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Sporthalle für Engelsdorf – „Trauerspiel der Stadtverwaltung“

Leipzig-Engelsdorf Sporthalle für Engelsdorf – „Trauerspiel der Stadtverwaltung“

Die Rechtsaufsicht hält Mietverträge mit einem privaten Investor für nicht genehmigungsfähig – jetzt will die Kommune selber bauen.

Der ganz normale Notstand: Zwei Klassen der Grundschule Engelsdorf drängen sich gleichzeitig in der viel zu kleinen Turnhalle der Bildungseinrichtung im Gaswerksweg.
 

Quelle: André Kempner

Engelsdorf. Auch CDU-Stadtrat Jens Lehmann versteht die Welt nicht mehr: „Da wird seit 2014 verhandelt, warten die Ämter immer wieder mit neuen Forderungen auf. Macht uns Oberbürgermeister Burkhard Jung im Frühjahr 2016 Hoffnung, um dann im November aus vermeintlich wirtschaftlichen Gründen plötzlich seine Unterschrift unter den Vertrag zu verweigern“, echauffierte sich der Christdemokrat. Lehmann fordert deshalb nun Konsequenzen. „Wer hat für diesen zweijährigen Verzug den Hut auf?“, fragte er in die konsternierte Runde.

Beherrschen die sogenannte Experten in den Ämtern ihr Geschäft nicht? Wusste die Verwaltung womöglich von Vornherein, dass das Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist? „Dieser Eindruck drängt sich zwingend auf“, haderte Ortschefin Opitz. Architekt Frank Künne, dessen Büro den Umbau einer alten Fabrikhalle zur Sporthalle für Investor Stabernack plant, informierte darüber, dass schon vor einem Jahr Mitarbeiter der Rechtsabteilung mit am Verhandlungstisch gesessen hätten, „aber über eine mögliche Rechtswidrigkeit des Sporthallenbaus kein Wort verloren haben“.

"Wer denn sonst wenn nicht die Stadt ist dafür verantwortlich?“

Zum Verständnis: Den rund 400 Schülern der Christoph-Arnold-Grundschule sowie den Mädchen und Jungen der Engelsdorfer Förderschule steht seit mehr als einem Jahrzehnt gerade mal eine Sporthalle von der Größe eines Volleyballfeldes zur Verfügung. „Sportunterricht nach Lehrplan ist unter diesen Umständen nicht möglich“, erläuterte Sportlehrerin Gabriele Rost mit Bedauern. „Das ist gesetzwidrig. Wo bleibt hier die Rechtsaufsicht?“, schob Ortschaftsrat Rolf Seidel (CDU) sogleich nach. Der OBM sei als oberster Dienstherr der Stadt vom Gesetzgeber verpflichtet, an den Schulen Bedingungen für einen lehrplangerechten Unterricht zu schaffen.

„Wir müssen in diesem Fall auch den Stadtrat in die Verantwortung nehmen“, ließ Ortsvorsteherin Opitz in ihrer Kritik nicht nach. Dieser wisse um die Probleme an der Grundschule seit Langem, „ist aber offensichtlich seiner Kontrollpflicht gegenüber dem Verwaltungshandeln nicht gerecht geworden“. In einem Schreiben von SPD-Oberbürgermeister Jung an den Ortschaftsrat vom 3. Februar 2017 heißt es, dass nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Stabernack „die Stadt Leipzig nun selbst dafür Sorge tragen wird, die notwendigen Schul- und Hallenkapazitäten bereitzustellen. „Selbst Sorge tragen – wer denn sonst wenn nicht die Stadt ist dafür verantwortlich?“, fragte Ortschaftsrat Volker Müller (Die Linke) in die Runde.

Neue Halle seit zwei Jahren versprochen

Die Engelsdorfer Volksvertreter fühlen sich jedenfalls verhöhnt – und wohl auch die 2400 Bürger, die das Protestschreiben an den OBM für zumutbare Lern- und Lehrbedingungen an der Grundschule unterschrieben haben. Abteilungsleiter Stein bemühte sich sodann um eine Klimaverbesserung, kündigte an, dass die Stadt Leipzig auf eigenem Grund und Boden an der Edisonstraße/Klempererstraße eine Schulsporthalle errichten wolle. Dazu müssten die Schüler freilich die Engelsdorfer Straße überqueren, um die Halle nach drei oder vier Gehminuten zu erreichen. „Für das zweite Quartal 2017 ist der Planungsbeschluss vorgesehen, wenn alles gut geht, steht die Halle in der ersten Jahreshälfte 2019 zur Verfügung“, erläuterte der Fachmann aus dem Finanzdezernat. Es werde noch geprüft, ob es eine Einfeld- oder eine Zweifeldsporthalle gibt.

„Diese an sich erfreuliche Nachricht hat einen bitteren Beigeschmack“, konstatierte Sportlehrerin Rost. „Ich weiß nicht, was ich den Eltern der Schüler sagen soll, denen schon seit zwei Jahren eine neue Halle versprochen wird.“ Nun würden sie um weitere zwei Jahre vertröstet.

Noch mehr Probleme: Mehr Klassen als Räume

Schulleiter Mario Korb klammert sich derweil an jeden Funken Hoffnung, der die fatale Lage an der Christoph-Arnold-Schule zugunsten der Kinder verbessern hilft. „Die fehlende Sporthalle ist nur einer von vielen Kritikpunkten“, sagte er. Die Schule sei dreizügig ausgerichtet, ist aber im neuen Schuljahr in zwei Klassenstufen fünfzügig, da 140 Anmeldungen vorliegen. Für 18 Klassen stünden aber nur 17 Räume zur Verfügung. „Da rede ich gar nicht von den unzumutbaren Toiletten, in denen sich zur Pause 240 Jungen vor zwei Urinalen drängeln, oder vom fehlenden Speiseraum“, erläuterte er.

Rathaus-Mann Stein versicherte, dass für vier zusätzliche Räume im zweiten Quartal 2017 ebenfalls ein Planungsbeschluss gefasst werden solle. Diese werden aber nicht, wie im November vom OBM versichert, zu Beginn des neuen Schuljahres 2017/18 zur Verfügung stehen. Daher will die Bildungseinrichtung als Notlösung ein Stück vom Korridor abtrennen, um im September für 18 Klassen wenigstens 18 Räume zu haben.

Von Günther Giessler

Engelsdorf 51.338202 12.47993
Engelsdorf
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