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Lokales Speck von Sternburg übergibt Familienschatz ans Staatsarchiv Leipzig
Leipzig Lokales Speck von Sternburg übergibt Familienschatz ans Staatsarchiv Leipzig
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09:53 09.11.2016
Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg (Mitte) übergibt Andrea Wettmann und Volker Jäger die wertvollen Familiendokumente. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

 Napoleon verfügte im November 1806 eine Kontinentalsperre über die britischen Inseln. Der Leipziger Handelsherr Maximilian Speck (1776-1856) konnte daraufhin keine Wolle mehr kaufen. Kurzerhand begann er selbst, auf dem Rittergut Lützschena Merinoschafe zu züchten, die wegen ihrer begehrten Feinwolle eine große wirtschaftliche Bedeutung hatten. Davon hörte sogar der Zar, der ihn einlud, die russische Landwirtschaft zu fördern. Der Zar ernannte ihn 1825 zum Ritter von Speck, der bayerische König machte ihn um 1829 zum Freiherrn von Sternburg. Das ist nur ein Teil einer sehr spannenden Familiengeschichte, von der sich nun wertvolle Dokumente im Staatsarchiv befinden.

Nachfahre Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg hat am Mittwoch das Familienarchiv ans Staatsarchiv Leipzig in der Schongauer Straße übergeben. „Wer etwas erbt und übernimmt, hat Verpflichtungen. Deshalb soll das Archiv der Öffentlichkeit zugänglich sein“, sagte der als Kunstmäzen bekannte und geschätzte Adelsmann, der im Februar seinen 80. Geburtstag feierte. Ein Großteil der Dokumente wurde bis zur Rückkehr der Familie nach der politischen Wende auf dem Boden des Pfarrhauses in Lützschena aufbewahrt. Für Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg, der inzwischen eine Familienchronik in einem umfangreichen Buch publiziert hat, eine „ungeheure Fundgrube“.

„Die Übergabe der Dokumente zeugt von großem Vertrauen der Familie in unsere fachliche Arbeit. Vertrauen ist das größte Geschenk, das man einem Archiv machen kann“, freute sich Andrea Wettmann, die Direktorin des Sächsischen Staatsarchivs, zu dem auch die Leipziger Einrichtung in der Schongauer Straße gehört. Die Unterlagen sind in 37 großformatigen Kartons verstaut, die es auf 5,5 Regalmeter im Archiv bringen. Akten, Dokumente, Tagebücher, Landkarten, Fotos, Druckschriften und vieles mehr befinden sich darin – thematisch oder nach Familienmitgliedern geordnet. Allein fünf Kartons, die neben vielen Dokumenten Tagebücher, Ehrenurkunden und Briefe beinhalten, gehören zu Maximilian.

So leistete der in Gröba bei Riesa geborene Maximilian Speck am 15. Mai 1807 in Leipzig den „Eid der Bürger“. Das ist Teil einer Erfolgsgeschichte, die noch heute mit dem „Speck’s Hof“ in der Reichsstraße lebendig ist. Interessant sind die Beschreibungen seiner Reisen 1801 bis 1826, etwa nach England, Frankreich oder Russland. Um bequem zu reisen, hat er sogar eigene Kutschen entworfen.

Umfangreich dokumentiert ist ebenfalls die Tätigkeit seines Enkels Hermann Speck von Sternburg, der Botschafter des Deutschen Kaiserreiches in den USA wurde. Ebenso wie die berühmte Bildersammlung, die im Museum der Bildenden Künste aufbewahrt wird, das Rittergut Lützschena, die Sternburg-Brauerei, der Wiederaufbau von Gebäuden im Parkareal Lützschena nach 1945... „2016 beginnt die inhaltliche Erschließung sowie die konservatorische Bearbeitung des Familienarchivs“, kündigte Abteilungsleiter Volker Jäger an.

Anschließend werden die Materialien für Interessierte online zu recherchieren sein. Im Staatsarchiv sind bereits Bestände vom Rittergut Lützschena mit Freiroda sowie der Brauerei Sternburg Lützschena vorhanden. Gesammelt werden derzeit mehr als 200 Nachlässe von Familien und Einzelpersonen. Übrigens: Maximilian Speck, der später geadelte Handelsherr, hat auf dem Höhepunkt seiner Arbeit als Schafzüchter etwa 200 000 Schafe besessen – in Lützschena, in Bayern und in Russland.

Von Mathias Orbeck

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