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Spektakuläre Höhenrettung: Leipziger Feuerwehr trainiert am Hotel Westin

Spektakuläre Höhenrettung: Leipziger Feuerwehr trainiert am Hotel Westin

Leipzig. Großeinsatz für die Leipziger Feuerwehr am Mittwochmorgen: Spezialkräfte der Höhenrettung werden auf das Dach des Westin-Hotels gerufen.

Eine Verletzte soll aus dem 27-stöckigen Gebäude gerettet und auf einer Trage in die Tiefe gelassen werden. Es regnet in Strömen, der Wind peitscht den Feuerwehrleuten ins Gesicht und dennoch lässt sich die Einheit um Jörg Volte nicht von ihrem Training abhalten. „Im Ernstfall können wir uns das Wetter ja auch nicht aussuchen“, sagt der Ausbildungsleiter und wischt sich den Regen von seiner Brille.

Aus rund 100 Metern Höhe seilen sich die Einsatzkräfte ab 9 Uhr an der Hotelfassade ab – für Volte und seine Truppe eine besondere Herausforderung. „Es ist schon ein Unterschied, ob wir in 15 Metern Höhe trainieren oder hier oben“, sagt der 49-Jährige. Sonst üben die rund 30 Männer und Frauen der Höhenrettung am Turm im Rosenthal oder bei einer Kranbau-Firma in Knautnaundorf. „Die Kollegen müssen aber ein Gefühl für diese Höhe bekommen“, betont er und freut sich, dass die Hotelleitung das Gebäude für die rund dreistündige Übung zur Verfügung gestellt hat.

Keine Zeit für Sightseeing

„Hektik ist bei so etwas fehl am Platz“, meint Feuerwehrmann Steffen Kipping, während er sich den Gurt und den sogenannten Radeberger Haken zum Abseilen anlegt. Der Abstieg im Regen ist an der gefliesten Fassade besonders schwierig. „Das Material wird nass und lässt sich schwerer handhaben“, erklärt der 47-Jährige. „Es rutscht nicht so gut nach“, ergänzt ein Kollege, der Kipping mit einem zweiten Seil sichert. Kurz darauf klettert der Hauptbrandmeister über die Dachkante, schaut kurz 96 Meter in die Tiefe und steigt nach unten. Für die Aussicht auf das neblig-trübe Zentralstadion und das imposante Stahlskelett der Tropenhalle Gondwanaland im Leipziger Zoo hat er in diesem Moment keine Zeit.

„Man muss die Gefahr der Höhe ausblenden können“, erklärt Jörg Volte die Besonderheiten seines Jobs. „ Wer Angst hat, dass das Seil reißen könnte, ist bei uns nicht gut aufgehoben“, sagt der 49-Jährige und erzählt von Kollegen, die bei Übungseinsätzen am Lippendorfer Kraftwerk einen Rückzieher gemacht haben. Rund 30 Höhenretter gibt es derzeit unter den 300 Kameraden der Leipziger Berufsfeuerwehr. Die Spezialausbildung ist freiwillig und steht jedem der Einsatzkräfte offen.

Ernst wurde es für die Kameraden zuletzt im März, als sie zu einer Höhenrettung in einen Steinbruch bei Wurzen gerufen wurden. Ein Kletterer war dort abgestürzt und hing an einem Vorsprung in rund 32 Metern Höhe. „Weil wir mit unseren Drehleitern dort nicht hinkamen, musste die Höhenrettung ran“, berichtet Volte. Er und sein Team konnten den Kletterer aus seiner misslichen Lage befreien.

Letzte Übung am Hotel sorgte für Ärger

„Bislang ist immer alles gut gegangen“, sagt der Hauptbrandmeister. So auch bei einem Einsatz am City-Hochhaus 2002, als absturzgefährdete Fensterscheiben gesichert werden mussten. Auch die Rettung eines Bauarbeiters aus einem Schacht während des Umbaus am Hauptbahnhof war für die Kameraden kein Problem.

Natürlich hat das Hotel Westin die Höhenretter nicht ohne Grund zum Training eingeladen. „Wir wollen, dass die Kollegen im Fall einer Havarie Sicherheit und eine gewisse Ortskenntnis haben“, erklärt Rüdiger Reinhardt, der technische Leiter des Hauses. „Bei uns sind regelmäßig rund 600 bis 700 Gäste untergebracht. Es ist wichtig für uns, die Sicherheit der Gäste und Mitarbeiter zu gewährleisten.“

Ausbilder Volte kann sich an das letzte Training der Spezialkräfte am Hotel Westin – zu dieser Zeit noch Merkur – im Jahr 1987 noch gut erinnern. Damals musste der Feuerwehrmann allerdings zuschauen. „Meine Kollegen haben beim Üben schwarze Streifen an der Fassade hinterlassen“, so Volte. „Wegen der Schäden gab es Ärger, daraufhin wurde das Training für meine Schicht gestrichen.“ Am Mittwochvormittag gab es keinen Ärger. Pitschenass beendeten die Kameraden gegen Mittag ihre Übung auf dem Hotel. Die Verletzte – eine Stoffpuppe – wurde sicher nach unten transportiert.

Robert Nößler

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