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Sportwagen gegen Spielkonsole: "Need for Speed" fordert Porsche in Leipzig heraus

Sportwagen gegen Spielkonsole: "Need for Speed" fordert Porsche in Leipzig heraus

Wie realistisch kann ein Computer-Rennspiel sein? Der Hersteller Electronic Arts lud kurz vor der Veröffentlichung seines neuen „Need for Speed“ ins Leipziger Porsche-Werk, um genau dies auf die Probe zu stellen.

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Wie im Computerspiel: Ein zum Polizeiauto umfunktionierter "Need for Speed"-Porsche jagt über die werkseigene Teststrecke in Leipzig.

Quelle: Robert Nößler

Leipzig. Sportwagen gegen Spielkonsole: LVZ-Online hat den Praxistest gemacht.

Die Adrenalin-Achterbahnfahrt beginnt mit einem sonoren Brummen. Ein kurzes Knattern, ein ehrfürchtiges Brüllen, und die Breitreifen des 400 PS starken Sportwagens krallen sich in den Asphalt. In gut vier Sekunden rast der 911er Porsche Carrera S auf Tempo einhundert. Rennfahrer David Jahn grinst zufrieden. „Diese Beschleunigung zu fühlen, ist das Beste, was man sich vorstellen kann“, sagt der 21-Jährige. Der junge Profi-Rennfahrer ist sich sicher: Ein Computerspiel könne an diesen Fahrspaß nie ganz herankommen.

Um Jahn und die versammelte Weltpresse vom Gegenteil zu überzeugen, hat der Spielepublisher Electronic Arts (EA) an diesem Oktobernachmitttag nach Leipzig geladen. In einer zur Gaming-Lounge umgebauten Garage des Porsche-Werks stellen die englischen Entwickler von Criterion ihren am 31. Oktober erscheinenden Arcade-Racer „Need for Speed: Most Wanted“ exklusiv vor. Rund 60 internationale Journalisten dürfen dabei auch das Fahrverhalten der Boliden mit dem Geschwindigkeitsgefühl in der Praxis vergleichen – mit echten Porsches auf der werkseigenen Teststrecke.

Echtes Renngefühl auf Knopfdruck?

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„Das Fahrgefühl der Spiele gleicht sich langsam der Realität an“, meint David Jahn, professioneller Rennfahrer und Instrukteur im Leipziger Porsche-Werk.

Quelle: Dirk Knofe

Mit Tempo 200 brettern wir mit dem Sportwagen über den kurvenreichen Parcours. Ein kurzer Tritt auf die Bremse, ein scharfes Einlenken – und das Auto schlittert mit quietschenden Reifen und einem eleganten Drift durch die Spitzkehre. Was im Spiel auf Knopfdruck funktioniert, presst den Fahrer im echten 911er nicht nur in den Sitz – es erfordert auch viel Fingerspitzengefühl.

„Wir wollen nicht eins zu eins simulieren, wie sich ein solches Fahrzeug auf der Straße tatsächlich fährt“, stellt Craig Sullivan, Creative Director des Spiels, gleich zu Beginn klar. Das sei „für einen Fahrer wie du und ich“ auch zu schwierig, meint er. „Stattdessen war unser Ziel, dieses Gefühl, einen Sportwagen an seinem Limit fahren zu können, für Jedermann möglich zu machen“, betont Sullivan.

David Jahn ist kein Fahrer wie du und ich. Im Porsche Carrera Cup machte der junge Mann aus Speyer seit 2011 mit mehreren Top-Ten-Platzierungen auf sich aufmerksam – und sein Hobby zum Beruf. Der Vollblut-Pilot, der auch als Instrukteur auf der Teststrecke im Leipziger Porsche Werk arbeitet, kann die feinen Unterschiede zwischen Spiel und Realität sehr gut einschätzen. Er hat beim Vergleich mit den Computerspielen festgestellt: „Die werden Jahr für Jahr besser, das Fahrgefühl gleicht sich langsam der Realität an.“

Wenn man das Spiel mit einem Lenkrad mit Force-Feedback-Funktionen fahre, wirke es schon sehr authentisch, schätzt Jahn ein. „Dann zieht es dich in den Kurven nach außen und fängt bei der Fahrt über die Abweiser an zu rütteln, wie in einem richtigen Rennwagen.“ Aber das Gefühl vom Quertreiben des Fahrzeugs, die G-Kräfte, „das lässt sich einfach nicht simulieren“, bleibt der 21-jährige Porsche-Pilot skeptisch.

Klapp-Spoiler und verbotene Lackfarben

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Das neue "Need for Speed" läst die Herzen von PS-Fans höher schlagen - beim Realismus aber durchaus Wünsche offen.

Quelle: Screenshot Electronic Arts

Egal ob Porsche 911, Panamera oder Carrera GT – bei der originalgetreuen Nachbildung der mehr als 50 Fahrzeuge verschiedenster Marken im Spiel haben die Entwickler größte Sorgfalt walten lassen. Der Detailgrad der Need-for-Speed-Serie setzt seit jeher Maßstäbe. „Wir legen sehr viel Wert darauf, dass unsere Fahrzeuge im Spiel so realistisch wie möglich abgebildet werden“, betont Sebastian Hornung, der bei Porsche für den Bereich Branded Entertainment und damit auch für die Kooperation mit EA zuständig ist.

Die Zusammenarbeit mit den Entwicklern beginne schon in der Planungsphase eines Spiels, berichtet Hornung. Fahrzeugdaten, Designentwürfe und selbst Vorgaben zu erlaubten und verbotenen Lackfarben würden haargenau an das Spieleunternehmen weitergegeben. So fährt nicht nur der Heckspoiler des 911er wie in der Realität bei Tempo 120 automatisch aus. Die Porsches gelten wegen ihrer guten Straßenlage auch im Spiel als verlässliche und selbst bei Topspeeds gut zu beherrschende Rennboliden.

Rennspielserie wechselt wieder auf die Überholspur

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Probefahrt an der Konsole: Exklusiv vor der Veröffentlichung durften wir das neue "Need for Speed" antesten.

Quelle: Dirk Knofe

Das analoge Fahrgefühl so unterhaltsam wie möglich in die digitale PC- und Konsolenwelt zu übertragen, ist für Electronic Arts nicht nur Firmenphilosophie – es ist auch ein lukratives Geschäft. Mehrere Millionen Euro lässt sich der Publisher das neue Need for Speed – den inzwischen 19. Teil der Serie – kosten. Das mehr als 100-köpfige Team von Criterion arbeitete rund 18 Monate lang an der Entwicklung. Die Verkaufserwartungen bei EA sind dementsprechend hoch – und wurden bislang fast immer erfüllt. Die Serie hat sich seit dem ersten Teil im Jahr 1994, in der noch klobige Pixel-Porsches über den Bildschirm jagten, zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Mit mehr als 165 Millionen Kopien ist Need for Speed das weltweit meistverkaufte Rennspiel aller Zeiten.

Spielerisch setzt das Entwicklerstudio Criterion bei „Most Wanted“ statt auf Revolution eher auf eine behutsame Weiterentwicklung der Serie. Das zeigt sich schon beim Namen: Ein Need for Speed mit gleichem Titel gab es bereits 2005. Ziel ist es auch diesmal wieder, gegen die gefürchtetsten und von der Polizei meistgesuchten Raser der Stadt zu bestehen – sprich einen nach dem anderen in illegalen Straßenrennen zu besiegen und sich dazwischen wilde Verfolgungsjagden mit den Cops zu liefern. Allerdings spielt das neue „Most Wanted“ in der frei befahrbaren Stadt Fairhaven, die einer fiktiven US-Metropole nachempfunden ist.

Fahrspaß lässt sich nur bedingt simulieren

Der erste Eindruck während der knapp zweistündigen Testfahrt ist gut bis sehr gut. Der Spaßraser dürfte nach dem von Fans und Kritikern ungeliebten „The Run“ von 2011 (entwickelt von EA Black Box) auf der Rennspiel-Autobahn vom Mittelstreifen wieder auf die Überholspur wechseln. So ist eine Besonderheit des Spiels neben der intensiven Online-Vernetzung zwischen den Spielern auch der  abwechslungsreiche Fuhrpark. Von diversen Porsche-Modellen, wie der in Leipzig gebauten Luxuslimousine Panamera oder dem bislang nur als Konzeptstudie existierenden Elektro-Hybridfahrzeug 918 Spyder, über Supersportwagen wie dem Lamborghini Gallardo bis zu außergewöhnlichen Leichtfahrzeugen wie dem Ariel Atom kann der Spieler alle Wagen von Beginn an fahren. Er muss sie in der Stadt nur finden und kann dann einfach einsteigen.

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Im Geschwindigkeitsrausch: Beim Fahrspaß-Vergleich zwischen Sportwagen und Spielkonsole hat der echte Porsche hauchdünn die Nase vorn.

Quelle: Robert Nößler

Als wir am Nachmittag aus dem echten Porsche 911 Carrera S aussteigen, bleibt vor allem eine Erkenntnis: Fahrspaß lässt sich nur bedingt simulieren. Das beängstigende Dröhnen von 400 PS im Fond des Wagens sucht seinesgleichen - auch auf der Konsole. Zwar haben die Entwickler die Sounds der echten Fahrzeuge akustisch aufgenommen und ins Spiel integriert. Dieses suchterzeugende Brummen und Röhren, verbunden mit dem grenzenlosen Vortrieb, muss man aber einfach fühlen. „Das Geräusch ist sehr befriedigend“, sagt Jahn und bringt den vielleicht wesentlichsten Unterschied zu einer Runde im Pixel-Porsche auf den Punkt. Anders als beim Videospiel kann er nach einer echten Adrenalin-Achterbahnfahrt perfekt runterfahren. „Heute Abend werde ich sehr gut schlafen können.“

Ein Interview mit dem Entwickler Criterion und mehr Hintergründe zum neuen "Need for Speed: Most Wanted" lesen Sie im aktuellen "LVZ Sonntag", dem iPad-Magazin der Leipziger Volkszeitung.

Robert Nößler

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