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Lokales Speed-Dating in Demokratie-Straßenbahn
Leipzig Lokales Speed-Dating in Demokratie-Straßenbahn
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13:22 17.09.2018
„Demokratie in Fahrt“ – unter diesem Motto ging es mit der Straßenbahnlinie 8 diskutierend durch die Stadt. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Als die Straßenbahnlinie 8 an diesem Sonnabend kurz nach 10 Uhr zu ihrer Sonderfahrt losrollt, ist der Betreuungsschlüssel nahezu ideal: Fünf Politiker und fünf Bürger sind zugestiegen unter dem Motto „Demokratie in Fahrt!“ Eine Art kommunalpolitisches Speed-Dating. Die Stadt hatte dazu eingeladen, unterwegs „über die lokale Demokratie in Leipzig ins Gespräch zu kommen“. Klar, die Organisatoren vom Projektteam „Jahr der Demokratie 2018“ hätten sich zu dieser Premiere eine deutlich größere Resonanz erhofft, sagt Leiterin Silvia Haas der LVZ. Für die jeweils eine dreiviertel Stunde währenden Fahrten vom Wilhelm-Leuschner-Platz nach Grünau und Paunsdorf habe man 500 Einwohner entlang der Strecke repräsentativ ermittelt und eingeladen. „Wir haben mit etwa zehn Prozent Zusagen gerechnet“, so Haas. Dass es am Ende nur eine Handvoll sind, darunter ein zufällig hineingeratenes Touristenpaar aus Magdeburg und Laufkundschaft mit Einkaufsbeuteln, tut dem Charme des Experiments allerdings keinen Abbruch.

Wien und Leipzig

MDR-Moderatorin Susann Blum erinnert zum Start der Tour an den Herbst ’89. Damals seien es vor allem Leipziger gewesen, die für demokratische Werte gekämpft haben. Heute jedoch sei auf den Straßen auch viel Frust zu spüren. Und in der Demokratie-Bahn? Geht es sofort in medias res. Eine 82-Jährige, die seit 1968 in Sellerhausen wohnt, wird von den mitreisenden Politikern umlagert. An Bord sind Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning, Landtagsabgeordneter Holger Mann (SPD) sowie die Stadträte Siegfried Schlegel (Linke), Katharina Krefft (Grüne) und Christopher Zenker (SPD). „Warum werden bei den Leipziger Verkehrsbetrieben jedes Jahr die Fahrpreise erhöht?“, fragt die Seniorin „Das ist nicht zu verstehen. In Wien fahren sogar wir deutschen Rentner umsonst.“ Während die Linie 8 durch Lindenau rumpelt, geht es um die Drei-Säulen-Finanzierung des ÖPNV und den Mega-Etat der österreichischen Hauptstadt, mit dem sich eine Stadt wie Leipzig keinesfalls messen könne.

Connewitz und Autonome

Dann kommt die Ur-Leipzigerin auf ihr größtes Sorgenthema zu sprechen: Kriminalität und Sicherheit. „Warum bekommt die Stadt diese linksautonome Szene im Süden nicht in den Griff?“, fragt sie in die Runde, verweist auf die jüngsten Connewitzer Randale in der Nacht zum Donnerstag. „Ich war heute früh erst da“, erwidert Krefft, „da sah dort eigentlich alles ganz gut aus.“ Vielleicht werde auch manches aufgebauscht, mutmaßt die Grünen-Frau. Bürgermeister Hörning räumt ein: „Die vollgeschmierten Hauswände, das kann einen schon stören.“ Und SPD-Abgeordneter Mann verweist darauf, dass diese Problematik „originär Aufgabe von Polizei und Staatsanwaltschaft“ sei. Die 82-Jährige umklammert einen der blauen Stoffbeutel mit Info-Broschüren, die an alle Gäste der Sonderfahrt ausgegeben wurden. „Lass uns reden!“ steht groß darauf. „Aber es gibt doch das Problem mit der autonomen Szene?“, fragt sie unsicher. Wenig später, weitere Themen wie Armut und Familienpolitik werden gestreift, stoppt die Demokratie-Fahrt wieder am Wilhelm-Leuschner-Platz und die Sellerhausenerin verschwindet im Trubel der Haltestelle.

Nächsten Sonnabend, 22. September, veranstaltet die Stadt erneut „Demokratie in Fahrt!". Dann geht es mit der Straßenbahn um den Innenstadtring. Ohne vorherige Einladung – und vielleicht auch mit einem breiteren Parteienspektrum.

Von Frank Döring

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