Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Speck von Sternburg übergibt Familienschatz ans Staatsarchiv Leipzig

Eine Fundgrube für Historiker Speck von Sternburg übergibt Familienschatz ans Staatsarchiv Leipzig

37 großformatige Kartons, die fünfeinhalb Regalmeter in den Regalen ausmachen – das ist der Schatz der Familie Speck von Sternburg. Akten, Tagebücher, Urkunden, Fotos, Grafiken und vieles mehr sind darin enthalten. Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg hat dies am Mittwoch ans Staatsarchiv Leipzig übergeben.

Im Staatsarchiv: Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg. Dort hat er am Mittwoch das Familienarchiv auf Grundlage eines Vertrages übergeben. Es bleibt aber im Eigentum der Familie.

Quelle: Foto: André Kempner

Leipzig.  Napoleon verfügte im November 1806 eine Kontinentalsperre über die britischen Inseln. Der Leipziger Handelsherr Maximilian Speck (1776-1856) konnte daraufhin keine Wolle mehr kaufen. Kurzerhand begann er selbst, auf dem Rittergut Lützschena Merinoschafe zu züchten, die wegen ihrer begehrten Feinwolle eine große wirtschaftliche Bedeutung hatten. Davon hörte sogar der Zar, der ihn einlud, die russische Landwirtschaft zu fördern. Der Zar ernannte ihn 1825 zum Ritter von Speck, der bayerische König machte ihn um 1829 zum Freiherrn von Sternburg. Das ist nur ein Teil einer sehr spannenden Familiengeschichte, von der sich nun wertvolle Dokumente im Staatsarchiv befinden.

Nachfahre Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg hat am Mittwoch das Familienarchiv ans Staatsarchiv Leipzig in der Schongauer Straße übergeben. „Wer etwas erbt und übernimmt, hat Verpflichtungen. Deshalb soll das Archiv der Öffentlichkeit zugänglich sein“, sagte der als Kunstmäzen bekannte und geschätzte Adelsmann, der im Februar seinen 80. Geburtstag feierte. Ein Großteil der Dokumente wurde bis zur Rückkehr der Familie nach der politischen Wende auf dem Boden des Pfarrhauses in Lützschena aufbewahrt. Für Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg, der inzwischen eine Familienchronik in einem umfangreichen Buch publiziert hat, eine „ungeheure Fundgrube“.

„Die Übergabe der Dokumente zeugt von großem Vertrauen der Familie in unsere fachliche Arbeit. Vertrauen ist das größte Geschenk, das man einem Archiv machen kann“, freute sich Andrea Wettmann, die Direktorin des Sächsischen Staatsarchivs, zu dem auch die Leipziger Einrichtung in der Schongauer Straße gehört. Die Unterlagen sind in 37 großformatigen Kartons verstaut, die es auf 5,5 Regalmeter im Archiv bringen. Akten, Dokumente, Tagebücher, Landkarten, Fotos, Druckschriften und vieles mehr befinden sich darin – thematisch oder nach Familienmitgliedern geordnet. Allein fünf Kartons, die neben vielen Dokumenten Tagebücher, Ehrenurkunden und Briefe beinhalten, gehören zu Maximilian.

So leistete der in Gröba bei Riesa geborene Maximilian Speck am 15. Mai 1807 in Leipzig den „Eid der Bürger“. Das ist Teil einer Erfolgsgeschichte, die noch heute mit dem „Speck’s Hof“ in der Reichsstraße lebendig ist. Interessant sind die Beschreibungen seiner Reisen 1801 bis 1826, etwa nach England, Frankreich oder Russland. Um bequem zu reisen, hat er sogar eigene Kutschen entworfen.

Umfangreich dokumentiert ist ebenfalls die Tätigkeit seines Enkels Hermann Speck von Sternburg, der Botschafter des Deutschen Kaiserreiches in den USA wurde. Ebenso wie die berühmte Bildersammlung, die im  Museum der Bildenden Künste aufbewahrt wird, das Rittergut Lützschena, die Sternburg-Brauerei, der Wiederaufbau von Gebäuden im Parkareal Lützschena nach 1945... „2016 beginnt die inhaltliche Erschließung sowie die konservatorische Bearbeitung des Familienarchivs“, kündigte Abteilungsleiter Volker Jäger an.

Anschließend werden die Materialien für Interessierte online zu recherchieren sein. Im Staatsarchiv sind bereits Bestände vom Rittergut Lützschena mit Freiroda sowie der Brauerei Sternburg Lützschena vorhanden. Gesammelt werden derzeit mehr als 200 Nachlässe von Familien und Einzelpersonen. Übrigens: Maximilian Speck, der später geadelte Handelsherr, hat auf dem Höhepunkt seiner Arbeit als Schafzüchter etwa 200 000 Schafe besessen – in Lützschena, in Bayern und in Russland.

Von Mathias Orbeck

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
LVZ-Reportage zu Crystal Meth in Sachsen

Die große Multimedia-Reportage berichtet über Crystal-Abhängige, Suchtberater und Drogenfahnder. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2016

    Sport frei!, heißt es auch 2016 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr