sionsbericht war sehr kurz und etwas seltsam", berichtet er. "Das sollte bei mir nicht so werden und deshalb wollte ich mich im Stadtverband der Kleingärtner über meine Aufgaben informieren."

Doch dort hatten sich bereits andere Vereinsmitglieder über den Wahlablauf beschwert und der Stadtverband Schönemanns altem Vereinsvorstand empfohlen, die Wahl zu wiederholen. "Seitdem warten wir darauf, dass ein neuer Wahltermin mitgeteilt wird - aber es tut sich nichts", sagt der Grünauer.

Auch im Stadtverband ist man ratlos. "Unsere Mitgliedsvereine sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständig - wir können nur empfehlen und nicht fordern", erläutert Vorsitzender Robby Müller. Die Vereinsmitglieder müssten notfalls das Amtsgericht einschalten, damit es eine Neuwahl anordnet.

Schönemann hat dies getan und das Gericht hat die Vereinsspitze schriftlich um Auskunft gebeten. "Wir haben auch geantwortet", erklärt Vereinschefin Jutta Gasch auf Anfrage. "Wenn das Gericht uns auffordert, eine Neuwahl durchzuführen, wird sie sofort vorbereitet." Wenn dies nicht geschehe, sehe der geschäftsführende Vereinsvorstand aber keine Veranlassung für eine Neuwahl. Die Kosten seien zu hoch.

Wegen dieser Auffassung kocht im Verein die Gerüchteküche. Der Tenor: Die Vereinsspitze müsse wohl einiges zu verbergen haben, wenn sie eine Neuwahl scheut. Ihre Aufwandsentschädigungen seien hoch und der Umgang mit einer Überweisung der Talsperrenverwaltung intransparent.

Die Vorsitzende weist dies zurück. Die Aufwandsentschädigungen seien in Mitgliederversammlungen beschlossen worden und die Auszahlung des Talsperren-Geldes in Vorbereitung, sagt sie.

Für den Stadtverband der Kleingärtner ist die Situation symptomatisch. "Erschreckend viele Kleingärtner interessieren sich nicht für die Situation ihrer Vereine und sind dann überrascht", schildert Verbandschef Müller. Nicht wenige würden nicht einmal die Satzung ihrer Vereine kennen, obwohl diese die Rechte der Mitglieder festschreibt.

Dieses Desinteresse betreffe oft auch die Vereinsfinanzen. "Dadurch wissen viele nicht, dass Vorstandsmitgliedern monatlich bis zu 60 Euro Aufwandsentschädigung gezahlt werden können, wenn dies die Vereinsfinanzen hergeben. Da kommt bei zehn Vorstandsmitgliedern schnell eine hohe Summe zusammen, die für Irritationen sorgt, aber völlig legitim ist."

Damit die finanziellen Abläufe transparenter werden, hat der Stadtverband im vergangenen Jahr in seinen 208 Mitgliedsvereinen über hundert Revisoren geschult. "Es gibt viel zu wenig junge Leute, die bereit sind, als Revisoren zweimal im Jahr vier oder fünf Stunden für die Vereinsarbeit zu opfern", so Müller.

Der Stadtverbandsvorsitzende weiß allerdings auch, was Vorständen droht, die eine Anordnung des Amtsgerichts ignorieren: ein Zwangsgeld bis zu 1000 Euro. Und wem das Gericht schuldhafte Unregelmäßigkeiten in Vereinsfinanzen nachweist, der könne auch mit seinem Privatvermögen zur Haftung herangezogen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.04.2015

Andreas Tappert

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